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Wusterhausen Brandenburger Alleinunternehmer baut Hanf an
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00:22 29.09.2018
In Nicolas Geest (r.) hat Florian Herm derzeit einen Erntehelfer. Nicolas Geest studiert an der Humboldt-Universität Berlin Gartenbauwissenschaften. Quelle: Wolfgang Hörmann
Barenthin/Tornow

Sie heißen „Finda“, „Fedora“, „Santica“ und „Felina“. Nun lässt sich über Geschmack bekanntlich trefflich streiten, dieses Quartett sollte bei Kennern allerdings kaum Wünsche offen lassen. Die Vierlinge unterscheiden sich im Geschmack. Sie gaben Sorten der Hanfpflanze ihren Namen.

Im April ausgesät, sind sie derzeit erntereif. Landwirt Florian Herm hat ihnen auf gut sechs Hektar eines angepachteten Feldes in Tornow bei Wusterhausen des Wachsen und Gedeihen beigebracht. Jetzt ist für den 28-Jährigen Erntezeit.

Tee-Kreationen sind das Hauptprodukt

Dabei spielt reine Handarbeit eine wichtige Rolle. Was später als eine von zwölf Tee-Kreationen – dem Hauptprodukt –, als Hanföl, kandierte Samen oder Hanfnüsse in Berliner Märkten landet, in Feinkostläden Feinschmecker verführt oder nach Online-Bestellung ins Haus geliefert wird, darf das Bio-Siegel führen. Diesem Anspruch genügt jeder Einkauf. Das beginnt bei der komplett kompostierbaren Papiertüte und endet im Inhalt.

Der Firmeninhaber, der täglich vom Wohnort Barenthin nach Tornow aufs Feld fährt, liegt seine Umwelt am Herzen. „Den meisten Menschen ist anscheinend egal oder nicht bewusst, wie weit unser Planet schon geschädigt ist. Ich will daran nicht mitwirken. Hanf kann einen entscheidenden Teil zur Rettung der Erde beitragen“, ist sich der Quereinsteiger in die Agrarwirtschaft sicher.

Hanf-Produkte vom Barenthiner Landwirt Florian Herm gibt's in Berliner Bio-Märkten und im Internet. Quelle: Wolfgang Hörmann

Für Florian Herm ist es „die beste Pflanze der Welt“. Sie wächst im naturnahen Anbau, ist widerstandsfähig, gedeiht auf mageren Böden und ist mit Blättern, Blüten, Fasern vielfältig verwertbar. Tee, Öle, Samen sind ja nur die bekannteren Seiten der Nutzbarkeit. Aus den Fasern lassen sich aber feste Seile ebenso herstellen, wie tragbare Kleidung. „Mit Baumwolle verarbeitet ist sie antibakteriell und ermöglicht einen guten Temperaturaustausch. Die erste Levis-Jeans bestand aus Hanf“, weiß der junge Landwirt.

An der Wiege gesungen hatte ihm keiner, dass er mal Einzelunternehmer unter freiem Himmel werden würde. Aufgewachsen in Barenthin, besuchte Florian Herm das Kyritzer Gymnasium und studierte danach Informatik. Dabei keimte die Einsicht, dass eine Berufsleben am Computer doch nicht das Rechte für ihn sein würde. Sie paarte sich mit dem Gedanken, dass der geschundenen Welt auf ganz praktische Weise geholfen werden sollte. Und zwar von jedem Einzelnen.

Studium neben der Arbeit

Florian Herm studiert neben seiner praktischen Arbeit Agrarwissenschaften. Ziel ist ein Bachelor-Abschluss.

„Die Hanflinge“, Lindenallee 19, 16866 Barenthin, Mail: Info@hanflinge.de

„Ich habe mich damit befasst, Vorlesungen über die Umwelt und ihren Schutz besucht. Bis die Hanfpflanze dann mein weiteres Leben bestimmen würde, war es nicht mehr weit.“ Vor gut fünf Jahren gründete er mit Freundin Cina sein Unternehmen. Im Internet findet man es unter „Hanflinge“.

„Und? Kommen da nicht schon mal Interessenten, die mehr wollen, als beruhigenden und schmerzlindernden Tee?“ Die Frage muss Florian Herm wohl erwartet haben. Seine Antwort ist professionell. Zwar reduziere der eine oder andere das lateinische Wort „Cannabis“ für Hanf allein auf die Wirkung als Rauschmittel, das immer noch in vielen Ländern der Welt rechtlich als illegal und sozial als verwerflich geächtet ist. Cannabis sei aber eben mehr als die Droge mit einem THC-Gehalt zwischen 10 und 30 Prozent, vor der Eltern ihre Heranwachsenden warnen. Die in Deutschland verwendeten Sorten, mit denen Landwirte hantieren, lägen beim Rauschanteil um die 0,2 Prozent, „bei mir sogar darunter“, so Herm.

Meldepflicht muss erfüllt werden

Was es mit den drei Großbuchstaben auf sich hat, verrät das Internet. Tetrahydrocannabinol (THC) ist eine psychoaktive Substanz, die zu den Cannabinoiden zählt. Ihr wird der Hauptanteil der berauschenden Wirkung zugesprochen.“ Wer wie Florian Herm professionell mit Hanfpflanzen wirtschaftet, sie im Konkreten mit Pferdedung vom nahen Gut Tornow oder „ausgedienten“ Substraten von der nahen Pilzfarm dünkt, hat eine Meldepflicht zu erfüllen. Das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung will das verwendete Saatgut kennen und möchte wissen, wann es blüht auf dem Feld. Etwa zwei Monate später kommt dann das Okay zum Ernten. Ohne Freigabe geht nichts.

Landwirt Florian Harms schätzt, dass er in dieser Saison noch etwa drei Wochen auf seinem Feld in Tornow zu tun hat. Helfer unterstützen ihn. Dazu gehören Frauen und Männer in 450-Euro-Jobs und Nebenerwerb, aber auch die Familie. So ist seine Mutter für den Versand zuständig.

Das nächste Feld gerne bei Barenthin

Die Fläche am Ortseingang aus Richtung Bantikow hat er für sechs Jahre gepachtet. In den nächsten zwei oder drei Jahren soll hier weiterhin Hanf wachsen. Da die Pflanze „selbstverträglich ist“, wie es der Fachmann nennt, ist das bei entsprechender Bodenvorbereitung möglich.

Allerdings ist ein Ortswechsel perspektivisch auch im Sinn des Jungunternehmers. „Mein nächstes Feld sollte dichter dran sein an Barenthin. Die ständige Fahrerei ist nervig – und schädlich für die Umwelt, die schon genug Stress ertragen muss.“

Von Wolfgang Hörmann

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