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Ostprignitz-Ruppin Wittstocker will Plattdeutsch retten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstocker will Plattdeutsch retten
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02:17 06.07.2015
Wolfgang Wilcke zeigt der Wittstocker Bibliotheksleiterin Georgia Arndt auch Buchseiten, auf denen schon sein Vater Randnotizen vermerkt hatte. Quelle: Gerd-Peter Diederich
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Wittstock

Seitdem er in Wittstock wohnt – und das ist wirklich schon sehr lange – hat Wolfgang Wilcke fast nur hochdeutsch gesprochen. Dabei ist der 85-Jährige seit seiner Geburt mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen. Im Elternhaus in Parchim im heutigen Mecklenburg-Vorpommern wurde nur platt gesprochen.

Erst später war Wilcke nach Wittstock ins brandenburgische Land gezogen: Dort hat er 47 Jahre als Biologielehrer an der Pestalozzischule – der heutigen Dr. Wilhelm-Polthier-Oberschule – gearbeitet. Den Weggang aus Mecklenburg hatte sich Wilcke damals mit einem ordentlichen Bücherstapel der niederdeutschen Literatur etwas versüßt. Im Umzugsgepäck war eine komplette sechsbändige Fritz-Reuter-Sammlung und manches schmale Gedichtbändchen von plattdeutschen Autoren. Doch die deftiger wirkende Sprache des Schriftstellers Tornow bevorzugte Wilcke später. Wenn er sich die Bücher in den eigenen vier Wänden in die Hände nahm, dann kehrte für ihn ein Stück Heimat ein.

In der Wittstocker Bibliothek im Kontor. Quelle: Gerd-Peter Diederich

Trotz seiner engen Bindung zur plattdeutschen Literatur hat Wolfgang Wilcke jetzt einen Teil seiner Niederdeutsch-Sammlung an die Bibliothek im Kontor in Wittstock verschenkt. „Ich habe von der Gründung des Landesvereins für die Rettung und Verbreitung der niederdeutschen Sprache in Wittstock gelesen und gehört. Mit der Bücherschenkung will ich diese Arbeit unterstützen und hoffe, dass sich viele Menschen künftig auch diese Bücher ausleihen und darin lesen“, sagt der pensionierte Lehrer. Dazu gehört jetzt die Fritz-Reuter-Gesammelte-Werke-Ausgabe. Die hatte er vom Vater übernommen – und mit Bibliotheksleiterin Georgia Arndt sieht Wolfgang Wilcke gleich in den Büchern nach: Dort hat der Vater mit vielen handschriftlichen Randbemerkungen seine Spuren hinterlassen. „Auch für ihn waren diese Bücher ein Stück mitgenommene Heimat bei seiner Versetzung als Bahnbeamter auf brandenburgisches Gebiet“, sieht Wolfgang Wilcke Parallelen.

Die wertvolle Sammlung steht im Blauen Salon

Dass der Sammlungsteil nun in einer eigenen Abteilung im Blauen Salon der Bibliothek und zugleich in der Nachbarschaft zur fremdsprachigen Literatur steht, ist für Wilcke passend. „Für die meisten Menschen hier ist das eine fremde Sprache, obwohl viele Wörter auch bei Holland- und sogar Norwegenbesuchen aufzuschnappen sind“, sagt der pensionierte Lehrer. Er kommt gerade von einem Norwegentrip zurück und freut sich, dass er dort so viele vertraute Wörter vernommen hatte. „Plattdeutsch kann jeder lernen. Man sollte sich nicht von den einzelnen, regional sehr speziellen Dialekten in dieser Sprache beeindrucken lassen. Diese Sprache lernt sich am besten durchs Sprechen“, sagt der 85-Jährige. „Trotzdem glaube ich schon nicht mehr an die Rettung – nicht nur für Plattdeutsch, sondern auch für Hochdeutsch und Sprache allgemein als Kulturgut und -schatz“, sagt Wolfgang Wilcke unumwunden.

Sprachenrettung ist ein generelles Problem

Er verweist auf die immer stärker im Alltag um sich greifende Sprachverknappung und die unverständlichen neuen Mitteilungsformen in Kurzmitteilungsdiensten. „Sprachenrettung ist ein generelles Problem in dieser Gesellschaft“, so Wilcke. Deshalb freue er sich über die Unterstützung der Bibliothek, ein wenig von der niederdeutschen Sprache und Kultur zu bewahren.

Er habe seinen Kindern, die dem Plattdeutschen nie etwas abgewinnen konnten und die Sprache auch nicht lernen wollten, den Auftrag zur Übereignung der restlich bei ihm verbliebenen plattdeutschen Literatur an die Bibliothek im Kontor nach seinem Tod aufgetragen. Genügend Platz dafür ist jedenfalls im Bücherregal reserviert. Bei der Leiterin Georgia Arndt weiß Wolfgang Wilcke seinen Nachlass jedenfalls gut aufgehoben. Die Wittstockerin war schließlich einst eine seiner Schülerinnen im Biologieunterricht gewesen – und so gut kenne er sie, um ihr zu vertrauen.

Von Gerd-Peter Diederich

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