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Wo Glaube neuen Raum gewinnen soll

Neuruppin Wo Glaube neuen Raum gewinnen soll

Die katholische Kirche steht vor großen Veränderungen – was dabei herauskommt, ist noch unklar. Erzbischof Heiner Koch war jetzt im künftigen „pastoralen Raum“ unterwegs, um den Katholiken zwischen Gransee und Fehrbellin Mut zu machen.

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Der Berliner Erzbischof Heiner Koch war den ganzen Tag über zwischen Fürstenberg und Fehrbellin unterwegs und hörte aufmerksam zu, was die Menschen in der Region bewegt.

Quelle: Reyk Grunow

Neuruppin. Die Rheinsberger Katholiken sind ganz euphorisch, als Heiner Koch aus dem Auto steigt. Begeistert begrüßen sie ihren Erzbischof. Es herrscht große Freude – dabei würde nicht jeder den Anlass, aus dem Erzbischof Koch Rheinsberg an diesem Mittwoch einen Kurzbesuch abstattet, positiv nennen. Er kommt, um den nächsten Schritt für den Zusammenschluss zweier Pfarreien zu besiegeln. Rheinsberg gehört bisher wie Gransee zur Pfarrei St. Hedwig in Fürstenberg, Fehrbellin und Lindow zur Pfarrei Herz Jesu in Neuruppin. In drei Jahren wird es nur noch eine geben.

„Wo Glaube Raum gewinnt“ heißt das Konzept, das der damalige Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki 2013 auf den Weg gebracht hat. Das Erzbistum Berlin reicht von Rügen bis zur Lausitz und umfasst einen großen Teil Vorpommerns und Brandenburgs. Bis 2020 sollen aus den ursprünglich 105 Pfarreien im Erzbistum 30 werden. Pfarreien sind in der katholischen Kirche die Bereiche, für die ein Pfarrer zuständig ist. Innerhalb einer Pfarrei kann es mehrere Gemeinden geben.

Mit einem Festgottesdienst in Neuruppin eröffnete Heiner Koch am Mittwochabend die nächste Phase des Zusammenschlusses der beiden Pfarreien Neu

Mit einem Festgottesdienst in Neuruppin eröffnete Heiner Koch am Mittwochabend die nächste Phase des Zusammenschlusses der beiden Pfarreien Neuruppin und Fürstenberg

Quelle: Reyk Grunow

Mehrere Gründen zwingen die katholische Kirche zu der Reform. Zum einen der zunehmende Priestermangel: Viele Pfarrer sind alt und werden bald in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig lassen sich nur wenige junge Männer noch zu Priestern weihen. Doch bei der katholischen Kirche herrscht nicht nur Fachkräftemangel, es gibt auch ein akutes Mitgliederproblem.

„Wir sind eine Kirche in der Diaspora“, sagt Erzbischof Heiner Koch – Diaspora heißt Verstreutheit. Nur jeder fünfte Brandenburger ist Christ, lediglich sieben Prozent der Märker bekennen sich zum katholischen Glauben. Die künftige Pfarrei Fürstenberg-Neuruppin wird etwas mehr als 2000 Mitglieder haben – verteilt auf einer Fläche dreimal so groß wie ganz Hamburg.

Aber wie kann eine Kirche mit immer weniger Christen und weniger hauptamtlichen Mitarbeitern weiter bestehen? Das ist die wesentliche Frage. „Es geht darum, wie wir unseren Glauben in so großer Trennung voneinander leben können“, sagt Heiner Koch am Mittwochabend bei einem Festgottesdienst in Neuruppin. Ein Patentrezept hat auch er nicht. „Es gibt keinen Weg“, sagt Koch. „Wir müssen den Weg erst entwickeln.“

Viele Katholiken sind verunsichert, was die Zukunft bringt

Nach zwei Jahren „Findungsphase“ brechen die beiden Pfarreine Fürstenberg und Neuruppin jetzt in die „Entwicklungsphase“ auf. Am Ende sollen sie eins sein. „Es geht nicht um eine Fusion“, betont Markus Weber, der den Prozess beim Erzbistum in Berlin begleitet. Die einzelnen Gemeinden sollen erhalten bleiben und doch wird sich das Leben im neuen „pastoralen Raum“ gründlich ändern.

„Bei manchen sorgt das für Verunsicherung“, weiß Pfarrer Michael Ritschel aus Fürstenberg, der als Dekan für fünf Pfarreien zwischen Fürstenberg und Berlin zuständig ist. Was genau auf die Gemeinden zukommen wird, wer in drei Jahren Pfarrer sein wird, wer Verwaltungschef – das alles weiß auch Ritschel nicht. Zentraler Ort der neuen Pfarrei wird wohl Neuruppin werden, doch kirchliches Leben soll es überall geben. Dass die katholische Kirche immer mehr Mitglieder verliert, ist für ihn kein Argument. „Das ist wie in der Familie“, sagt Michael Ritschel. „Ob es ein lebendiges Familienleben gibt, hängt nicht davon ab, wie groß die Familie ist.“

In Rheinsberg gibt es auf dem Papier etwa 150 Katholiken, nur ein Teil ist aber aktiv. Früher waren es 50, heute sind es vielleicht noch 25. Trotzdem gibt es jede Woche im Gemeindehaus an der Poststraße einen Gottesdienst. Zu Johanni kommen fast schon traditionell auch Katholiken aus Neuruppin nach Rheinsberg und die evangelischen Christen feiern ebenfalls mit. Die Rheinsberger scheinen fest entschlossen, sich von den aktuellen Reformplänen nicht verunsichern zu lassen. Sie sehen darin eher eine Herausforderung. „Für uns ist das sehr spannend“, sagt Irene Goy. Sie freut sich darauf.

Von Reyk Grunow

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