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Wusterhausen 100 Jahre älter als das Rathaus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen 100 Jahre älter als das Rathaus
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06:04 08.12.2018
Das Wegemuseum Wusterhausen im sogenannten Herbst'schen Haus Quelle: privat
Wusterhausen

Jeden Tag öffnen wir im MAZ-Adventskalender ein Türchen und erzählen Geschichte eines besonderen Gebäudes aus der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Diesmal: das Haus Am Markt Nr. 3 in Wusterhausen.Dieser Koloss ist im Stadtzentrum von Wusterhausen nicht zu übersehen: Dabei steht das Gebäude Am Markt Nr. 3 etwas im Schatten des Rathauses. Sein „Nachbar“ aber ist ein stattliches Bürgerhaus mit relativ kleinen weißen Fenstern. Und er ist über 100 Jahre älter das Rathaus. Erbaut 1764 als Posthalterei, hat die Nr.3 im Lauf der Jahrhunderte seine eigene Geschichte geschrieben.

August Herbst mit Expansionsplänen

Dass man die Adresse gemeinhin „Herbst’sches Haus“ nennt, hängt mit einem Bürger der Dossestadt zusammen – dem Kaufmann August Herbst. Er gründete 1912 eine Firma und kaufte fünf Jahre später die einstige Posthalterei Am Marktplatz, dessen Rufname später auch „Rettigs-Haus“ hätte sein können.

Aus dem hässlichen Entlein ist wieder ein stolzer Schwan geworden - das Herbst'sche Haus Am Markt. Nr. 3 in Wusterhausen direkt nach der Sanierung. Quelle: Wolfgang Hörmann

Denn der Herbst-Vorgänger war Kolonialwarenhändler Albert Rettig. Aber August Herbst blieb stärker in Erinnerung, wahrscheinlich weil er „expandierte“, wie man es heute nennt.

Vorhandene Wohnungen wurden zum Geschäft ausgebaut. Dadurch vergrößerte sich der Laden beträchtlich. Kaufmann Herbst bot außer Lebensmitteln auch Gemischtwaren an, also Eisen, Glas, Porzellan, Geschenkartikel, Sämereien, Spielsachen, Hand- und Kinderwagen, Spirituosen, dazu noch vieles mehr.

Drei große und ein kleines Schaufenster gaben Vorübergehenden großzügige Einblicke ins Sortiment. Davon abgesehen gab es rechts neben der Haustür ein zweites Geschäft.

Hier war Uhrmacher Müller ansässig, später der Handschuhmacher Albert Richter. Erst nach 1960 wurde es umgebaut.

Das Haus Am Markt Nr.3 in Wusterhausen ist das kulturelle Zentrum der Stadt. Quelle: Wolfgang Hörmann

Dem Lehrer Karl Jahn ist zu verdanken, dass dieser Teil ab 1963 als Museum genutzt wurde, mit einem zusätzlichen Lagerraum auf dem Hof. Den Handel führte August Herbst nach dem Krieg weiter, erst allein, von 1946 bis 1955 mit Ludwig, dem ältesten seiner drei Söhne, der schließlich 1955 das Zepter übernahm und es schließlich 1960 an den volkseigenen Einzelhandel HO abgab.

Anlässlich der 775-Jahr-Feier von Wusterhausen 2008 erinnerte sich der damals 90-Jährige an seine Kindheit, Jugend und Mannesjahre. Für die Chronik „Geschichte und Geschichten“ schrieb er auf Wunsch von Marianne Golde ein elfseitiges Manuskript, das in Auszügen veröffentlicht wurde.

Leerstand und Verfall

Zu dieser Zeit war schon absehbar, dass sein mittlerweile leer stehendes und vom Verfall bedrohtes Heimathaus grundlegend saniert werden sollte.

Die Arbeiten begannen 2009 und dauerten zwei Jahre. Mit der Neueröffnung bekam die Dossestadt ein kulturelles Kleinod mit einem Museum, dessen thematische Dauerausstellung sich hauptsächlich mit Wegen von der Bronzezeit bis zur Neuzeit beschäftigt. Neben dem Pilgerweg nach Wilsnack und dem Postkutschenweg Berlin-Hamburg bildet die innerdeutschen Transitstrecke entlang der ehemaligen Fernverkehrsstraße 5 einen besonderen Schwerpunkt.

Erst im Oktober wurde das Haus Denkmal des Monats, hier übergibt Neuruppins Baudezernent Arne Krohn (rechts) im Namen der Städte mit historischem Stadtkern die Urkunde an den damaligen Bürgermeister Roman Blank. Quelle: Wolfgang Hörmann

Er sorgt für das bundesweite Alleinstellungsmerkmal, das sich im Namen „Wegemuseum“ ausdrückt. Ferner beherbergt das „Herbst’sche Haus“ die Bibliothek und den „Alten Laden“ als Veranstaltungsraum für etwa 50 Personen.

Er gilt auch als Galerie für mittlerweile schon 43 Kunstausstellungen, initiiert und betreut vom Kulturverein der Stadt. Die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ zeichnete das Haus Am Markt 3 jüngst als „Denkmal des Monats“ Oktober aus.

Telefonisch erreichbar sind die Bibliothek unter 033979/87760, das Wegemuseum unter 033979/87762.

Lesen Sie auch unsere anderen Geschichten zu den Adventskalender-Türchen:

1. Dezember: Der Paulinenauer Bahnhof in Neuruppin der die Eisenbahn brachte.

2. Dezember: Wie die Pritzwalker Tuchfabrik zum Symbol für die Industrialierung wurde.

3. Dezember: Die Geschichte der Siechenhauskapelle in Neuruppin.

4. Dezember: Einst Vorwerk, heute Kulturgutshaus – die Geschichte des Gutshauses in Köpernitz.

5. Dezember: Das Gaswerk in Neustadt – eine Industriegeschichte mit ganz viel Energie.

6. Dezember: Das Telschow’sche Haus in Wittstock: Wo vor 330 Jahren die Postkutsche Halt machte.

7. Dezember: Der Tempelgarten mit Apollotempel in Neuruppin – Kronprinz Friedrichs Protestnote gegen den Soldatenkönig.

Von Wolfgang Hörmann

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