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Wusterhausen Aus purer Freude am Nachdenken
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11:31 06.11.2018
Jacques-Yves Henry lebt seit drei Jahren in Wusterhausen und will nun ein „Café Philosophique“ etablieren. Quelle: Alexander Beckmann
Wusterhausen

Jacques-Yves Henry denkt gerne nach – über das Leben, die Welt, die Menschen. Am liebsten in Gesellschaft. Mit seiner Idee eines „Café Philosophique“ will der 69-jährige Wusterhausener dafür nun Mitstreiter gewinnen.

Henry stellt sich eine offene Runde vor, die regelmäßig in Wusterhausen zum gepflegten Gedankenaustausch über die ganz großen Themen zusammenkommt – vielleicht monatlich oder alle zwei Monate. Gern auch mit den passenden Getränken.

Kein politischer Disput

Aber: „Es soll keine Stammtischrunde sein.“ Er wolle da nicht vordergründig über Politik oder Psychologie diskutieren und auch keine Lebenshilfe leisten, betont Henry, der weiß, dass es da oft fließende Übergänge gibt. Aber viel mehr liege ihm am freien Gedankenaustausch über Themen, die im Alltag stets etwas zu kurz kommen. „Es könnte um ganz grundlegende Fragen gehen – zum Beispiel ob Gewalt zum Menschen gehört.“

„Mir geht es um die Freude am Nachdenken“, betont der Wusterhausener, der schon in seiner alten Heimat im französischen Lyon an „Cafés Philosophique“ teilgenommen hat. In Frankreich und auch in manchen anderen Ländern sind solche Gesprächskreise seit Jahren recht populär.

Auf interessierte Laien ausgerichtet

Natürlich könnte man sich der Sache auf höchstem Niveau annähern, große Geister wie Rousseau oder Spinoza zitieren, Begriffe wie Existenzialismus, Rationalismus und ähnliches bemühen. Schließlich gibt es die Philosophie als Wissenschaft schon seit Jahrtausenden.

„Aber das ist gerade das, was das Café Philosophique nicht will“, sagt Jacques-Yves Henry. „Es geht nicht darum, Meinungen zu bestätigen oder zu widerlegen, sondern darum, darüber zu reden.“ Die Philosophie – wörtlich „Liebe zur Weisheit“ – oder das Philosophieren seien bei den Veranstaltungen eher der Weg als das Ziel. Nachdenken als Methode sei gefragt und der Austausch von Argumenten.

„Man hat auch oft Leute dabei, die den ganzen Abend über kein Wort sagen und nur zuhören und mitdenken“, weiß der Wusterhausener aus Erfahrung. Das sei völlig in Ordnung. „Wenn man mit denen später über die Themen spricht, sind die Ergebnisse oft sehr interessant.“

Teilnehmer gesucht

Seinen Vorschlag, solch eine Runde in der Dossestadt zu etablieren hat er bereits an verschiedenste Wusterhausener Adressaten verschickt und sie um Weiterleitung gebeten. Nun hofft er auf Resonanz. „Es müssen ja nicht gleich 30 Leute oder noch mehr kommen.“

Momentan will Jacques-Yves Henry einen ersten Termin an geeignetem Ort wie einem Lokal vorbereiten. Zur Premiere wird er wohl einige Themen mitbringen. Im Grunde sollen die Teilnehmer das aber selbst übernehmen.

„Ich meine, jetzt, wo es gerade Winter wird, bietet es sich an, mit so etwas anzufangen“, sagt Henry. „Im Sommer werde ich sowas bestimmt auch mal bei uns im Garten machen. Gesellig muss es sein.“

In der Kleinstadt angekommen

Der Zufall führte den Franzosen und seinen Partner vor drei Jahren nach Wusterhausen. Ursprünglich sei ja Berlin der Wunschort für den Ruhestand gewesen. Doch dort etwas bezahlbares zu finden, erwies sich als sehr schwierig. „Wir haben also etwas gesucht, das man mit dem Zug in einer Stunde Umkreis von Berlin erreichen kann.“ Von Autos hält Henry wenig. „Nach Berlin mit dem Zug, das funktioniert sehr gut. Wusterhausen hat uns gefallen. Die Leute sind so nett.“

Längst engagiert sich der Neu-Wusterhausener im Kulturverein oder im Festkomitee. Kultur ist seine Leidenschaft. Jahrzehntelang, ab den 80er Jahren auch in Deutschland, arbeitete Jacques-Yves Henry in der Gastronomie, managte Veranstaltungsorte. „Die letzten 15 Jahre war ich Lehrer an der Berufsschule und habe ein kleines Theater geleitet.“ Henry verfasste Stücke und inszenierte sie auf französisch und deutsch.

Das Theater fehlt ihm in Wusterhausen ein bisschen, zumal die Bahnverbindung in die Metropole gerade am Abend doch zu wünschen übrig lässt. Aber der 69-Jährige fängt ja gerade erst an.

Vorschläge zu Themen und Terminen für das „Café Philosophique“ bitte an 01512/8 96 52 23 oder henry.schauberger@t-online.de

Das „Café Philosophique“

Das „Café Philosophique“ geht auf eine Idee zurück, die der Philosoph Marc Sautet ab 1992 in einem Pariser Bistro umsetzte und in seinem Buch „Ein Café für Sokrates“ beschrieb.

Es handelt sich um regelmäßige, für jedermann offene Runden zu grundlegenden philosophischen Fragen.

Die jeweiligen Themen legen die Besucher selbst fest. Sie bringen sie möglichst auch selbst mit.

Ein Moderator leitet die Veranstaltung.

In der Runde sollen Meinungen vorgestellt und Argumente ausgetauscht werden. Eine weitere Zielstellung besteht nicht. Niemand ist verpflichtet, aktiv mitzureden.

Im Laufe der Jahre entstanden über 150 derartige Gesprächskreise nicht nur in Frankreich, sondern weltweit.

Von Alexander Beckmann

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