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Workshop mit erstaunlichen Ergebnissen

Wittstock Workshop mit erstaunlichen Ergebnissen

Wie komme ich künftig zum Arzt und wie zum Einkaufen? Mit der Frage wie Mobilität und Versorgung auf dem Lande künftig effektiver gestaltet werden können, beschäftigten sich Fachleute und Einwohner am Montagabend im Wittstocker Rathaus. Ein Workshop förderte dabei erstaunliche Ergebnis zu Tage.

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Hier sollten die Teilnehmer eintragen, welche Regionen für sie zusammengehören.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Ein einziges Klebchen mit einer Tasche drauf – das war alles. Sollte heißen: „Hier mache ich manchmal kleinere Besorgungen.“ Ansonsten blieb Pritzwalk auf der Karte unangetastet, während Wittstock überquoll von diversen Klebchen, deren Symbole verschiedene Dienstleistungen und Besorgungen symbolisierten. Auch Neuruppin spielt bei Wittstockern kaum eine Rolle, wenn es um Besorgungen geht.

Zempow vor Pritzwalk

Dafür richtet sich der Blick eher nach Kyritz oder auch Röbel in Mecklenburg-Vorpommern, mitunter auch nach Rheinsberg. Erstaunlich: Sogar das kleine Zempow, Wittstocks am weitesten von der Kernstadt entfernter Ortsteil, bekam mehr „Zuwendung“ als Pritzwalk.

Das war ein Ergebnis der Informationsrunde samt Auftaktwerkstatt zum Modellvorhaben „Mobil.Dasein.OPR“, das der Landkreis Ostprignitz-Ruppin jetzt in Gang gebracht hat.

Ideen zusammentragen

Dabei geht es darum, die lokalen Bedarfe und Bedürfnisse festzustellen und Ideen und Lösungsvorschläge zusammenzutragen, um künftig Daseinsvorsorge, Nahversorgung und Mobilität besser miteinander zu verknüpfen und Synergien zu nutzen. „Wir wollen Konzepte erarbeiten, wie wir mit endlichen Mitteln möglichst viel erreichen können“, sagte Werner Nüse, der stellvertretende Landrat, einleitend.

Mit der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes hat der Landkreis das Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastrukturfragen Iges aus Berlin beauftragt. Iges-Mitarbeiter René Kämpfer stellte Ansätze und Beispiele vor, die darauf ausgerichtet sind, die Lebensqualität auf dem Lande auch dann zu erhalten, wenn dort künftig immer weniger Menschen leben, die einen immer höheren Altersdurchschnitt haben. Denn der sogenannte demografische Wandel geht genau davon aus. Dabei betonte Kämpfer, dass es nicht darum gehe, der Region etwas überzustülpen.

Multifunktionshäuser als Vorschlag

Vielmehr sollten Ideen gemeinsam zusammengetragen und gleichzeitig das genutzt und weiterentwickelt werden, was bereits da ist. „Wir wollen nicht für die Schublade arbeiten, sondern das Ganze soll bei den Menschen ankommen“, sagte er. Vorstellungen gingen da zum Beispiel in Richtung

Lokale Unterschiede

An dem Modellvorhaben rund um Daseinsvorsorge und Mobilität der Zukunft nehmen laut Vize-Landrat Werner Nüse 90 Landkreise teil. In OPR solle bis Mitte 2018 ein Mobilitätskonzept für die Zukunft vorliegen.

Eine solche Ideenrunde gab es kürzlich auch in Neuruppin – eine weitere findet am Donnerstag in Kyritz statt. Schon jetzt machten sich laut Nicola Krettek von der REG deutliche lokale Unterschiede bemerkbar. So habe in Neuruppin die Elektromobilität nahezu keine Rolle gespielt, in Wittstock hingegen eine große. Auch wurden in Wittstock im Gegensatz zu Neuruppin nur wenige „Juckepunkte“ genannt, also Dinge, die unbedingt in den Fokus gehören.

An der Arbeitswerkstatt in Wittstock nahmen zwar eine Reihe von Vertretern aus Verwaltung, Tourismus und Politik sowie Jugendliche der Demokratiewerkstatt teil, aber nur wenige Einwohner.

Multifunktionshäuser, in denen etwa ein Arzt ebenso wie ein Friseur und eine Einkaufsmöglichkeit unter einem Dach vorhanden wären. Oder auch: „Bürger fahren Bürger“ – das heißt, wer zum Beispiel eine berufliche Autofahrt zu einer bestimmten Zeit unternimmt, könnte diese zuvor als Dienstleistung anbieten und Dorfbewohner zu einem festgelegten Preis mitnehmen. Zwar schloss Kämpfer bei solchen Modellen nicht aus, dass es zu Reibungspunkte mit Taxiunternehmen kommen könne, aber dennoch dürften derartigen Möglichkeiten nicht ausgeschlossen werden. Ein weiterer Vorschlag zielte darauf ab, Bushaltestellen dorthin zu verlegen, wo sie wirklich gebraucht werden, also direkt vor Einkaufsmöglichkeiten, wo eventuell auch gleich Fahrräder ausgeliehen werden können.

Elektromobilität für Wittstocker relevant

Um solche Dinge anzugehen, braucht es zunächst eine Analyse: Wer braucht was, und was ist wem wichtig? Das sollten die Gäste ebenso auf Karten eintragen, wie die Antwort auf die Frage, welche Orte für sie zusammengehören und welche persönlichen Schwerpunkte sie in Sachen Versorgung und Mobilität setzen. Dabei wurde die beschriebene Klebchen-Methode angewandt oder mit Farbstiften gearbeitet. Nicola Krettek von der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg moderierte die Werkstatt und wertete die Ergebnisse aus. Fazit: Lieferservices, Dorfläden, Fahrverbindungen von Dorf zu Dorf oder Elektromobilität spielten eine vergleichsweise große Rolle. Ehrenamtliche Fahr­dienste oder Telemedizin hingegen waren kaum gefragt. Noch in diesem Jahr sollen auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse „thematische Vertiefungen“ folgen.

Von Björn Wagener

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