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Ostprignitz-Ruppin Wulkow: Das Gefängnis vor der Haustür
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wulkow: Das Gefängnis vor der Haustür
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00:17 31.03.2016
Udo Schultz vor seinem Elternhaus. Quelle: Peter Geisler
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Wulkow

Bessere Nachbarn kann sich der Wulkower Udo Schultz nicht vorstellen. Er wohnt in unmittelbarer Nähe der Justizvollzugsanstalt, in Wulkow Ausbau. „Das ist wunderbar. Besser bewacht sein kann man gar nicht“, sagt der 65-Jährige.

Das brandenburgische Justizministerium baute das Gefängnis, in dem männliche erwachsene Straftäter mit Haftstrafen von bis zu drei Jahren untergebracht sind, in der Zeit von 1999 bis 2001. Insgesamt gibt es dort 295 Haftplätze, 75  für Untersuchungshäftlinge, 180 für Strafhäftlinge und 40 Plätze für den offenen Vollzug. 136 Mitarbeiter sind dort tätig. Auf dem Gelände der heutigen Haftanstalt befand sich zu DDR-Zeiten der abgeriegelte Fuhrpark der sowjetischen Streitkräfte. „Der Russenzaun war schlechter als die Betonmauer heute“, sagt Udo Schultz. Außerdem verlief die Einflugschneise der russischen Flugzeuge genau über seinem Haus. „Da hat man nachts senkrecht im Bett gesessen. Jetzt herrscht wunderbare Ruhe“, sagt der Rentner. Er hatte von Anfang an keine Bedenken gegen die neuen Nachbarn, anders als viele Wulkower. Es gab Bedenken wegen möglicher Ausbrecher oder Freigänger, die das Dorf unsicher machen könnten. Damals kam sogar eigens der Justizminister zu einer Einwohnerversammlung, um die Wogen zu glätten. Schultz hat sich an den damaligen Protesten nicht beteiligt. „Ich habe gleich gesagt, besser geht’s nicht.“ Er fühle sich sicher wie in Abrahams Schoß, da das gesamte Gelände mit Videokameras bewacht ist. Man könne sogar das Tor auflassen, ohne Angst vor ungebetenen Besuchern haben zu müssen. Er wie auch die anderen Bewohner profitierten vom Gefängnisbau: Sie wurden ans öffentliche Abwasser- und ans Erdgasnetz angeschlossen.

Udo Schultz ist in Wulkow geboren, in dem Haus, in dem er noch heute mit seinem 91-jährigen Vater und seinem 88-jährigen Onkel lebt. Nur kurz hat er seinen Heimatort verlassen, als er eine Lehre bei der Bahn zum Schienenfahrzeugschlosser absolvierte. Sein Geburtshaus wurde um 1840 gebaut und ist seitdem in Familienbesitz. Laut der Chronik, die der Wulkower Bernd Meyer zu Hücker erstellt hat, bekamen die beiden Arbeitsmänner Christian Buggermann (Vorfahre von Schultz mütterlicherseits) und Friedrich Boddin 1827  vier Morgen Land vom preußischen Rittmeister Friedrich Wilhelm Schenkendorf und errichteten dort je„ein halbes Wohnhaus mit Stall“. In einem davon wohnt Udo Schultz mit seiner Männerwohngemeinschaft..

Von Dagmar Simons

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