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Ostprignitz-Ruppin Wladimir Kaminer kennt die russische Seele
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wladimir Kaminer kennt die russische Seele
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00:21 11.11.2017
Wladimir Kaminer las in Sewekow. Quelle: Björn Wagener
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Sewekow

Wladimir Kaminer kann alles erklären, auch wenn er nicht alles versteht, was seine Frau Olga so umtreibt. Das fängt schon beim Wetter an. Der Winter, „der Faschismus der Natur“, sei überhaupt gar nichts für sie. Überall Tristesse und Kälte. Wenn die „Laubbläser-Soldaten“ vom Ordnungsamt vergeblich versuchen, das Blattwerk wieder auf die Bäume zu pusten und demnächst wohl auch noch „Pfützensauger“ zum Einsatz kommen, dann fühlt sich Olga ganz krank und fängt an zu husten und zu niesen. Doch nicht Heißgetränke oder Pillen aus der Apotheke helfen, „sondern ein neues Kleid, neue Schuhe und eine Handtasche“, hat ihr Ehemann längst festgestellt.

Kaminer kennt die russische Seele

Am Dienstagabend nahm Wladimir Kaminer die rund 200 Gäste in der Sewekower Max-Schmeling mit in die Welt der russischen Seele, vor allem aber in die seiner Frau. Es war nach 2014 bereits das zweite Gastspiel für Kaminer in Sewekow. „Wir haben ihn wieder eingeladen, weil er inzwischen neue Bücher geschrieben hat und auch in Talkrunden ein gern gesehener Gast ist“, sagt Heidi Schäfer vom örtlichen Heimatverein, der die Lesung mit Unterstützung der Volks- und Raiffeisenbank und der Sparkasse OPR ermöglichte. Kaminer sorgte für ein ausverkauftes Haus. Für die Gäste, die zum Teil auch aus Mecklenburg-Vorpommern und vereinzelt sogar aus Berlin angereist waren, gab es eine Tombola, bei der dem Gewinner eines der Bücher Wladimir Kaminers winkte. „Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß“, heißt das unterhaltsame Werk, um das es vorrangig am Dienstag in Sewekow ging. Mit russischem Akzent gab der 50-Jährige Einblick in Erlebnisse, die beim Publikum immer wieder für Lacher sorgten.

Das Publikum freute sich über den amüsanten Abend. Quelle: Björn Wagener

Da sind zum Beispiel die blütenweißen, teuren Servietten, die seine Frau vor Jahren in Portugal kaufte und damit eine „portugiesische Großfamilie auf einen Schlag wohlhabend machte“. Man hätte sie durchaus schon einmal verwenden können, etwa bei einer Silvesterfeier, die meist „in einer langen Nacht vom 31. Dezember bis 3. Januar“ stattfinde. Aber dem gut gelaunten Partyvolk und eventuell „liegen gebliebenen Gästen“ blieben die Nobel-Servietten bisher verborgen. „Olga holt sie dann immer nur kurz zuvor aus dem Schrank, schaut sie sich an und legt sie behutsam wieder dorthin zurück.“ Mittlerweile befänden sich die Servietten in guter Gesellschaft mit seidener Bettwäsche aus Frankreich. „Denn Olga wollte nicht ohne diese Bettwäsche heimreisen.“ Es sei ja auch wirklich schöne Bettwäsche. Sie habe nur einen Nachteil: „Man kann nicht darin schlafen, weil sie viel zu glatt ist und vom Bett rutscht.“ Also bleibt sie im Schrank – bei den Servietten. „Ich glaube, die Bettwäsche ist nur dazu da, um die Servietten zu unterhalten, damit es nicht zu einsam wird.“ Darauf komme es schließlich an im Leben – jemanden zu haben, der einen liebt.

Olga und die Liebe zu Pflanzen

Es ging unter anderem aber auch um die Liebe zu Pflanzen, die bei Olga ganz spezielle Blüten treibt; Erlebnisse auf einer Kreuzfahrt, auf der Kaminer drei Lesungen hielt, die aber gefühlt 14 Tage andauerten und eine Reihe anderer privater Schmunzel-Geschichten. Dabei versprühte er den Eindruck, als habe er beim Schreiben ebenso viel Spaß gehabt wie die Gäste in Sewekow beim Zuhören. Wer wollte, konnte sich sein frisch erworbenes Buch auch von Wladimir Kaminer signieren lassen.

Von Björn Wagener

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