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Ostprignitz-Ruppin Wolfgang Lippert plauderte in Fehrbellin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wolfgang Lippert plauderte in Fehrbellin
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00:17 16.10.2016
Wolfgang Lippert erzählt einen Tenöre-Witz. „Erna“ alias Bücherfee Meike ist entzückt. Quelle: Regine Buddeke
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Fehrbellin

Wetten dass … Erna kommt?! Keine Frage, Wolfgang Lippert wäre nicht der Sunnyboy des Ostens, wenn er hier kneifen würde. Und genüg Bühnenerfahrung bringt er schließlich mit. Insofern scharen sich am Mittwochabend gut 100 Zuschauer in der Fehrbelliner Rhinhalle, um ihren langjährigen Star einmal live zu erleben und seinem charmanten Moderatorengeplänkel zu lauschen.

Blick ins Buch – es ist sogar bebildert. Quelle: Regine Buddeke

Entertainer. Sänger. Schauspieler. Und nun auch noch Autor. Wolfgang Lippert scheint in seiner Karriere nichts auslassen zu wollen. Sein in diesem Jahr erschienenes Buch „Wetten dass … Erna kommt?!“ – Unterzeile „Mein buntes Leben – schwarz auf weiß“ – verspricht nicht zu viel. Immerhin hat der gebürtige Berlin-Kaulsdorfer schon einiges in Funk, Fernsehen, Film und Theater erlebt, über das der Frauenschwarm in locker-flockiger Manier erzählen kann. Als erstes erprobt er seinen Charme an der Fehrbelliner Bücherfee Meike Erdmann, die ihm die Erna spielt. Er quetscht sie aus nach Strich und Faden, bis sich das Mädchen schon fast windet aber brav antwortet. Lippi attestiert ihr daher „genug Autorität, um die Erna zu lesen. Möchtest du den bequemeren Stuhl?“, hofiert er das Mädchen, nur um sie dann, als sie dann sitzt, schlussendlich auf den anderen zu verbannen, damit er neben ihr nicht kleiner aussieht, als er ist – ja, ein wenig eitel ist er schon, der „Lippi“ – aber hey, Klappern gehört zum Handwerk. Sein Buch – das bitte nie in die Hände von Jugendlichen gelangen dürfe, macht er es spannend – lobt er über den grünen Klee: es passe farblich in jedes Regal, sei nicht zu dick, also nicht protzig und überdies seien sogar Bilder drin, etwa „der Künstler – als junger Mann mit fettigem Haar.“ Das habe damals als „fetzig“ gegolten, verteidigt er sich. Außerdem könne man das Buch noch richtig umblättern, dafür aber leider nicht mittels Finger-wischen großzoomen. Und manches Mal ist sein durch die Zeilen geisterndes Eigenlob so überzogen, dass man es durchaus auch als Selbstironie bezeichnen könnte.

Große Gesten, lockere Worte: so lieben ihn seine Fans. Quelle: Regine Buddeke

Lippi geht in medias res und taucht mit seinen Zuhörern ein in das „wundersame Leben eines der letzten großen Familienunterhalters – ein Werk voll französischer Leichtigkeit, italienischer Eloquenz und griechischer Unbekümmertheit … in Finanzfragen.“ Alles lacht, obgleich sicher die wenigsten wissen, dass er hier auf seine Privatinsolvenz im Jahr 2002 anspielt, er hat sich nach der Wende etwas verspekuliert. „Wetten, dass“ – er hat es acht Folgen lang moderiert – taugt halt nicht in jedem Fall als Lebens-Maxime, manche Wette verliert man eben. Ungeachtet dessen ist dem 64-Jährigen, dem immer noch eine jugendliche Aura anhaftet, das Lachen nicht vergangen – eloquent und amüsant plaudert er sich durch die Stationen seines Lebens. Gestartet ist er als Kfz-Mechaniker, das hat ihm Spaß gemacht. „Lippi liebt Autos und die Autos lieben ihn“ – keiner könne sich mit solch unvergleichlicher Eleganz aus seinem Gefährt schwingen wie er, lässt er Erna alias Meike lesen. Die kleinen Unbescheidenheiten des Buches legt er allesamt „Erna“ in den Mund – dann wirkt es nicht wie Eigenlob. Er sitzt dabei, lächelt, stupst sich ab und an die Brille nach oben – sein Markenzeichen – und freut sich selber über seine Zeilen, das sieht man ihm an. Und freut sich mit ihm. Die Zuschauer kichern reichlich laut und leise vor sich hin. Ob bei der OP-Szene, wo der Chefarzt beim Operieren immer wieder zu Lippis Gesicht schaute und zu seinem Assistenzarzt sagt: „Irgendwoher kenn ich den.“ Oder bei der Szene, wo Lippi – der vom Mechatroniker über den Schubiduab-dua-Backgroundsänger beim Gerd Michaelis Chor inzwischen zum Solisten gereift ist – einen Texter braucht und zum ersten Mal auf Franz Bartzsch trifft, der ihm die Tür in Feinrippunterwäsche öffnet. Die folgende Szene ist sehr plastisch beschrieben – die derb-unappetitlichen Details hat Lippi so vornehm formuliert, dass es eine Lust ist, zuzuhören. Noblesse oblige. Nur Meike wird nun doch noch rot – es geht schließlich um Männerunterhosen. Lippi reizt das gerne aus – in seinen vielen Talk-Shows hat er es schließlich gelernt, die Kandidaten auch schon einmal bis an ihre Grenzen zu bringen.

Viele ließen sich am Ende ein Buchexemplar von Lippi signieren. Quelle: Regine Buddeke

Weiter im Text, er plaudert sich durch seine Ausbildung, die ihm, dem hoffnungsvollen Talent, das DDR-Komitee für Unterhaltungskunst spendierte und wie er dort Helga Hahnemann steppen sah – von hinten wohlgemerkt. Der Beginn einer guten Freundschaft übrigens. Er war „Assi“ bei der Sendung „Außenseiter-Spitzenreiter“ – eine harte, gute Schule, wie er sagt. Später fragte Frank Elstner bei ihm für eine Sendung an – da glaubte er zuerst am Telefon, man würde ihn verarschen. Gekicher im Publikum. Und dann tut er es einfach – er singt „Erna kommt“. Und das Publikum singt mit, da kennt er nix. „Wie viel Zeit haben wir eigentlich noch?“, sagt er mit Blick auf die Uhr- da sind schon locker anderthalb Stunde wie im Fluge vergangen. Nicht genug für ihn, nicht genug für die Fans. Lippi macht weiter, zu viel gibt es noch zu erzählen und zu singen. Etwa von den Störtebeker-Festspielen in Ralswiek, wo er seit sechzehn Jahren als Balladensänger auftritt. Da macht er kräftig Werbung: „Es wird geköpft“, sagt er. Bei 68 Vorstellungen im Jahr verschleiße man da schon ein paar Schauspieler. „Was da hinter der Bühne so rumliegt“, scherzt er. Er selbst sei ja gottlob nur der „singende Vorhang“. Einmal habe man ihm einen Streich gespielt, sein Auto einen Tag vorher geklaut und dann., als er auf der Bühne stand, habe man es mehrfach hinter ihm am Strand vorbeirollen lassen. Später sei dann Frank Elstner ausgestiegen. Er habe das später auf Film gesehen. „Wenn man sich selber dabei beobachten kann, wie man dämlich guckt – das ist schon spannend“, sagt er und lacht fröhlich. Das Publikum auch. Es folgt ein kurzer tiefer Einblick in die Welt der Super-Fans – diese ganz eigene Spezies, die Lippi natürlich nicht fremd ist. Etwa „Fräulein Kittifix“, die sich mit den Lippi-Autogrammkarten sicher ein Haus tapezieren kann, die aber irgendwann ihre Liebe auf Frank Schöbel warf. „Das hat der nicht verdient“, seufzt Lippi. Und dann schickt er sich an, sein Buch zu signieren.

Von Regine Buddeke

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