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Ostprignitz-Ruppin Wolfs Revier
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wolfs Revier
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11:33 23.03.2017
Der Wolf ist wieder da in einer Gegend, die seit Jahrhunderten Bezeichnungen nach ihm trägt. Heute jedoch sorgen vielmehr nichtamtliche „Wolfswarnschilder“ für Aufsehen. Quelle: Peter Geisler
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Prignitz

Wieder! Er ist wieder da! Die Betonung auf dieses Wörtchen legt mehr als nahe, dass der Wolf in der Region ein alter Bekannter ist. Nur, wo genau wohnte er? Überall? Und was ist von ihm überliefert? Es sollten doch sicher unzählige Berichte gefräßiger Übergriffe auf den Menschen existieren. Irgendwoher muss die Sorge doch kommen, dass es nicht mehr lange dauern werde, bis der heute erneut angesiedelte Isegrim irgendwo doch ein erstes Mal mal wieder zuschlägt.

„Mir fällt niemand ein, der eine Quelle kennen könnte, in der Wolfsübergriffe dokumentiert sind“, sagt Katharina Zimmermann vom Verein für Geschichte der Prignitz. „Vielleicht könnte man die Sammlungen der Sagen der Prignitz ja mal durchforsten.“ Doch die Verlegerin Gudrun Dochow erklärt: „Mir ist nichts von einem Wolf in einer Sage bekannt.“

Wie der Regionalhistoriker Wolfgang Dost aus Wittstock erläutert, könnte das mit der Zeit zusammenhängen, in der begonnen wurde, Sagen aufzuschreiben: „Das war zumeist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und zu der Zeit spielte der Wolf schon keine großartige Rolle mehr.“ Man hatte ihm den Garaus gemacht, nicht, weil er Menschen anfiel, sondern den Tierhaltern und damit sehr vielen unter ihnen zu nahe kam und als Viehräuber Schäden anrichtete.

Der Pritzwalker Stadtwolf – längst ein Stadtmaskottchen. Quelle: privat

Katharina Zimmermann wohnt in Pritzwalk, wo der Wolf das Wappentier ist und längst auch als plüschiges Stadtmaskottchen auftritt. Und ausgerechnet dort sorgte der echte Wolf erst kürzlich für Aufsehen. Sichtungen im Norden der Prignitz waren seit Jahren zwar nichts Außergewöhnliches mehr, doch nun tauchte er im Hainholz der Stadt und auch nahe der Kathfelder Mühle auf. Die Überlieferung besagt, Wolf und Linde im Stadtwappen aus dem 14. Jahrhundert versinnbildlichen den Stadtnamen slawischen Ursprungs: „Pritz Walk“. Das soll so viel heißen wie heißen: „Geh weg, Wolf.“ Mit dem Wolf solle dabei das Heidentum und mit der Linde das Christentum gemeint sein. Doch nach jüngerer wissenschaftlicher Erkenntnis stimmt das so nicht ganz.

„Das ist wirklich zweifelhaft“, sagt auch einer, der sich auskennt: Bernhard von Barsewisch. Er ist Sprecher der Familie der Gans Edlen Herren zu Putlitz, jenem sogenannten Ur-Adel, der den Landstrich einst unter seine Herrschaft stellte, in dem bis dahin, bis zur Zeit des Wendenkreuzzugs, Slawen lebten. Von Barsewisch wohnt zwar in Groß Pankow, sein Herz aber schlägt zugleich im Nachbarort östlich von Fretzdorf.

Das Wolfsbruch liegt weit nördlich der Stadt Rheinsberg. Quelle: Repro

Eindeutig Menschen zuzuordnen sind . Dieser Name stammt von Wulfher oder Wulfhard als Ortsgründer. Als zuletzt ein Stadtteilwappen für dieses Dorf gesucht wurde, entschied man sich dennoch für einen Wolf als Sinnbild.

Wolfswinkel lautet der Name einer Kyritzer Siedlung. Quelle: Repro

Und die kurze Straße in Wittstock? „Ich glaube nicht, dass sich eine Familie mit einem Loch assoziieren ließ. Ich vermute aufgrund der Lage an der Stadtmauer, dass es sich um eine Grube für Wolfskadaver gehandelt hat“, sagt der Regionalhistoriker Dost auch mit Verweis auf Jagden nach diesem Nahrungskonkurrenten im Wald – für den es Prämien gegeben haben dürfte.

Heute aber, in der dichter denn je besiedelten Welt, sehen immer mehr im Wolf eine echte Bedrohung für den Menschen selbst. Schilder im Wald des nordöstlichen Kyritzer Altkreises warnen seit geraumer Zeit davor, Hunde nicht angeleint oder Kinder unbeaufsichtigt zu lassen. Unweit davon entfernt liegt das Dorf Lellichow, wo Wolfssichtungen erst zu Jahresbeginn für Wirbel sorgten.

Nichtamtliche „Wolfswarnschilder“ waren im Wald am Kyritzer Obersee aufgetaucht. Quelle: Matthias Anke

Urheber der Schilder könnten Jäger sein, wie vermutet wird, obwohl „Amt für öffentliche Sicherheit“ darauf geschrieben steht. Doch seitens des tatsächlichen „Amtes für öffentliche Sicherheit und Verkehr“ des Landkreises ist angesichts dessen vielmehr die Rede von Amtsanmaßung – und von einem unverantwortlichen Spiel mit der Angst vor dem Wolf. In einer Leserpost dazu wurde das jedoch nicht so gesehen. Die Schilder werden goutiert als „dankenswerter Hinweis zum Verhalten im Wolfsgebiet“. Gefordert wird eine Regulierung des Bestandes, „und zwar nicht erst, nachdem ein Mensch zu Schaden gekommen ist“. Bestandsregulierung fordert auch der Jäger Rudolf Scholz, der in Pritzwalk die Spuren an der Kathfelder Mühle fand. „Der Wolf beeinträchtigt jetzt schon die Jagd“, sagt er. Die Wildtiere zögen sich zurück und änderten ihr Verhalten. Und noch offensiver als von besorgten Bürgern oder Jägern ohne Wild vor der Flinte kommt diese Forderung auch heute wieder aus der Weideviehwirtschaft.

Vor allem das Internet ist voll von Wolfskritik. Aber auch Wolfsbefürwortung findet sich, als ginge es um zwei Fußballmannschaften. Der Betreiber der Seite www.wolf-nein-danke.de machte sich gar die Mühe, unter dem Punkt „Gefahr für Menschen“ die „Attacken“ weltweit zu erfassen. In diesem Sinne aber ist der Wolf demnach noch sehr weit weg: Neben Berichten aus Kanada, den USA, China und Israel wirken nur Rumänien und Schweden noch irgendwie „nah dran“. In Schweden aber soll ein Hund den Angriff ausgelöst haben – nicht ein Mensch. Und in einem nordrumänischen Dorf wurde – bei genauerem Lesen – erst der Wolf vom Menschen attackiert. Ein Junge wurde daraufhin gebissen. Es handelte sich um Schäfer. Und viel mehr solcher Fälle lassen sich selbst in Rumänien kaum recherchieren – einem Land mit etwa 4000 Wölfen und damit mehr als einem Drittel der europäischen Wolfspopulation.

Übergriffe von gewöhnlichen Hunden auf den Menschen indes gibt es in Deutschland täglich. Verboten werden sie trotzdem nicht – argumentieren jedenfalls Befürworter der wieder im Lande lebenden Wölfe. Wieder! Wohlbemerkt.

Von Matthias Anke

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