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Ostprignitz-Ruppin Wulkow: Wärter sind 50 Tage im Jahr krank
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wulkow: Wärter sind 50 Tage im Jahr krank
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00:38 06.08.2015
Die Bediensteten der JVA in Wulkow haben sich auch um viele ausländische Häftlinge zu kümmern. Quelle: Peter Geisler
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Wulkow

Der Krankenstand bei der Brandenburger Polizei ist mit gut 35 Tagen pro Jahr und Beamten schon hoch. Doch die 124 Bediensteten der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Wulkow sind im Schnitt sogar 50 Tage pro Jahr krank geschrieben. „Im Durchschnitt fehlen pro Tag 30 Mitarbeiter“, sagt Margitta Mächtig.

Die Vorsitzende des Rechtsausschusses des Landtages hat sich am Montag mit ihrem Fraktionskollegen Volkmar Schöneburg (beide Linke) in dem Gefängnis umgesehen. Grund waren eigentlich Vorwürfe von Häftlingen (die MAZ berichtete). Doch die zwei Politiker sprachen ebenfalls mit Vertretern des Personals und dem amtierenden JVA-Chef Wolf-Dietrich Voigt. Er leitet in erster Linie die JVA in Wriezen (Märkisch-Oderland), kümmert sich seit März aber auch zwei Tage pro Woche um die in Wulkow. „Seitdem hat sich wohl vieles verbessert“, sagte Mächtig. Die Zahl der Beschwerden und Petitionen von Gefangenen sei deutlich zurückgegangen, das Betriebsklima habe sich verbessert.

Margitta Mächtig Quelle: Andreas Vogel

Gleichwohl sieht die Politikerin noch kräftigen Handlungsbedarf – schon wegen des hohen Krankenstandes. Mächtig fordert deshalb ein deutlich besseres Gesundheitsmanagement für die Bediensteten. Dazu sollten neben Angeboten wie für eine Rückenschule ebenfalls Supervisionen gehören, um Überforderungen zu vermeiden. Immerhin befinden sich allein zehn Bedienstete in psycho­therapeutischer Behandlung. Bei Supervisionen tauschen sich die Mitarbeiter unter fachkundiger Anleitung über Probleme bei ihrer Arbeit aus.

„Schnellstmöglich“, so Mächtig, sollte zudem der JVA-Beirat neu gewählt werden. Dieser ist per Gesetz vorgeschrieben und soll eigentlich als Ansprechpartner für Häftlinge dienen. Das scheinen jedoch die wenigsten der gut 200 Gefangenen in Wulkow zu wissen: „Der Beirat wurde in den vergangenen Jahren nur dreimal um Rat gefragt“, sagte Mächtig. Möglicherweise liegt das daran, dass rund ein Fünftel der Häftlinge in Wulkow aus dem Ausland stammt und ein weiteres Fünftel nur kurz im Gefängnis sitzt, weil es Geldstrafen nicht bezahlen kann.

Lange Zeit drangen wenige Probleme nach Potsdam durch

Schöneburg, von 2009 bis zu seinem Rücktritt im Dezember 2013 Justizminister in Brandenburg, hat ebenfalls wenig von den Problemen in der JVA Wulkow mitbekommen. Dabei sei er zuletzt am 24. Dezember 2012 dort unangemeldet aufgetaucht und habe sich sowohl mit Häftlingen als auch mit Bediensteten unterhalten. „Es ging hauptsächlich um Personalfragen“, sagte Schöneburg. In Briefen an den Petitionsausschuss hatten sich Gefangene indes zuletzt ebenfalls über die schlechte Atmosphäre, fehlende Arbeits- und Behandlungsmöglichkeiten sowie über das unzulässige Öffnen von Briefen an den Landtag beschwert. „Der Beirat kann sich effektiver um die Probleme in der JVA kümmern, weil er vor Ort ist“, betonte Mächtig. Das sieht Mathias S. ebenfalls so. Der 35-Jährige, der wegen Drogenhandels in Wulkow sitzt, war von dem Gespräch mit den beiden Politikern am Montag sehr angetan. „Das ist super gelaufen. Die haben sich richtig Zeit genommen.“ S. hofft, dass die Beschwerden und der Besuch etwas bewirken werden.

Auch der neue Leiter wird nur tageweise in Wulkow sein

Allerdings wird es wohl noch Monate dauern, bis die JVA wieder einen eigenen Anstaltsleiter erhält: Voigt hat lediglich den Auftrag, sich bis Ende August neben Wriezen auch um Wulkow zu kümmern. Zwar soll es ab 1. September einen neuen Chef geben – aber auch dieser wird nur zeitlich befristet für Wulkow zuständig sein, weil er noch eine weitere JVA zu betreuen hat, sagte Ministeriumssprecherin Maria Strauß.

Nicht einfach dürfte es zudem werden, weitere Arbeitsmöglichkeiten für Häftlinge aus Wulkow zu finden. Margitta Mächtig wollte deshalb am Montag noch mit Neuruppins Bürgermeister sprechen. Das Wichtigste sei aber, so Mächtig, dass Gefangene und das Wachpersonal wieder miteinander über Probleme reden.

Von Andreas Vogel

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