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Wohnungsabriss birgt Konfliktpotenzial

Kyritz Wohnungsabriss birgt Konfliktpotenzial

Die Kyritzer Stadtverordneten haben ein Konzept zur weiteren Entwicklung des Plattenbaugebietes der Stadt verabschiedet, doch Einigkeit herrschte dabei nicht. Vor allem die angestrebte weitere Reduzierung des Wohnungsleerstandes durch Abriss sorgte für Diskussionen.

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Die Kyritzer Wohnungsbaugesellschaft hat den Abriss des Hauses Straße der Jugend 2 angekündigt. Beileibe nicht alle Mieter nehmen das unwidersprochen hin.

Quelle: Alexander Beckmann

Kyritz. Die Stadt Kyritz will weiter in das Wohngebiet Kyritz-West investieren. Bei ihrer jüngsten Sitzung verabschiedeten die Stadtverordneten ein „integriertes Entwicklungskonzept“ für den Stadtteil. Es gab allerdings Gegenstimmen.

Das Konzept legt Prioritäten fest und ist Voraussetzung für eine Förderung aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“. In dem Konzept heißt es unter anderem: „Ziel ist eine Aufwertung von Kyritz-West zu einem vollwertigen lebenswerten Stadtteil für alle Generationen mit stabilen Bewohner- und Sozialstrukturen.“

Wohnen und Miete sind ein Thema

Einen wichtigen Punkt neben Fragen der Versorgung und der Infrastruktur bildet dabei der Wohnungsbestand. Trotz des Abrisses von 136 Wohnungen der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft in den vergangenen Jahren steht im Wohngebiet noch etwa jede zehnte Wohnung leer. Fachleute gehen davon aus, dass sich diese Situation in nächster Zukunft noch verschärfen wird. Deshalb nimmt das „integrierte Entwicklungskonzept“ unter anderem Bezug auf frühere Planungen, die bis 2030 den Abriss von weiteren rund 360 Wohnungen empfehlen.

Vor allem dieser Punkt bereitete der Linksfraktion der Stadtverordneten akute Bauchschmerzen. Anja Büchner bezweifelte, dass die Stadt so ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden könne: Werde nicht ein sinkendes Wohnungsangebot steigende Mieten nach sich ziehen?

Leerstand könnte erneut zum Problem werden

Dieser Meinung ist Bürgermeisterin Nora Görke nicht: „Wir reißen ja ab, weil wir Leerstand haben.“ Thomas Settgast (SPD) verwies auf den Umstand, dass der Abriss von Wohnungen in den Vorjahren keine Auswirkungen auf die Mieten gehabt habe. Die seien seit langem auf niedrigem Niveau stabil. Sein Fraktionskollege Thomas Michaelis betonte: „Es geht nicht nur um Abriss, sondern auch darum, Investitionen zu ermöglichen.“

Befeuert wurde die Diskussion durch einen Brief von Mietern des Hauses Straße der Jugend 2 an die Stadt. Der Block soll nach Vorstellungen der Wohnungsbaugesellschaft Anfang des kommenden Jahres abgerissen werden. In der Einwohnerfragestunde machte ein Mieter stellvertretend für andere seinem Unverständnis Luft: Er sehe keinen Grund, dass ausgerechnet dieses Haus verschwinden soll. „Einen schöneren Standort als diesen kann ich mir gar nicht vorstellen. Es gibt bestimmt schlechtere Blöcke.“ Die Bürgermeisterin versprach, den Brief der Mieter ausführlich zu beantworten und dazu auch die Chefin der Wohnungsbaugesellschaft hinzuziehen.

Alle Wohnungsunternehmen sollen mit ins Boot

Klar wurde aber, dass diese Thematik noch erhebliches Konfliktpotenzial birgt. Dieter Groß (Linke) schlug vor, Vertreter der Wohnungsbaugesellschaft zu einer der nächsten Sitzungen einzuladen, um das Ganze zu besprechen. Bürgermeisterin Nora Görke begrüßte diese Idee ausdrücklich und betonte zugleich: „Das betrifft auch die anderen Wohnungsunternehmen, die dazu ihren Teil leisten müssten. Unsere Bemühungen gingen immer dahin, dass die anderen Unternehmen sich an dem Stadtumbau beteiligen. Das ist bisher leider nicht gelungen.“

Wohnungsabriss gab es in Kyritz-West bislang nur von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, die knapp 58 Prozent aller Mietwohnungen in Kyritz-West ihr Eigen nennt. Andere Großvermieter wie die Wohnungsbaugenossenschaft Kyritz (25 Prozent des Bestandes) oder das Unternehmen Westgrund VII. (17 Prozent des Bestandes) profitierten zwar von der sinkenden Leerstandsquote, beteiligten sich aber nicht an den dafür notwendigen Aufwendungen.

Von Alexander Beckmann

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