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Wusterhausen Bürgermeister seit 100 Tagen im Amt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Bürgermeister seit 100 Tagen im Amt
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11:19 08.02.2019
Philipp Schulz in seinem Arbeitszimmer. Zum Bürgermeister wurde er für die nächsten acht Jahre gewählt. Quelle: Wolfgang Hörmann
Wusterhausen

Der 32-jährige ­Philipp Schulz (parteilos) zählt zu den jüngsten hauptamtlichen kommunalen Verwaltungschefs in Brandenburg. Seit dem 1. November 2018 ist er im Amt. Seitdem sind 100 Tage vergangen. Über den Start und erste Erfahrungen am neuen Wirkungsort stand Philipp Schulz der MAZ Rede und Antwort.

Sie hatten den Entscheid um das Bürgermeisteramt mit großem Vorsprung fast schon im ersten Wahlgang gewonnen. Hat Sie das überrascht?

Philipp Schulz: Ein stückweit schon. Ich hatte mich zwar nach gründlicher Überlegung und intensiven Gesprächen mit meiner Frau für die Kandidatur entschieden und sah reelle Chancen für mich, dennoch gab es ja drei ernsthafte Mitbewerber. Dass mir im ersten Wahlgang lediglich 36 Stimmen zur absoluten Mehrheit fehlten, damit war allerdings nicht zu rechnen.

Was, glauben Sie, war für den deutlichen Trend ausschlaggebend?

Schwer zu sagen. Es herrschte wohl eine allgemeine Wechselstimmung. Ein Neuanfang sollte her. Vielleicht überzeugten ja auch mein Wahlprogramm für die nächsten acht Jahre und die Tatsache, dass ich trotz des relativ jungen Alters mit einiger Erfahrung angetreten bin, die ich in den 15 Jahren bei der Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin erworben habe.

Wie wurden Sie von ihren neuen Mitarbeitern aufgenommen?

Ausgesprochen positiv. Das gegenseitige Kennenlernen stand logischerweise im Mittelpunkt der ersten Wochen. Dazu habe ich versucht, mich bei einer Vielzahl von Veranstaltungen bekannt zu machen und dabei nicht nur in Wusterhausen zu sein, sondern auch in anderen Ortsteilen. Ich habe unsere Kitas in der Stadt, in Lögow und ­Nackel besucht und mich mit den Ortvorstehern getroffen. Das Ganze ist natürlich noch längst nicht abgeschlossen. Schließlich wollen ja auch die Tagesaufgaben erledigt sein. Schon dafür bin ich viel unterwegs. Manche Probleme muss man einfach vor Ort besprechen.

Zur Person

Philipp Schulzist 32 Jahre alt, verheiratet und Vater einer Tochter. Der studierte Verwaltungsfachwirt ist in Wusterhausen aufgewachsen, lebt mit seiner Familie seit drei Jahren in Neustadt.

Bei der Wahl zum Bürgermeistervon Wusterhausen lag er bereits im ersten Wahlgang klar vorn – vor Amtsinhaber Roman Blank (SPD), Torsten Stürmer (AfD) und Roland Schütze (parteilos). Die Stichwahl am 14. Oktober entschied Philipp Schulz mit 76,6 Prozent gegen Roman Blank 23,4 Prozent für sich.

Wie wollen Sie die Verwaltung leiten?

Ich bevorzuge den kooperativen Führungsstil, getreu dem Motto: Die Verwaltung muss ein gutes Team sein. Bedenken und Fehler sollen ­offen angesprochen werden können.

Aber der Chef sagt letztlich, wo es lang geht ...

Das muss so sein, wobei ja auch die Gemeindevertreter zu bestimmten Themen ein entscheidendes Wörtchen mitzureden haben. Die gute Zusammenarbeit mit ihnen ist mir wichtig.

Musste das Bürgermeister-Zimmer vor Ihrem Einzug neu möbliert werden?

Wo denken Sie hin? Neu sind ein paar Grünpflanzen, mein Büro-Drehstuhl am Schreibtisch, Kalender und ein zweiter Monitor. Der erleichtert mir die Arbeit.

Im Wahlkampf haben Sie versprochen, sich für beitragsfreie Kita-Zeiten einzusetzen. Sehen Sie dafür absehbar reelle Chance?

Durchaus. Sehen Sie, Pendler, die zum Arbeiten in die Hauptstadt fahren, erleben das ja hautnah. Dort ist der Beitrag schon Geschichte. Wenn Politiker immer von Berlin-Brandenburg als Einheit sprechen, dann muss es doch möglich sein, das endlich auch in diesem Punkt zu demonstrieren. Ich weiß, dass in den Parteien zu dem Thema unterschiedliche Ansichten vorherrschen. Aber da muss Übereinstimmung her. Ich halte es für sinnvoll, junge Familien diesbezüglich zu entlasten.

Sollten Sie nicht selber Mitglied in einer der Parteien sein, um wirkungsvoll mitreden zu können?

Das sehe ich nicht so. Ich will in erster Linie Bürgermeister für alle Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde sein und sehe eine Stärke darin, ohne Parteibuch Neutralität besser wahren zu können.

Also ist ein Parteieintritt für Sie tabu?

Derzeit ist ein Parteieintritt kein Thema.

Bei der Kommunalwahl im Mai soll die Stadt Wusterhausen erstmalig einen fünfköpfigen Ortsbeirat bekommen. Wie stehen Sie dazu?

Ich finde das gut. Ein Einzelner für eine Stadt wie Wusterhausen steht bei diesem Ehrenamt oft auf verlorenem Posten. Er soll den Kontakt zu den Bürgern ebenso halten, wie die Verbindung zur Gemeindeverwaltung. Das kann ihn schnell überfordern. Da sollte es für eine Gemeinschaft leichter sein.

Sie waren bisher unter anderem Schöffe in der Jugend- und Jugendschutzkammer des Landgerichts Neuruppin. Bleibt es dabei?

Nein, meine Wahlperiode endete am 31. Dezember 2018. Ich hatte mich im April langfristig wieder beworben, blieb vom zuständigen Wahlausschuss aber unberücksichtigt. Ehrlich gesagt, bin ich aus heutiger Sicht darüber überhaupt nicht böse, da die Tätigkeit als Bürgermeister sehr zeitaufwendig ist.

Sie haben in ihrem Wahlprogramm versprochen, ein Amtsblatt für die Gemeinde einzuführen. Welche Priorität messen Sie dem Vorhaben bei?

Vorweg: Alles, was ich mir vorgenommen habe, ist nicht für die ersten 100 Tage aufgeschrieben worden, sondern für eine ganze Amtszeit. Die bessere Information der Bürger, zum Beispiel über ein Amtsblatt, halte ich tatsächlich für notwendig. Sie ist aber auf ortsübliche Weise jetzt schon gewährleistet. Wichtiger sind zurzeit andere Dinge.

Die da wären?

Gemeindevertreter und Verwaltung diskutieren derzeit über das erste Gemeinde-Entwicklungskonzept, das über wenigstens ein Jahrzehnt den Kompass für das künftige „Wie weiter?“ in der Großgemeinde darstellt. Es beinhaltet unter anderem die Suche nach Bauplätzen ebenso, wie nach Investoren für unser Gewerbegebiet. Wir haben kaum noch Flächen zum Bebauen, gleichzeitig aber auch viele leer stehende Häuser. Hier einen Ausgleich zu finden, halte ich gegenwärtig für vorrangig.

Von Wolfgang Hörmann

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