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Wolf reißt Schaf „Knut“ – Landwirte fordern Abschuss

Ostprignitz-Ruppin Wolf reißt Schaf „Knut“ – Landwirte fordern Abschuss

„Knut“ war kein Schaf unter vielen – der Landwirt hatte es liebevoll aufgezogen. Nun ist das Schaf tot – gerissen von einem Wolf, der Knut ein blutiges Ende bereitete. Nicht nur wegen dieses Vorfalls sind einige Landwirte im Kreis Ostprignitz-Ruppin erbost. Sie fordern den Abschuss des Tieres und haben kein Verständnis für „Wolfsspinner“.

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Knut ist tot. Das handzahme Schaf aus Dossow wurde vom Wolf gerissen.

Quelle: Privat

Dossow/Goldbeck. Er lief um sein Leben, knallte mit dem Körper gegen den Drahtzaun. Die Ausbuchtung ist noch immer zu sehen. Doch er hatte keine Chance. Knut starb Mitte September auf der umzäunten Wiese direkt hinterm Haus von Ortwin Guthschmidt aus Dossow. Ein Wolf hatte sich unterm Zaun durchgegraben und bereitete dem vierjährigen Schaf ein blutiges Ende. Für Ortwin Guthschmidt ist dieser Verlust besonders schmerzlich, denn Knut war nicht nur ein Schaf unter vielen, sondern das einzige, das er hatte, eine sehr zahme Handaufzucht.

Knut als Jungtier

Knut als Jungtier.

Quelle: Privat

„Knut folgte mir auf Schritt und Tritt. Er war immer dabei, noch folgsamer als ein Hund“, sagt er. Manchmal rutscht ihm sogar der Vergleich „wie ein Kind“ heraus. Etwas wehmütig erinnert sich der Dossower an das Erntefest im vergangenen Jahr im Dorf. Denn da sei Knut ebenfalls mit von der Partie gewesen und am Ende mitgelaufen. Jetzt bleiben nur ein paar Fotos von dem treuen Tier.

Ähnliches spielte sich zwei Tage später, am 16. September, in Goldbeck ab. Auch dort kam in der Nacht für drei Kamerunschafe auf der etwa einen Hektar große Weidefläche von Ulrich Koop der Tod auf vier Pfoten. „Zwei wurden an der Kehle totgebissen, und aus einem weiteren sechs bis acht Kilo Fleisch herausgefressen“, erzählt er. In beiden Fällen – in Goldbeck und Dossow – seien Wolfsbeauftragte vor Ort gewesen, berichten die Betroffenen. Ortwin Guthschmidt habe ein Protokoll erhalten, das einen Wolfsangriff bestätige; Ulrich Koop hingegen warte noch auf ein solches, sagte er am Montag.

Leuchtende Augen im Schein der Taschenlampe

Zweifel, dass es ein Wolf war, hat er anhand der beschriebenen Spurenlage aber nicht und berichtet, dass sein Sohn eines Nachts die im Taschenlampenlicht leuchtenden Augen von mehreren Wölfen direkt hinter der Koppel gesehen habe. Jetzt liege Strom auf dem Koppeldraht. „Die haben ja keine Scheu“, ist sich Koop sicher.

Ulrich Koop aus Goldbeck hat drei Kamerunschafe an den Wolf verloren

Ulrich Koop aus Goldbeck hat drei Kamerunschafe an den Wolf verloren.

Quelle: Björn Wagener

Das alles habe inzwischen dazu geführt, dass „Frauen aus dem Dorf nicht mehr allein mit ihren Hunden im Wald spazieren gehen“. Schließlich könne man nicht wissen, wie ein Wolf auf einen Spaziergänger reagiert, der einen Hund dabei hat.

Guthschmidt und Koop sind nicht gut auf die „Wolfsspinner“ zu sprechen und meinen damit Menschen, die sich um den Schutz des Raubtiers bemühen. Sie müssten für das verantwortlich gemacht werden, was der Wolf hier anrichtet, findet Ulrich Koop. „Einen Hund muss man teuer versichern und die können machen, was sie wollen. So geht das nicht.“

Die Raubtiere kommen nah ans Dorf

Die beiden Halter fordern eine Abschussquote für den Wolf, „damit er Respekt vor dem Menschen bekommt.“ Denn die Raubtiere kämen viel zu nah ans Dorf. Das Kind sei schon in den Brunnen gefallen, aber es werde ja nicht reagiert, findet Koop.

Steffen Possin (l) und Ortwin Guthschmidt bringen eine Kamera am Zaun an

Steffen Possin (l.) und Ortwin Guthschmidt bringen eine Kamera am Zaun an.

Quelle: Björn Wagener

Wolfsrisse kommen in der Region immer wieder vor, unter anderem im April in Zempow. Die Zahl der nachgewiesenen Wölfe in der Kyritz-Ruppiner Heide stieg von August bis Oktober von einem Tier auf jetzt neun, sieben Welpen und zwei erwachsene Exemplare. Erst kürzlich hatte Wolfsbeauftragter Robert Franck der MAZ gegenüber bekannt, dass er sich angesichts dieser Entwicklung Sorgen um die Tierhalter in der Region mache und ihnen rate, alle möglichen Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Nachts kommen die Schafe in den Stall

Landwirt Andreas Bergmann aus Zempow hat das jetzt getan und eine hölzerne Unterkunft für seine Schafherde in Kuhlmühle gebaut – als Wolfsschutz. Dort verbringen die rund 20 Rauhwolligen Pommerschen Landschafe die Nächte, werden morgens herausgelassen und abends wieder hereingeholt. Die Vierbeiner sind bei den Gästen des Ferienbauernhofes in Zempow auch beliebte Streicheltiere. Ihre Unterkunft sei nur ein Provisorium und solle demnächst noch einmal umgebaut und verbessert werden, sagt Andreas Bergmann. Damit hofft er, sie vor den hungrigen Räubern schützen zu können.

Kontakt: Individuelle Beratungen für Tierhalter zum Wolfsschutz bietet Wolfsbeauftragter Robert Franck ab November an. Anmeldungen sind dann möglich unter Tel. 0172/6 04 83 75.

Von Björn Wagener

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