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Wunderlandfest im Tempelgarten

Neuruppin Wunderlandfest im Tempelgarten

Dschungeltiere und Rockbands, Lesungen und Theater, Versteigerung und Chansons: das Programm zum Wunderlandfest am Sonntag war breit gefächert und recht gut besucht, trotz gelegentlichen Regens. Die Organisatoren, Tempelgartenverein und die Jugendkunstschule Neuruppin, waren zufrieden. Die Gäste, die da waren, auch.

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Achtung Dschungelfrösche! Die Tänzer der Jugendkunstschule schufen am Vormittag eine bunte Welt.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. „Hier lebt er heitere, mußevolle Stunden, die Vorläufer jener berühmt gewordenen Tage von Rheinsberg und Sanssouci. Allabendlich, nach der Schwere des Dienstes, zieht es ihn nach seinem ,Amalthea’ hinaus. ... Da blüht es und duftet es; Levkojen und Melonen werden gezogen, und auf leis ansteigender Erhöhung erhebt sich der ‚Tempel‘, der Vereinigungspunkt des Freundeskreises“ – so schrieb Fontane einst über den Neuruppiner Tempelgarten, das Refugium des Kronprinzen Friedrich in dessen Neuruppiner Zeit.

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Buntes Treiben im Neuruppiner Tempelgarten, der mal zum Dschungel, mal zur Theaterbühne wurde, mal als Konzertsaal, mal als Leselounge herhalten musste. Zum Wunderlandfest hatten der Tempelgartenverein und die Jugendkunstschule geladen: und viele kamen und hatten ihren Spaß

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Was einst für den Prinzen galt, ist heute Allgemeingut. Jeder soll sich im gartenhistorischen Kleinod mit den blühenden Rondellen, den Putten und steinernen Figuren, dem frischen Grün, den geschwungenen Wegen erfreuen dürfen. Und auch der Amalthea-Tempel auf dem kleinen Hügel ist heute Treffpunkt für Freunde und solche, die es vielleicht werden. Dafür sorgt unter anderem ein Freundeskreis der besonderen Art: der Tempelgartenverein, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Fontane-Zitat und den Tempelgarten selbst am Leben zu erhalten. Und seiner alten Bestimmung gemäß mit Leben zu füllen. Mit viel Hingabe und Ideen arbeiten die Vereinsmitglieder unter Peter Neiß daran – gerade erst wurde der Garten für mehr als eine halbe Million Euro nach historischem Vorbild umgestaltet: zu einem Wunderland – was als ein Garten verdiente diese Bezeichnung mehr?

Wunderlandwochen heißen denn auch die Wochen nach der Wiedereröffnung: eine Zeit voll mit Konzerten, Theateraufführungen, Lesungen. Ein Wunderland will mit Leben gefüllt sein. Der Tempelgarten arbeitet hier eng mit den kulturellen Akteuren der Stadt zusammen, allen voran der Jugendkunstschule und dem Märkischen Jugendchor, die vor zwei Jahren schon in der „Tempelgarten-Revue“ zu sehen und hören waren. Inmitten der Wunderlandwochen wurde am Sonntag das Wunderlandfest gefeiert: mit einem prallen Strauß Kultur. Die Regie des Tages führten Steffi Schieferdecker vom Theater ohne Bühne der Jugendkunstschule und dessen künstlerische Leiter Sebastian Eggers und Sebastian Maihs. Es wurde an alles gedacht – einzig das Wetter konnten die Macher nicht wunschgemäß zaubern. Auch im Wunderland regnet es gelegentlich.

Explosion auf Impro-Art

Explosion auf Impro-Art: dreimal ging die Szene über die Bühne – auf Deutsch, „Chinesisch“ und wieder zurückübersetzt.

Quelle: Regine Buddeke

Um 10 Uhr öffneten sich die Tore für alle Besucher: Gitarren und Keyboardschüler der Jugendkunstschule gaben ein Ständchen, bevor die Bühne unterm großen Zeltdach zum Dschungel wurde. Sage und schreibe achtzig Elefanten und Kolibris, Frösche und Fledermäuse, Affen und Raubkatzen wuselten, sprangen, hüpften und schlugen gar Rad. „Jeder darf heute mitmachen“, sagte Tanzpädagogin Gritt Maruschke über die sieben Tanzgruppen der Jugendkunstschule, die für volle Stuhlreihen sorgten. Dann kam, was in jedem Regenwald passiert: es regnete ausgiebig, was die Reihen der Gäste lichtete. Wer dennoch blieb, wurde von den Darstellern des Theaters ohne Bühne unterhalten: Stand-up-Kultur quasi.

Um die Mittagszeit wurde es prosaisch: Uta Bartsch und Otto Wynen, die Initiatoren des Literaturfestes „Querfeldzwei“, lasen vor rund 30 Gästen aus ihren Lieblingskinderbüchern: leider unterm Zeltdach und nicht auf der eigens konzipierten Leselounge, deren Möbel – gefertigt von Teilnehmern des sozialen Projekts „Werkstatt Südstadt“ (die MAZ berichtete) – abends noch versteigert werden sollten. Das Wetter sorgte auch dafür, dass „der kleine Prinz“ nicht wie geplant im Tempelgarten landen konnte; die Keenie-Theatergruppe wird ihren Auftritt ein andermal bekommen, versprach Tina Amon Amonsen.

Probesitzen in der Lese-Lounge

Probesitzen in der Lese-Lounge. Die Möbel der Werkstatt Südstadt wurden abends versteigert.

Quelle: Regine Buddeke

Etwas später gehörte die Bühne den Bands der Jugendkunstschule: zuerst „Plan C“, dann „Minus fünf Grad“. Ganz so kalt war es zwar nicht, dennoch heizte Frontfrau Loreen Krüger mit ihrer Rockröhre den rund 30 Zuhörern kräftig ein. „Das war ganz stark, vor allem der letzte Titel“, wird sie von Monika Meichsner gelobt. Die Leiterin der Jugendkunstschule ist natürlich vor Ort, wenn ihre Schützlinge den Tempelgarten zum Musentempel machen.

All das wird frei aus dem Ärmel geschüttelt

Dann wird es spontan: die Impro-Theatergruppe der Evangelischen Schule macht auf Zuruf Theater. Die verschiedenen Formate werden kurz vorgestellt, das Publikum erhält eine kurze Lehrstunde in Improvisation. Begeistert zählen die Gäste den Countdown, in der ersten Szene erscheinen verschiedene Figuren. Eine davon, der Eventmanager, wird auf Wunsch des Publikums näher beleuchtet: Stück für Stück erfährt man einiges über seinen Hang zu explosiven Stoffen, über einen geheimnisvollen Fremden auf dem mitternächtlichen Friedhof, den großen Knall. Und der gar auf Chinesisch. All das wird frei aus dem Ärmel geschüttelt, nichts ist geplant. Der Zuschauer bestimmt die Richtung, die Akteure treiben es in Form. Und ja, es wird gelacht und nicht zu knapp, so skurril mutet einiges an.

Der Abend startet mit einer kurzweiligen Kurz-Lesung, dann hat Sebastian Maihs seinen Auftritt. Dass er ein guter Schauspieler ist, das wissen viele, die Vorstellungen des Theaters ohne Bühne oder des Falkenseer Theaters gesehen haben. Dass er überdies singen kann, die wenigsten. Und wie er kann! Mit seinem Pianisten Timo Röder knallt Maihs ein Dutzend Songs von Wecker und Weill, Piaf und Brel auf die Bretter, die sich gewaschen haben. „Sie kenn’ doch Circe“, schmettert Maihs den Hollaender-Text mit hintersinnigem Witz, andere Songs kommen auf Samtpfoten daher, leise und intensiv. Sein „Ich überleb’s“ – Titel des Programms – macht Gänsehaut. Das Publikum spendet stehenden Applaus. Bleibt zu hoffen, den Sänger bald wieder zu hören.

Versteigerung der Lärchenholzbänke

Mittendrin dann die Versteigerung der Lärchenholzbänke: jedes der fünf Sitzmöbel geht für mehr als die 400 Euro Startgebot weg: als Auktionator Mirko Bickel seinen Hammer letztmalig sinken lässt, sind stolze 2160 Euro für die Werkstatt Südstadt und das Reparatur-Café beisammen. „Für die Premiere bin ich zufrieden“, sagt Projektleiter Stefan Fulz. „Das kann man durchaus wiederholen – gern auch in einem anderen Rahmen.“ Auch Tempelgartenvereins-Chef Peter Neiß schaut zufrieden auf den Tag: „Der Kuchen ist alle geworden. Und das war ne Menge“, ist er mit den Besucherzahlen zufrieden, trotz des Regenwetters. Die Kooperation mit den jungen künstlerischen Akteuren der Region liegt ihm am Herzen – schon um den Tempelgarten auch für Jugend interessant zu machen. „Es geht ja auch um den Erhalt der Anlage in künftigen Generationen“, sagt er.

Von Regine Buddeke

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