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Ostprignitz-Ruppin Wo Anhänger ins Rollen kommen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wo Anhänger ins Rollen kommen
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00:40 05.03.2018
Ohne Helm und Warnweste kommt bei Hüffermann kein Besucher aufs Gelände – auch nicht zum „Betriebsausflug“ Quelle: Peter Geisler
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Neustadt

Eines bekamen die etwa 20 Teilnehmer beim „Betriebsausflug“ der MAZ und der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg (REG) am Mittwoch ganz schnell mit: Selbstbewusstsein gilt bei Hüffermann Transportsysteme in Neustadt eindeutig als Tugend. Geschäftsführer Stephan von Schwander gelang es, die Besucher mit seiner Begeisterung für den Fahrzeugbau anzustecken. „Ich könnte noch so viel erzählen, aber dann wären wir morgen noch hier.“ Der Satz fiel mehrfach.

Die Hüffermann Transportsysteme GmbH ist Hersteller von Lkw-Anhängern für Wechselbehälter und Abrollcontainer, Lkw- und Sonderaufbauten, Entsorgungsfahrzeuge sowie Ladesicherungssystemen. In Neustadt hatten langjährige Leser der Märkischen Allgemeinen jetzt Gelegenheit zu einer Werksbesichtigung.

Dabei vermittelte von Schwander auch so schon eine schwere Ladung an Informationen. Das ging bei der über 100-jährigen Geschichte des mittelständischen Unternehmens mit Wurzeln im niedersächsischen Wildeshausen los. Dass man 1990 den zusätzlichen Standort an der Dosse wählte, sei nicht von ungefähr gekommen. „Das wurde damals Neustadt – wegen der Menschen“, betont der Geschäftsführer. Mit den Mitarbeitern des einstigen Kreisbetriebes für Landtechnik habe man einen wahren Schatz an Kompetenz und Improvisationsfähigkeit erschlossen. Davon zehre das Unternehmen bis heute. Neustadt ist inzwischen zum Hauptfirmensitz avanciert.

Mit Innovation zum Marktführer

Hüffermann Transportsysteme eroberte sich die Position des Marktführers in Deutschland. „60 Prozent aller Anhänger, die Behälter fahren, werden hier bei uns gebaut.“ In Japan, Polen, Schweden oder Italien sei man ebenfalls vorne mit dabei.

Fahrgestelle für Absetz- und Abrollbehälter sind die Spezialität der Neustädter. Wirtschaftlich gesehen mag das eine kleine Nische sein. Anspruchsvoll ist es in jedem Fall. Denn bei Hüffermann versucht man möglichst viel selbst zu machen: von der Konstruktion über das Zuschneiden, Formen und Verschweißen der Stahlteile bis hin zur Ausstattung mit Hydraulik, Elektrik und Sicherheitstechnik.

„Das, was Sie da gerade bei der Oberflächenbehandlung sehen, ist deutschlandweit einmalig“, schwärmt Stephan von Schwander. Die meisten anderen Hersteller hätten Arbeitsschritte wie das Sandstrahlen oder Verzinken angesichts des Aufwandes längst ausgelagert. „Wir haben nicht ausgelagert. Wir haben investiert.“ Zweistellige Millionenbeträge seien in den vergangenen Jahren in den Neustädter Produktionsstandort geflossen. „Wir haben jetzt wieder ein Riesenbauprojekt“. Und nächstes Jahr folge ein weiteres.

Technologie ersetzt Knochenjob

Ein Ergebnis konnten die Besucher unter anderem in der Abteilung für das Sandstrahlen in Augenschein nehmen. Früher sei das für die Mitarbeiter eine wahre Schinderei gewesen, erzählt der Geschäftsführer: schwere Schutzanzüge, Hitze, Lärm, Staub. „Wir haben uns gesagt: Wir probieren mal eine automatische Anlage. Das war was ganz Neues. Das hat Spaß gemacht.“

Seitdem gleiten die vormontierten Fahrgestelle an einer Art Seilbahn durch eine geschlossene Kammer, in der sie mit kleinsten Stahlpartikeln beschossen werden, bis die Oberfläche absolut sauber und gleichmäßig strukturiert ist.

Die Mitarbeiter übernähmen nur noch die Endkontrolle und eventuelle Nachbesserungen, sagt von Schwander, der von der Qualität dieser Methode absolut überzeugt ist: „Zehn Jahre Garantie auf Stahlbau ’Made in Neustadt’ – das ist doch nicht schlecht.“

Jahr für Jahr mehr Produktion

Offenbar findet das auch bei den Hüffermann-Kunden Anklang. Im Jahr 2009 wurden in Neustadt 512 Anhänger produziert. Im vergangenen Jahr waren es bereits 1134. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs von rund 60 Anfang der 90er Jahre auf inzwischen weit über 200. Mehr als 30 Lehrlinge werden derzeit im Unternehmen ausgebildet: Metallbauer, Lackierer, Lagerlogistiker und Mechatroniker, Produktdesigner und Industriekaufleute.

Zufrieden ist der Geschäftsführer damit noch lange nicht. Die Auftragsbücher seien voll. „Wir könnten in drei Schichten arbeiten, wenn wir mehr Lackierer hätten“, nennt Stephan von Schwander ein Beispiel für den Fachkräftebedarf. „Wir brauchen bestimmt noch zehn Mitarbeiter. Wenn Sie also noch irgendjemanden in der Verwandtschaft kennen ...“

Auf der Suche nach Verstärkung

Das Thema Job und Ausbildung interessierte die Besucher durchaus. Ob es denn noch Schülerpraktika oder Ferienarbeit gebe, wollte einer wissen.

Bei diesem Thema musste der Geschäftsführer passen – zumindest momentan: „Für das Jahr 2018 haben wir das storniert, weil wir eine Auftragslage von 120 Prozent haben.“ Es bleibe derzeit einfach keine Zeit, um sich um die jungen Leute zu kümmern. Aber nächstes Jahr wolle man wieder entsprechende Angebote machen. Schon seit Jahren bestehe eine enge Kooperation mit der Neustädter Schule in Sachen Berufsorientierung. „Den Kyritzern haben wir das auch angeboten.“ Das Unternehmen habe auch schon eigens in eine Lehrwerkstatt investiert.

Eine weitere Frage betraf auch die Voraussetzungen für so einen Job, für die Lehre und den Weg darüber hinaus.

Was für ihn mehr zähle als irgendwelche Zeugnisse, sei vor allem die persönliche Motivation, betonte von Schwander. Man versuche Leistung für das Unternehmen zu fördern: „Bei guten Noten bekommen unsere Auszubildenden Prämien.“ Das Unternehmen beteilige sich bei der Ausbildung auch an internationalen Austauschprogrammen. Und: „Wir haben jedes Jahr zwei, drei Leute, die ausgelernt haben und dann mit unserer Hilfe studieren.“

Das Unternehmen präsentiert unter www.karriere-hueffermann.de seine Stellen- und Ausbildungsangebote.

Hüffermann Transportsysteme GmbH

Branche: Fahrzeugbau

Spezialität: Fahrgestelle für Absetz- und Abrollcontainer, Serien- bis Einzelfertigung

Standort: Kampehler Straße 20, 16845 Neustadt (Dosse)

Mitarbeiter: gut 210, darunter 34 Auszubildende

Berufe im Unternehmen: Metallbauer, Fahrzeuglackierer, Lagerlogistiker, Produktdesigner, Industriekaufleute, Mechatroniker

Offene Stellen: Monteur, Schweißer, Qualitätskontrolleur, technischer Redakteur

Internet: www.hueffermann.de

Von Alexander Beckmann

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