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Ostprignitz-Ruppin Wohnzimmer-Mucke
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wohnzimmer-Mucke
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00:22 20.05.2015
Quelle: Regine Buddeke
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Kränzlin

Die Lokation macht locker. Zwischen zwei Oldtimern quetscht sich eine Bühne, über der ein Herrenhuter Stern statt der Discokugel hängt. Alte Blechschilder zieren die Wände, plüschene Sessel mit Biedermeier-Aura gruppieren sich um ein Mischpult. Und der Notenschlüssel, der an der Wand über einer Gitarre hängt, verrät, wes Geistes Kind der Kränzliner Saal ist.

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Jeden Donnerstag können Musiker im Kränzliner Saal mit anderen Gleichgesinnten spielen. Zu seinem 50. Geburtstag hat sich der Gastgeber der sogenannten "Open Sessions" nun jede Menge Musiker in sein "Wohnzimmer" eingeladen. Rund 100 Menschen sind dazu gekommen.

Gastgeber Mathias Köppen lümmelt sich auf einem der Sessel, wenn er nicht grad die immer wieder eintrudelnden Gäste empfängt. Sein Zöpfchenbart verrät wie der buttongezierte Hut, dass er kein Typ für Kitsch und Kommerz ist. Die Gäste sind so bunt wie er, bei dieser nunmehr dritten Session des musikbegeisterten Kränzliners, der sich mit der Mucke nicht nur einen Traum erfüllt – auch seinen Geburtstag feiert er bei der Gelegenheit. An seinem 50. Geburtstag habe er von seiner Frau eine Gitarre geschenkt bekommen, erinnert sich der hauptberufliche Schrotthändler dankbar an den Beginn seiner musikalischen Karriere. Das war vor drei Jahren, nach und nach bekam er Lust auf Gesellschaft beim Musizieren.

100 Gäste sind am Sonnabend gekommen

Jeden Donnerstag lädt er sich Gleichgesinnte ins „Wohnzimmer“ – zum „Open Stage“, der offenen Bühne. Wer Lust hat, die eigene Musik, Stimme oder sein Instrument vor Publikum zu offerieren, kann dies im urigen Saal gern tun, fachsimpeln mit den anderen ist inklusive wie das Bier, das zu moderatem Preis über den Tresen gereicht wird. „Hier ist meine Seele drin“, sagt er über die ehemalige Kneipe.

Am Sonnabend haben sich knapp hundert Gäste eingefunden, um zu lauschen, mitzusingen, Spaß zu haben. Bemerkenswert der Fakt, dass die Zuhörer nur halb so viel Eintritt zahlen wie die Hobbymusiker, die sich für einen Listenplatz anmelden müssen. „Zwölf dürfen maximal, je drei Lieder“, sagt der Gastgeber und freut sich: „Es sind von Mal zu Mal mehr geworden.“

Köppen macht auch gleich den Anfang: mit eigenen und Cover-Songs. Drei Jahre Training an der Sechssaitigen sind nicht umsonst gewesen. Die Lust an der Musik ist geblieben. „Wir wollen hier keine Profi-Musik machen, sondern gemeinsam Spaß haben“, beschreibt er den Mix der dargebotenen Nummern. Andi, den kennt er aus der Schule, spielt Gitarre. Kumpel Jörg macht seit 20 Jahren Musik in seiner Neubauwohnung – am Computer. Beide wollen demnächst eine CD in Kränzlin vorstellen. Und noch ein weiteres Projekt hat Köppen am Start: eine offene Bühne für Kids von 4 bis 18. Ausgelobt werden 100 Euro – für die weitere musikalische Reise des Siegers.

Auch der frühere Leiter der Kreismusikschule ist als Gast dabei

Gerhard ist Gitarrenfreak und Sammler. Er hat drei davon dabei, die er fast noch umständlicher erklärt, als seine Lieder lang sind. Da blitzt Liebe durch. Inge ist Frohnatur schlechthin, trotz Blindheit. Mit Charme, Witz und Gassenhauer-Akkordeon singt sie sich ratz fatz zum Publikumsliebling. „Rote Lippen soll man küssen“, schmettert sie und quetscht ein erklärendes „ich bin hetero“ zwischen die Textzeilen. Das Publikum kichert und johlt. „Danke, ihr Süßen“, antwortet sie auf die lauten Zugabe-Rufe und setzt noch einen drauf. „Zusammen musizieren ist einfach schön“, sagt die lustige Frau, die in Wusterhausen den Seniorenchor begleitet und dann und wann auch auf Geburtstagsfeiern auftritt.

Das Trio „Combo Breitkreuz-Brüssow“ kann auf langjährige musikalische Erfahrungen zurückgreifen: Saxophonist Peter Brüssow spielte früher in der aufgelösten Swingtime-Dixieband Neuruppin und leitete vor Jahren die Kreismusikschule. Bruder Günter am Akkorden und Horst Breitkreuz an der Gitarre sind vollwertige musikalische Partner. Später gibt sich ein Keyboarder die Ehre, auch ein Mundharmonikaspieler macht Stimmung. „Marina, Marina, Marina“, singt der Saal mit und weint hernach mit Fred um „Lili Marleen“ und die guten alten Zeiten. Köppen eilt gutgelaunt durch den Saal, schlägt ab und an die Rasseln im Takt oder lässt ein Lichtfunken-Schneegestöber von der Decke rieseln.

Im Saal herrscht Ausgelassenheit, man schunkelt, lacht und singt. Kinder wuseln herum, wenn sie nicht schon auf den Stühlen eingeschlafen sind. Kränzliner Nächte sind lang. Erst weit nach elf sind die letzten Musiker fertig – das ist indes nicht das Ende sondern der Startschuss für eine gemeinsame Session all derer, die noch Lust und Kraft haben.

Von Regine Buddeke

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