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Ostprignitz-Ruppin Wohnen auf dem Armenfriedhof
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wohnen auf dem Armenfriedhof
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00:22 11.11.2017
Geschäftsführer Robert Liefke (l.) hat in die Wand des Neubaus eine Kartusche mit Tageszeitungen und alten Plänen eingemauert. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Zu wenige freie Wohnungen? Robert Liefke, der Chef der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft (NWG), kann den Vorwurf mancher Stadtverordneter kaum nachvollziehen. „In den nächsten 18 Monaten werden wir als NWG 64 Wohnungen auf den Markt bringen, die bisher nicht verfügbar sind“, sagt er. Die müssen erst einmal vermietet werden. Dass es in Neuruppin einen akuten Mangel an Wohnungen gibt, glaubt Robert Liefke nicht.

Am Mittwoch legte er in der Friedrich-Engels-Straße 27, gleich am Braschplatz, den Grundstück für einen Neubau. Auf dem Hinterhof des herrschaftlichen Mietshauses soll ein Neubau mit vier Wohnungen von jeweils 75 Quadratmetern entstehen. Zwei davon werden barrierefrei gebaut, zwei sind „normale Wohnungen“. Alle bekommen einen Balkon oder eine Terrasse. Einen Keller gibt es nicht. Das Bauvorhaben soll möglichst wenig in den Boden gehen. Wo heute das Wohnhaus entsteht, war früher ein Teil des Armenfriedhofs von Neuruppin.

Das einstige Palais der Familie von Winterfeld an der Friedrich-Engels-Straße gehört zu den eindrucksvollsten Bauten in Neuruppin, finden Denkmalschützer. Quelle: Reyk Grunow

Der Neubau ist eigentlich nur ein kleiner Teil dessen, was dort gerade passiert. Schon vor Monaten hat die NWG das denkmalgeschützte Vorderhaus räumen lassen. Das war – obwohl nicht unbedingt im besten Zustand – bis zuletzt immer noch bewohnt. Im Hausflur warnten zuletzt Schilder davor, das Leitungswasser zum Trinken oder Kochen zu benutzen; es floss noch immer durch alte, giftige Bleirohre. Die verschwinden jetzt, wie ohnehin das gesamte Gebäude umgebaut wird. Rund 1,2 Millionen Euro hat die NWG für die Komplettsanierung des einstigen Palais der Familie von Winterfeld eingeplant. Bei dem großen Gebäude mit Steintreppe und imposantem Portal handelt es sich um „eines der prächtigsten und baugeschichtlich bedeutsamsten Bürgerhäuser der Stadt“, urteilte die oberste Denkmalbehörde des Landes in den 90er Jahren.

Liefke geht davon aus, dass die eingeplanten 1,2 Millionen Euro für die Sanierung des Vorderhauses vermutlich nicht reichen werden. Auch bei anderen Vorhaben hat das Unternehmen längst gemerkt, dass die Baupreise anziehen. Der NWG-Chef rechnet deshalb eher mit 1,5 Millionen Euro Sanierungskosten. Der Neubau auf dem Hinterhof ist da nicht mitgerechnet. Für den sind noch einmal rund 750 000 Euro vorgesehen. Mit einer Investitionssumme von rund 2500 Euro pro Quadratmetern werden die Wohnungen am Ende nicht unbedingt ein Schnäppchen sein. Im Durchschnitt liegt die Kaltmiete voraussichtlich bei 8,50 Euro, sagt Liefke.

Nach der Grundsteinlegung am Mittwoch sollen die Bauarbeiten an der Friedrich-Engels-Straße 27 schnell in Gang kommen. Die NWG würde gern mit dem Wesentlichen fertig sein, wenn die Stadt 2018 beginnt, die Friedrich-Engels-Straße am Braschplatz ausbauen zu lassen. Ungünstig wäre, wenn schwere Baufahrzeuge womöglich nicht auf den Hof kommen, weil die Fahrbahn vor der Tür aufgerissen ist.

Die NWG ist der größte Vermieter weit und breit

Die NWG ist mit rund 3700 eigenen Wohnungen in Neuruppin der mit Abstand größte Vermieter in der Region. Zusätzlich verwaltet das städtische Tochterunternehmen etwa 1700 Wohnungen anderer Eigentümer. Neubau und Sanierung in der Friedrich-Engels-Straße sind nicht die einzigen Investitionsvorhaben der Wohnungsbaugesellschaft. In der Virchowstraße ist die NWG gerade dabei, ein Mietshaus zu sanieren, das über Jahre leer stand; dort entstehen sieben Wohnungen. In der Hermann-Matern-Straße lässt die NWG derzeit 15 Wohnungen umbauen. 30 Wohnungen werden an der Bruno-Salvat-Straße saniert. In anderthalb Jahren soll alles fertig sein.

Danach folgen weitere Projekte. Die Stadt hat erst kürzlich beschlossen, das riesige Mietshaus an der Ecke Friedrich-Engels- und Poststraße an die NWG zu übertragen. Ebenso den heruntergekommenen Altbau an der Ecke Schulzen- und August-Bebel-Straße. Beide sind in schlechtem Zustand.

Von Reyk Grunow

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