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Wolf: Tötung ist das letzte Mittel

Neuruppin Wolf: Tötung ist das letzte Mittel

Als erstes Bundesland versucht Brandenburg mit einer Verordnung, Maßnahmen gegen auffällige Wölfe zu regeln. Für Wolfsexperten gehen die Festlegungen nicht weit genug. Sie kritisieren zu viel Bürokratie. Der Wolfsbeauftragte Robert Franck spricht sich daher für das Besendern von Tieren aus.

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In Brandenburgs Wäldern immer mehr heimisch: der Wolf.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Seit Beginn des Jahres gilt in Brandenburg die neue Wolfsverordnung – es ist die erste ihrer Art in Deutschland. Weil Wölfe in Brandenburg immer wieder Weidetiere reißen und auch die Menschen nicht ganz ohne Ängste auf die steigende Zahl der Wölfe schauen, soll jetzt der Abschuss von aggressiven oder auffälligen, problematischen Wölfen erlaubt sein. Die Tötung der Tiere ist allerdings immer erst das letzte Mittel, wenn das Verscheuchen oder auch Schutzzäune keine Wirkung mehr zeigen.

Nach Angaben des Ministeriums ist Brandenburg das wolfsreichste Bundesland. Hier leben nach offiziellen Angaben 22 Rudel, 2 Paare und einige Einzelgänger. Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin lebt derzeit ein Rudel in der Ruppiner Heide. „Im Jahr 2016 wurden dort sieben Welpen geboren, im vergangenen Jahr konnten wir drei Welpen nachweisen“, sagt Robert Franck vom Landesjagdverband. Die neue Verordnung sieht der Wolfsbeauftragte als akzeptablen Schritt in die richtige Richtung, allerdings kritisiert er die Bürokratie, die ein schnelles Handeln unmöglich mache. „Der Trend zeigt uns, dass es mehr Wölfe werden und somit wird es auch häufiger vorkommen, dass Wölfe in Ortschaften auftauchen.“

Seit Beginn des Jahres gilt in Brandenburg die neue Wolfsverordnung

Was tun, wenn ein Wolf – wie im Jahr 2016 in Rathenow passiert – durch eine Waschanlage marschiert? „In besiedelten Gebieten kann man sie nicht schießen, wenn sie zum Problem werden.“ Auch das Vergrämen eines auffälligen Wolfes birgt so seine Tücken, denn diese Maßnahmen – zum Beispiel Warnschüsse – dürfen nur von berechtigten Personen durchgeführt werden, wenn das Landesamt für Umwelt als Fachbehörde für Naturschutz und Landschaftspflege zuvor bestätigt hat, dass ein auffälliges Verhalten vorliegt. Solange wird der Wolf nicht warten und kommt er wieder, dann ist es auch für einen Experten wie Robert Franck nicht immer ganz einfach, nachzuweisen, um welchen Wolf es sich handelt. Robert Franck plädiert deshalb dafür, aus jedem Rudel ein Tier mit einem GPS-Sender zu versehen. „Genug Geld steht ja zur Verfügung“, sagt der Wolfsbeauftragte. „So könnten wir die Rudel viel besser verfolgen und bekommen mehr Informationen zur Lebensweise.

Brandenburg ist das wolfsreichste Bundesland

Sind Wölfe mehrfach in Weidetierbestände eingedrungen und haben dort Tiere gerissen oder verletzt, so dürfen diese Wölfe laut Verordnung tierschutzgerecht getötet werden; vorausgesetzt, die Nutztiere waren durch entsprechende stromführende Zäune geschützt. „Allerdings bedeutet das für die Landwirte einen erheblichen Aufwand, denn die Zäune sind nicht nur teuer, sondern müssen auch gepflegt und kontrolliert werden. Und das ist in großen Weidegebieten wie im Rhinluch und im Havelland schon ein erheblicher Aufwand.“ Nach Meinung des Wolfsexperten bieten die Zäune mit Untergrabungsschutz ausreichend Sicherheit für die Tiere, allerdings können Wölfe auch lernen, die Zäune auf andere Art zu überwinden. „Und wenn sie das Springen erst einmal gelernt haben, tun sie es immer wieder.“

Robert Franck gibt außerdem zu bedenken, dass auch die Emotionen beim Thema Wolf eine große Rolle spielen. „Wenn ein Schäfer schon zweimal von einem Wolf heimgesucht wurde, dann wacht er jeden Tag mit einem unguten Gefühl auf, das noch verstärkt wird, wenn er die ersten Raben hört.“ Der Wolfsbeauftragte ist deshalb der Ansicht, dass auf die erste Verordnung ganz schnell ein konkreterer und weiterführender Plan B folgen müsse und brisante Fälle möglichst umgehend auf Landkreisebene entschieden werden sollten. Das A und O ist für ihn ein vernünftiges Management.

Wölfe in Brandenburg reißen immer wieder Weidetiere

Der Rheinsberger erhält wöchentlich mehrmals Anrufe und E-Mails zu Wolfsproblemen. Auch mehrere Praktikanten aus Berlin haben ihn bereits mit ihrem Fragenkatalog heimgesucht. Für ihn ein Zeichen, dass der Informationsbedarf bei den Menschen sehr groß ist und dringend eine Anlaufstelle geschaffen werden muss, in der Informationsmaterial erhältlich ist. „Es gehört jetzt zu den wichtigsten Aufgaben, die Bevölkerung zu informieren“, sagt er und kritisiert, dass das Wolfsinformationszentrum in der Schorfheide immer noch auf sich warten lässt. Vorurteile und Ängste ließen sich so viel schneller und besser abbauen.

Diese Möglichkeiten hatten die Menschen 1926 noch nicht. Damals erschien in einer Beilage zur „Märkischen Zeitung“ ein Beitrag von Walter Dinger über Wolfsjagden in der Grafschaft Ruppin. Seit dem 17. Jahrhundert hatten die Ruppiner versucht, mit Treibjagden, Wolfsangeln und Wolfsgruben die Wölfe auszumerzen, was ihnen dann erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelang.

Die Bürokratie macht schnelles Handeln oft unmöglich

„Ungefährdet wandern wir heute durch unsere schönen Ruppiner Wälder, um uns an ihrem herrlichen Baumbestand und dem munteren Wilde zu erfreuen. Vergessen wir darum nicht, die Schweiß- und Blutarbeit unserer Väter, die unsere Waldungen von diesen grässlichen Bestien befreiten. Die Reste der damaligen Wolfsgärten, die zwischen Storbeck, der Windmühle und dem Park von Gentzrode zu finden sind, mahnen uns daran“, heißt es abschließend in dem Zeitungsartikel.

Von Cornelia Felsch

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