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Wolfgang Fobbe wechselte mit 57 den Zug

Heiligengrabe Wolfgang Fobbe wechselte mit 57 den Zug

Welcher Junge träumt nicht vom Beruf eines Lokführers? Auch wenn Wolfgang Fobbe aus Heiligengrabe die Eisenbahn buchstäblich in die Wiege gelegt wurde, arbeitete er zunächst als Forstingenieur. Mit 57 zog er die Notbremse, suchte und fand eine neue Berufung. Er drückte bei der Prignitzer Bahnakademie in Pritzwalk die Schulbank und ist nun Lokführer im Güterverkehr.

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Tiefenentspannt: Wolfgang Fobbe ist seit mehr als zwei Jahren leidenschaftlicher Lokführer im Güterverkehr.

Quelle: Christamaria Ruch

Heiligengrabe. Wolfgang Fobbe war gerade mal einen Tag alt, da legte sein Vater ihm eine Spielzeugeisenbahn in die Wiege. Heute ist Wolfgang Fobbe 60 Jahre und fährt seit mehr als zwei Jahren als Lokführer für Güterzugverkehr durch die Lande. Damit erfüllte er sich einen Traum und kann mit Fug und Recht sagen: Die Bahn ist ihm in die Wiege gelegt worden.

„Ich wollte 2014 mein Leben ändern, war ein Fall von Burnout und da lag die Eisenbahn für mich nahe“, erinnert er sich. Doch bis zu diesem radikalen Schnitt verging Zeit. Nach dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg absolvierte Wolfgang Fobbe ein Forstingenieurstudium an der Fachhochschule in Göttingen. 1998 zog er nach Heiligengrabe und arbeitete bis 2014 in unterschiedlichen Holzunternehmen. „Ich war Einkäufer für Holz und Maschineneinsatzleiter“, sagt er. Doch der Arbeitsdruck wuchs, schlaflose Nächte kamen hinzu und er wurde krank. Dann zog er die Notbremse. Auf den Zug Forstwirtschaft wollte er nicht wieder aufspringen. „Die Eisenbahn war naheliegend“, erinnert er sich. Denn seit seiner Kindheit interessiert er sich für die Eisenbahn und ihre Geschichte.

Kindheitstraum erfüllt

Kindheitstraum erfüllt: Der 60-Jährige fuhr im Juni erstmals auf der restaurierten Dampflok „Pritzwalk.“

Quelle: Christamaria Ruch

Wolfgang Fobbe suchte im Internet nach neuen Betätigungsfeldern und blieb dann bei der Bahn hängen. „Ich stieß auf die Eisenbahn-Personaldienstleistungsgesellschaft (EPG) Prignitzer Bahnakademie in Pritzwalk“, sagt er. Beim Jobcenter erhielt er problemlos die Zusage für diese Umschulung zum Lokführer im Güterzugverkehr. Denn eine Arbeitsplatzgarantie nach dem einjährigen Lehrgang konnte er seiner Vermittlerin vorlegen. „Alle sieben Teilnehmer aus meinem Kurs sind von der EGP übernommen worden“, sagt Wolfgang Fobbe. Zehn Monate drückte der damals 57-Jährige die Schulbank in Pritzwalk und absolvierte anschließend zwei Monate lang Ausbildungsfahrten. Im Kurs war Fobbe mit Abstand der Älteste. Er schloss die Umschulung zum Lokführer mit Bravour ab. „Wir alle hatten ganz unterschiedliche Biografien“, sagt er.

Schon mit Beginn seiner Umschulung ging es für Wolfgang Fobbe gesundheitlich wieder bergauf. „Der Stress fiel ab, das Lernen hat mich aufgerichtet und bis heute habe ich diesen Schritt nicht einen Tag bereut“, sagt er. „Manchmal braucht es seine Zeit, man quält sich herum und denkt, es gibt keine Alternativen, aber das stimmt nicht.“ Auch die schlaflosen Nächte gehören zum Glück schon lange der Vergangenheit an. Lokführer für Güterzugverkehr war von Anfang an Fobbes Ziel. Seit 2015 fährt er nun auf drei Strecken: Von Hamburg steuert er Berlin, die Bunawerke in Merseburg oder Bremerhaven an.

Zwei bis drei Fahrten im Monat bewegt er sich auf dem heimischen Schienennetz in der Prignitz. Zwischen Wittenberge und dem Gewerbegebiet in Falkenhagen transportiert er mit Kesselzügen Biodiesel. „Ich fahre dort mit der Traumdiesellok meiner Kindertage, der Baureihe 221, das war früher bei der Bundesbahn die V200.“ Steigt er im Hafengebiet in Hamburg-Waltershof auf die Lok, ist er mit Elektroloks der Baureihen 140 und 151 unterwegs. Eine typische Schicht sieht so aus: Wolfgang Fobbe meldet sich zunächst zum Dienst, dann geht er auf die ihm zugeteilte Lok, rüstet sie auf und macht sie damit betriebsfertig und rangiert die fahrbereite Lok an den Zug. Der Wagenmeister kontrolliert unterdessen den gesamten Zug mit seinen Waggons und der Ladung und erstellt eine Wagenliste. Nach der Zugvorbereitung beginnt die Reise auf dem Schienenband. „Meist sind die Güterzüge 600 Meter lang und umfassen 20 bis 24 Wagen“; sagt Wolfgang Fobbe. Der Zug bringt 1000 bis 1800 Tonnen auf die Waage. Meist absolviert Fobbe auf einer Tour die Hin- und Rückfahrt. Doch bei Zwischenfällen wie etwa den beiden Stürme „Xavier“ und „Herwart“ Anfang und Ende Oktober dieses Jahres musste auch Wolfgang Fobbe passen. „Beim ersten Sturm bin ich einen Tag in Uelzen stehen geblieben“, erinnert er sich. Während sein Zug im Bahnhof Uelzen stand, wartete er in einem Hotel auf grünes Licht für die Weiterfahrt. Beim zweiten Sturm hatte er acht Stunde Zwangspause in Merseburg. Ansonsten gehören Weichen- und Signalstörungen zum Alttag der Verspätungen.

In die Lücken der Güterzüge hinein

„In den USA haben Güterzüge Vorrang vor den Personenzügen. In Deutschland ist das umgekehrt und wir fahren in den Lücken zwischen den Personenzügen“, sagt Wolfgang Fobbe. Vieles wird wie beim Autofahren mit der Zeit zur Routine. „Dennoch muss man immer wachsam bleiben“, sagt er. Jede Fahrt empfindet der 60-Jährige anders, auch wenn er momentan nur auf diesen drei Strecken unterwegs ist. „Ich fahre gerne Lok“, sagt er. „Das wird nie langweilig und inzwischen fahre ich lieber nachts als tagsüber Zug.“ Mit maximal 100 Kilometern pro Stunde ist Fobbe unterwegs: „Ich genieße die Landschaft, den Blick von der Lok auf das Schienenband und das gemütliche Zuckeln.“ Derzeit fährt ein angehender Lokführer der Bahnakademie in Pritzwalk bei Fobbe mit. „Der Staffelstab wird weitergegeben“, sagt er.

Schon jetzt hat Wolfgang Fobbe seinen krönenden Abschluss der Karriere erreicht, auch wenn er noch einige Jahre als Lokführer im Dienst stehen wird. Denn: Als er erfuhr, dass die Firma eine Dampflokomotive restaurieren würde, war er sofort Feuer und Flamme. Anfang des Jahres drückte Wolfgang Fobbe erneut die Schulbank, um die Ausbildung zum Dampflokführer zu absolvieren. Am 8. Juni dieses Jahres durfte er die restaurierte Dampflok „Pritzwalk“ der Baureihe 98, gebaut 1912 in Kassel, auf ihrer Jungfernfahrt führen. Diese erste Fahrt ging von Meyenburg nach Pritzwalk. Wann immer diese Lok in Zukunft auf dem Schienennetz zu sehen sein wird, Wolfgang Fobbe wird auf dem Führerstand stehen. Damit ist für ihn sein größter Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.

Von Christamaria Ruch

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