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Wo Max Raabe für wenige singt

Promis in Garz Wo Max Raabe für wenige singt

Max Raabe, Sandra Maischberger, Dieter Kosslick – sie alle waren schon mal in dem 130-Einwohner-Dorf Garz zumindest als Gast. Was macht den zugegebenermaßen malerischen Ort zu einem der beliebtesten unter den Dorf-Schönheiten der Region? Es sind die einflussreichen Menschen, die dort lebten und leben.

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Ortsvorsteher Thomas Voigt ist froh über das Extra-Engagement für sein Dorf. So konnte ein Großteil der Kirche saniert werden.

Quelle: Celina Aniol

Garz. Max Raabe singt auf der Empore. Ja der Raabe, der schon im New Yorker Tempel der klassischen Musik, in der Cornegie Hall, Begeisterungsstürme für seine lakonisch-leidenschaftlich zelebrierte Interpretation der Weimarer Zeit in Ton und Bild hervorrief „Können Sie sich das vorstellen?“ Die Frage von Thomas Voigt ist rein rhetorisch. Zeit für eine Antwort lässt der Ortsvorsteher von Garz seinem Gegenüber keine. Stattdessen schwärmt er: „Wie das klang... Das war schon etwas ganz Besonderes, ihn hier in unserer Kirche singen zu hören.“

Ja, die Garzer Kirche, Garz überhaupt. Es scheint, dass der malerische Ort mit seinem etwas zurückversetzten Dorfanger, auf dem das Gotteshaus thront, ein Anziehungspunkt für Prominenz ist. Schon immer, aber jetzt mehr denn je. Und wie eh und je ist das höchst vorzeigbare Gutshaus der Magnet. Jahrhunderte lang wurde es von der einflussreichen Familie von Quast bewohnt. Mit und wegen ihr kamen damals viele bekannte Persönlichkeiten ins Dorf, sogar der große Kurfürst oder der spätere deutsche Kaiser sollen da gewesen sein.

Anfang des neuen Jahrtausends ist André Schmitz in das Herrenhaus eingezogen, in dem zu DDR-Zeit die LPG-Küche und die Krippe untergebracht waren. Schmitz war von 2001 Staatssekretär und Chef der Senatskanzlei von Berlin, später Kulturstaatssekretär der Hauptstadt, vorher Verwaltungsdirektor der Volksbühne und kommissarischer Intendant der Deutschen Oper Berlin. Ein äußerst einflussreicher Mann mit vielen Kontakten also. „Das war wie eine kleine Explosion für Garz“, sagt Thomas Voigt. „André Schmitz hat viel dazu beigetragen, dass die Kirche saniert wurde, dass Garz aufgeblüht ist.“ In seinem Schlepptau kamen Politiker, Künstler und andere Prominente in das Dorf, und mit ihnen auch hohe Spenden, die dem Ort zugutekamen. „Wowereit war schon öfter da, aber auch Hellmuth Karasek oder der Intendant der Deutschen Oper.“ Genauso wie Fernsehmoderatorin Sandra Maischberger oder der frühere Berliner Bürgermeister Eberhard Diepgen und Berlinale Direktor Dieter Kosslick. Auch ein Bundespräsident war dabei, verrät Voigt. „ Und viele, viele Schauspieler, Musiker oder andere Kulturschaffende.“

Sie kommen miteinander einfach ins Gespräch

Hausieren gehen die Garzer mit ihrem Prominentenklub nicht unbedingt. Während in anderen Orten der Besuch von jedem B-Sternchen ein Ereignis ist, das herausposaunt wird, machen sie kein Aufhebens darum. „Ich glaube, dass sich die wichtigen Leute bei uns deshalb so wohl fühlen, weil sie hier so ganz normal empfangen werden“, sagt der 58-Jährige. Sie seien auch immer wieder überrascht, dass man mit den Garzern so einfach ins Gespräch kommen kann, ergänzt er sichtlich stolz.

Dass André Schmitz heute nicht mehr im Amt ist, tut seinem Engagement keinen Abbruch. Zwar ist im Zusammenhang mit der Steuerhinterziehungsaffäre 2014, die ihm den Posten kostete, auch Kritik in bezug auf Garz aufgekommen. Er habe seine berufliche Stellung dafür genutzt, die von ihm mitorganisierten Kulturfeste in dem Dorf zu unterstützen. So gab es Kritik am Auftritt des Kinderballetts der Deutschen Oper. Schmitz, der in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde, mag nach seinem Rückzug aus der Politik nicht mehr so im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Die Liebe zu Garz ist aber wohl geblieben.

Hilfe bei der Restaurierung der Kirche

Thomas Voigt ist ihm vor allem für die Hilfe bei der Restaurierung der Kirche dankbar. 100 000 Euro habe diese im Laufe der vergangenen Jahre gekostet, schätzt er. Eine große Summe für ein kleines Dorf, die ohne das Extra-Engagement nicht drin wäre. Thomas Voigt hofft, dass noch mehr Geld zusammenkommt. Denn die Kirche sei ihnen zwar „durchsaniert“ wie er sagt, und auch der Kirchgarten sehe piccobello aus. Der Glockenstuhl samt Stiege, der Außenputz und die Uhr des Gotteshauses brauchen aber ganz klar noch eine Kur. Das Programm des Garzer Kultursommers, bei dem dafür Spenden gesammelt werden, falle in diesem Jahr allerdings etwas bescheidener aus als sonst. „Es gab einfach viele Absagen“, sagt Voigt. „So ist das eben manchmal.“ 2017 werde es aber sicher besser laufen – und mit Hilfe der Prominenten werde man den Ausfall wieder aufholen.

Ob Raabe da wieder nach Garz kommt? Überzeugen lassen würde sich der Sänger sicher. „Ich habe ja schon öfter ein Bier mit ihm getrunken“, sagt Voigt. Ob die Garzer das dann aber auch an die große Glocke hängen würden? „Ich könnte auch ein kleines Privatkonzert genießen“, sagt der Ortsvorsteher.

Von Celina Aniol

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