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Wohnen im Neustädter Wasserturm

Bauvorhaben der besonderen Art Wohnen im Neustädter Wasserturm

Seit Wochen ist der Neustädter Wasserturm eingerüstet, damit das Dach neu gedeckt werden konnte. Auch die rund 1,70 Meter hohe Turmspitze ist restauriert und vor allem wieder fest. „Die hing nur noch am Blitzschutz“, erzählt Ingo Zander. Gemeinsam mit Ehefrau Bianca will er den alten Industriebau herrichten und nutzen – auch für Wohnzwecke.

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Der Neustädter Wasserturm ist seit Wochen eingerüstet. Ein Paar aus Segeletz lässt das Baudenkmal herrichten.

Quelle: Alexander Beckmann

Neustadt. Das könnte eine der exklusivsten Wohnadressen weit und breit werden. Bianca und Ango Zander sind dabei, den Wasserturm ganz in der Nähe des Neustädter Bahnhofs herzurichten und auszubauen. Mit seinen 35 Metern Höhe prägt der Turm definitiv die Neustädter Silhouette mit.

„Wir erfüllen uns hier einen Traum“, sagen die beiden Mittvierziger aus dem benachbarten Segeletz. Jahrelang hätten sie sich bei der Bahn darum bemüht, den Turm samt Grundstück zu kaufen. Vor gut einem Jahr habe es schließlich geklappt.

Der von 1924 bis 1925 aus ungezählten Ziegeln errichtete Turm diente allein der Wasserversorgung für die Neustädter Bahnanlagen. Die Stadt war damals ein Knotenpunkt gleich mehrerer Strecken. Hier trafen Gleise aus Berlin und Hamburg, Pritzwalk, Neuruppin und Rathenow zusammen. Güter wurden umgeschlagen, Loks und Waggons gewartet. Es gab Werkstätten und Lager, Sozialgebäude und Kantinen. Über allem thronte der Turm und versorgte alles mit Trinkwasser. 300 Tonnen fasste der Tank oben unterm Dach.

Entsprechend solide ist die Konstruktion. Die Mauern sind zum Teil über einen Meter dick. „Das ist schon beeindruckend“, sagt Ingo Zander. „Für Generationen gebaut.“ Allerdings wurde der Turm seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr genutzt. Und irgendwann nagte der Zahn der Zeit eben doch. „Wenn das Dach undicht wird, geht der Rest früher oder später auch kaputt.“ Das steht für Ingo Zander fest.

Die neuen „Turmherren“ kamen offenbar gerade noch rechtzeitig. Trotzdem: Die schon vorhandenen Schäden zu beseitigen, bedeutete einen immensen Aufwand. Seit Wochen ist der komplette Turm eingerüstet, damit das Dach neu gedeckt werden konnte. Auch die rund 1,70 Meter hohe Turmspitze ist restauriert und vor allem wieder fest. Seit Jahren hatte sie sich immer mehr geneigt und lag am Ende schon flach auf dem Dach. „Die hing nur noch am Blitzschutz“, erzählt Ingo Zander. Bei der Demontage habe man die Ursache gefunden: „Da waren über 20 Einschüsse drin.“ Irgendwann war das kupferne Bauteil offenbar für Schießübungen missbraucht worden. Durch die Löcher drang dann Wasser ein. Rost zerfraß die stählerne Unterkonstruktion.

Auch Ziegel und Fugen hatten teilweise über die Jahre gelitten. Das ist nun repariert. Die Fenster erhielten neues Glas. Bald wird das Gerüst verschwinden.

Wie es danach weitergeht, steht noch nicht bis ins letzte Detail fest. Das Baudenkmal stellt auch die herangezogenen Fachleute vor echte Herausforderungen. „Wir wollen Wohnungen einrichten“, sind sich die Eigentümer einig. Zumindest die unteren beiden Etagen sind dafür fest verplant. Aber der Turm bietet auf fünf bis sechs weiteren Etagen noch viel mehr Platz. Ein paar Ideen dafür gebe es schon, versichern Bianca und Ingo Zander. Eine Ausstellung zur Neustädter Reichsbahngeschichte könnten sie sich vorstellen. Schließlich betreiben die beiden seit 20 Jahren einen Antiquitätenhandel in Segeletz. „Wir suchen schon Exponate.“ Wer mit Leihgaben wie Fotos, Dokumenten oder Uniformen helfen könne, sei höchst willkommen. Ansonsten gilt: „Wir wollen die Neugier noch ein bisschen aufrechterhalten,“

Auf dem Gelände stehen zwei weitere Bauten. Die ehemalige Tischlerei ist bereits weitgehend hergerichtet. Das einstige Turmwächterhäuschen wartet auf ein neues Dach. Beim Abriss des alten fand sich übrigens eine „Flaschenpost“ aus der Bauzeit im Jahr 1944, unterschrieben vom Vorarbeiter und von Zwangsarbeitern aus der Sowjetunion, aus Polen und Frankreich.

Von Alexander Beckmann

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