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Wohnstube auf dem Kyritzer Markt

Zwei Tage öffentliches Kunstprojekt Wohnstube auf dem Kyritzer Markt

Was Menschen über das Leben mit Flüchtlingen denken, das interessiert die Potsdamer Fotografin Kathrin Ollroge. Sie reist deshalb mit dem „Raum für Gedanken“, einem mobilen Wohnzimmer, durch Brandenburg und schreibt Gedankenprotokolle auf. Derzeit ist sie in Kyritz und interviewt dort Bewohner, aber auch Gäste der Stadt.

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Gespräche gab es schon bevor der Raum aufgebaut war.

Quelle: Foto: Sandra Bels

Kyritz. Es ist gemütlich in Kathrin Ollroges Wohnzimmer. Sessel stehen drin. Ein Tisch, eine Schreibmaschine. Es gibt Kaffee. Das merken auch die Vorbeigehenden gleich und bleiben stehen. Sie wollen wissen, was die Fotografin aus Potsdam mitten auf dem Kyritzer Marktplatz macht.

Sie empfängt noch bis Dienstag Kyritzer und Gäste der Stadt im „Raum für Gedanken“. Er gehört zu einem Kunstprojekt, das die Fotografin bereits vor mehr als einem Jahr ins Leben rief. Damals hatte sie den „Raum für Gedanken“ wesentlich kleiner beim Kulturfestival „Stadt für eine Nacht“ in Potsdam aufgebaut und die Gedanken der Leute über Flüchtlingsnachbarschaften aufgeschrieben. „Dieses Projekt hat sich danach schnell verselbstständigt und mittlerweile auf sechs Landkreise in Brandenburg ausgeweitet.“

Auch in Kyritz fand die Potsdamerin schnell Gesprächspartner zum Thema „Leben mit Flüchtlingen Tür an Tür“. Sie kamen, noch bevor der „Raum für Gedanken“ richtig aufgebaut war. „Klar wollten die Besucher erst einmal wissen, was wir hier machen“, erzählt Kathrin Ollroge. Sie erklärte es ihnen und erfuhr von den Gesprächspartnern, dass sie sich mehr Aufklärung und Information über die aktuelle Flüchtlingspolitik in Deutschland wünschen. „Die Menschen fühlen sich von der Politik allein gelassen und sehen keine Lösung dafür, wie die große Anzahl der Flüchtlinge bewältigt werden kann“, so die Fotografin. Ein Mann habe sich zum Beispiel gewünscht, dass Flüchtlinge schneller ins tägliche Leben integriert werden können. Was die Besucher Kathrin Ollroge oder ihrer Helferin Vanessa Birkner erzählt haben, wird als Gedankenprotokoll gespeichert. Noch bis Ende November ist die Künstlerin mit dem „Raum für Gespräche“ unterwegs – Donnerstag und Freitag zum Beispiel auf dem Marktplatz in Wusterhausen. Auch dort erhoffen sich die Frauen einige Gespräche und Protokolle. Ab Dezember soll das gesammelte Material aufbereitet werden. „Daraus entsteht ein Gesamtjournal für das Land Brandenburg nicht nur mit den Gedankenprotokollen sowie mit dazu passenden Texten von unterschiedlichen Autoren“, so die Fotografin. Sechs brandenburgische Landkreise sind darin vertreten: Ostprignitz-Ruppin, Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Havelland, Hoher Fläming und die Prignitz.

Alle Interviews werden anonym geführt. „Wir vermerken lediglich den Ort, das Geschlecht des Gesprächspartners und sein Alter“, sagt Kathrin Ollroge. Jeder Besucher hat außerdem die Möglichkeit, seine Gedanken selbst zu Papier zu bringen. Dafür steht eine Schreibmaschine bereit. „Meistens wollen die Leute ihre Gedanken erzählen und wir schreiben sie auf“, so Kathrin Ollroge. Bei Kaffee oder Kakao plaudert es sich im Wohnzimmer gleich noch mal so gut. Kathrin Ollroge hat in den vergangenen Monaten, in denen sie unter anderem auch in Thüringen unterwegs war, festgestellt, dass der Gesprächsbedarf der Menschen zum Thema „Flüchtlinge als neue Nachbarn“ sehr groß ist. Kyritz bilde da keine Ausnahme. Die Fotografin lernte die Stadt und ihre Bewohner als offen und sehr nett kennen.

Von Sandra Bels

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