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Wo die eierlegende Wollmilchsau wächst

Zempow Wo die eierlegende Wollmilchsau wächst

Hanf dient der Menschheit schon seit Jahrtausenden als Nutzpflanze. Ob für Kleidung oder Nahrungsmittel, Fasern und Samen sind vielseitig nutzbar. Über diese Vielseitigkeit informierte am Dienstag die „Hanf Farm“ in Zempow. Dort lässt sie von Landwirt Wilhelm Schäkel die Pflanzen auf 70 Hektar anbauen.

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Das Fachpublikum roch, fühlte und kostete die Finola-Hanfpflanzen auf Wilhelm Schäkels Feld.

Quelle: Christian Bark

Zempow. Wer heute etwas vom Hanfanbau hört, mag damit zunächst Cannabispflanzen auf Berliner Balkonen assoziieren. Dass Hanf als Nutzpflanze aber äußerst vielseitig ist und schon seit Jahrtausenden zu unserer Kultur gehört, wird vielen erst auf dem zweiten Blick klar. Diesen ermöglichte am Dienstag das Unternehmen „Hanf Farm“ in Zempow. Dort lässt es seine Pflanzen von Landwirt Wilhelm Schäkel auf 70 Hektar Ackerfläche anbauen.

Rafael Dulon ging auf die einzelnen Bestandteile der Nutzpflanze ein

Rafael Dulon ging auf die einzelnen Bestandteile der Nutzpflanze ein.

Quelle: Christian Bark

„Ohne Hanf hätten unsere Vorfahren nur schwer Amerika entdecken können“, erklärte Hanf-Farm-Geschäftsführer Rafael Dulon und spielte damit auf die Verwendung der Fasern für die Segelherstellung an. Aufgrund des rauschbewirkenden Bestandteils in der Samenschale, Tetrahydrocannabinol (THC), war der Anbau der Nutzpflanze lange Zeit verboten, zumindest in der Bundesrepublik. „Zu DDR-Zeiten wuchs im Rhinluch jede Menge Hanf“, erinnerte sich Gerrit Schröter aus Lindow. Er war aus reinem Interesse für den modernen Hanfanbau nach Zempow gekommen. Früher war er Chef der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) Neuruppin.

70 Hektar Anbaufläche für Hanf in Zempow

Seit 2014 baut Landwirt Wilhelm Schäkel Hanf für die Hanf Farm in Zempow an. Aktuell sind es 50 Hektar Haupt- und 20 Hektar Zwischenfrucht. Darunter die Arten Finola und Santhica.

Von 14 Landwirten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern lässt die Hanf Farm die Pflanzen anbauen. Das sind 350 Hektar Anbaufläche. Die Betriebsstätte ist in Priborn.

„Damals hatten wir nicht die Technik, die Pflanzen zu zähmen“, sagte er. So seien sie bis zu fünf Meter in die Höhe geschossen. Die berauschende Wirkung des THC sei kein Problem gewesen, im Gegenteil. „Wenns mal Streit gab, wurden die Leute in die Hanfernte geschickt. Danach waren alle wieder bei bester Laune“, blickte er amüsiert zurück.

Für die Erntemaschine dürfen die Pflanzen nicht zu hoch wachsen

Für die Erntemaschine dürfen die Pflanzen nicht zu hoch wachsen. Bei diesem Finola-Feld hatte es die Maschine aber mit kleinen Kalibern zu tun.

Quelle: Christian Bark

Tatsächlich ist der Hanf aber wieder im Kommen, wie Rafael Dulon erklärte. Die Nutzpflanze sei quasi eine „eierlegende Wollmilchsau“, wegen ihrer vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten. Bei kleineren Kalibern wie der Finola, die auch Wilhelm Schäkel in Zempow anbaut, gewinne man zum Beispiel wunderbar nussiges Korn zur Herstellung von Hanföl oder Mehl. Größere Arten wie Santhica verfügten über einen robusten Stil, aus dessen Fasern beispielsweise Textilien oder Dämmstoffe hergestellt werden können. Das interessierte auch Jörg Köppen aus der Nähe von Wusterhausen. Seit diesem Jahr pflanzt er in seinem Nebenerwerbsbetrieb „Demeter“ Hanf an – die Sorte USO 31. „Die ist einsteigerfreundlich“, sagte er. Die Fasern wolle er an einen Dämmstoffhersteller liefern. Wenn alles gut läuft wolle er sogar Hanföl herstellen und selbst vermarkten.

Mal kosten

Mal kosten? Als Begrüßungssnack gab es süße Hanfsamen.

Quelle: Christian Bark

Eine wichtige Wirkung hat auch die Wurzel der Pflanze, nicht nur dass Hanf relativ gut auf den kargen Sandböden Brandenburgs wächst – „Er lockert auch den Boden auf“, erklärte Wilhelm Schäkel. Das bewirke eine bessere Bodenqualität für nachfolgende Anbaukulturen. Zudem sei der Wuchs von Hanf ein Indikator dafür, ob der Boden noch für die Landwirtschaft genutzt werden kann. Das ist auch ein Grund für Karl Gärtner aus Dranse, über den Hanfanbau nachzudenken. „Wir nutzen 350 Hektar für den Ökoanbau“, informierte er. Dort wachsen unter anderem Getreidepflanzen als Futter für Nutztiere. Hanf könnte künftig auch dazugehören. Wer sich dem Trend allerdings anschließt, muss auch mit regelmäßigen Kontrollen rechnen, wie Wilhelm Schäkel bei der Besichtigung eines seiner Hanffelder berichtete. Sieben Mal sei es inzwischen kontrolliert worden. Entscheidend sei, dass der THC-Anteil in den Pflanzen weniger als 0,2 Prozent betrage. „Eine Tonne Hanfsamen pro Hektar wäre ein guter Ertrag“, blickte Schäkel auf die bereite begonnene Hanfernte auf dem Finola-Feld.

Von Christian Bark

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