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Wusterhausen Die Beinahe-Katastrophe von Lögow
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18:44 14.03.2019
Winfried Langhof aus Lögow an der Stelle, an der am 15. März 1989 der sowjetische Kampfjet abstürzte. Hinter den Bäumen beginnt das Dorf. Quelle: Matthias Anke
Lögow/Kantow

Eine Böe nach der anderen drückt sich durch den Windpark Kantow. Die blinkenden Positionslichter auf den Mühlen sind selbst bei Tage überdeutlich. Sie sollen den Flugverkehr warnen.

In diesem Korridor ist offenbar viel los. Schon 1945 nutzten ihn die Bomber im Anflug auf Berlin. Eine Luftkampfszene ist überliefert. Dabei fiel eine Messerschmidt 262 auf einen Acker bei Lögow und Emilienhof. Kurz vor Kriegsende folgte ein weiterer Abschuss. Der Flug dieser Junkers mit wohl Flüchtenden aus Berlin endete nahe Trieplatz.

Dann blieb es ruhig in der Gegend – bis zum 15. März 1989. Heute vor 30 Jahren stürzte zwischen Lögow und Kantow ein sowjetisches Kampfflugzeug ab.

Unheimliches Jaulen und ein dumpfer Knall

„Die Sirene ging dann. Funk oder Telefon hatte ja keiner bis auf die LPG, das Gemeindebüro und die Post“, erinnert sich Winfried Langhof. Der heutige Ortsvorsteher war einst aus Mecklenburg wegen der Frau nach Lögow gekommen, arbeitete bei der LPG und wohnte mit seiner Familie in einem der neuen Wohnblöcke, die am Lögower Dorfende in Richtung Kantow gebaut worden waren.

In genau diese wäre das Flugzeug wohl hineingeflogen, wenn der Pilot die Maschine nicht doch noch mal hochgerissen hätte. „Dieses unheimliche, laut anschwellende Jaulen da draußen mit dem kurz danach dumpfen Knall vergisst man nicht mehr“, sagt der 60-Jährige: „Es klang so, wie man das aus Filmen kennt. Als wurde ein Nachbrenner gezündet und der Flieger machte noch einen Satz.“

Eine MiG 23. 1989/90 soll die Sowjetunion 700 davon besessen haben, gefolgt von 630 Suchoi 24 und 540 MiG 29. Quelle: US Airforce

Dass der Pilot, statt sich mit dem Schleudersitz zu retten, eine Katastrophe verhinderte, darüber seien sich sämtliche Zeugen einig gewesen. Vielmehr konnten sie ohnehin nicht in Erfahrung bringen. Bis heute nicht. Denn obwohl dieser Fall weitaus jünger ist als die Geschehnisse von 1945, ist über ihn ebenso wenig bekannt.

Zwar näherte sich auch der damalige Krieg, der Kalte Krieg, gerade seinem Ende, doch rund um die auf DDR-Boden stationierten Sowjetstreitkräfte wurde geschwiegen. Um so eindringlicher wolle Langhof – damals 30 Jahre alt – jetzt an diesen Tag erinnern: „Es war am späten Nachmittag. Ich spielte mit unseren kleinen Töchtern im Wohnzimmer unserer Dreieinhalb-Raum-Wohnung.“ Der Block umfasste 24 Wohneinheiten. „Meine Frau war mit ihren Arbeitskolleginnen zur Frauentagsfeier in Gartow.“

Es gab wohl mehrere Explosionen

Dann die Geräusche. Winfried Langhof übergab seine Töchter der Nachbarin und rannte aus dem Haus: „Nördlich von Lögow stieg Rauch in die Luft, und es gab ab und zu dumpfe Explosionen. Ich sprang auf mein Moped, fuhr zur LPG Tierproduktion und rief von dort aus den ABV (Abschnittsbevollmächtigter Polizist) in Dessow an. Dieser löste die Alarmkette aus.“

In kurzen Abständen trafen Feuerwehren, Krankenwagen, Polizei und der Munitionsbergungsdienst ein. „Es dauerte nicht lange, und auch das Sowjetmilitär kam mit Fahrzeugen und Hubschraubern. Das Areal um die Unglücksstelle wurde sofort zum Sperrgebiet erklärt und war damit für die hiesigen Rettungskräfte tabu.“

Gaffer hatten keine Chance. Ein Lögower, der sich mit dem Fahrrad auf den Weg machte, sei von einem Hubschrauber verjagt worden – mit dem Propeller voran.

Kein Krümel vom Kampfflugzeug sollte übrig bleiben

Überliefert wurde, dass der Jet gut sieben Meter tief in der Erde gesteckt haben soll. Von der Absturzstelle auf der Anhöhe vor dem heutigen Windpark war dennoch bald nichts mehr zu erkennen. „Die sowjetischen Streitkräfte beräumten die Stelle erst mit schweren Bulldozern, später wurde sie sogar mit Harken bearbeitet, damit nicht das kleinste Detail zurückblieb.“

Vermutlich, so Langhof, sei auch viel Munition an Bord gewesen. Nur so erklärten sich Anwohner die mehrfachen heftigen Explosionen.

Einige Wochen später bat die Bürgermeisterin Winfried Langhof, sofort zu kommen. „Mich erwarteten mehrere hochrangige Offiziere der Sowjetarmee. Sie bedankten sich für mein Handeln und entschuldigten sich für die Unannehmlichkeiten, die ich angeblich gehabt haben soll. Ich erwiderte, dass ich lediglich den ABV angerufen hatte. Dann sollte ich in eine Karte einzeichnen, von wo das Flugzeug gekommen sei. Ich konnte da aber nur wenig helfen.“

„Kein DDR-Bürger verletzt“: Diese Zeilen erschienen tags darauf im Lokalteil der damaligen Märkischen Volksstimme. Quelle: Matthias Anke

Weil wohl zu viele Menschen von dem Unglück mitbekamen, gab es am nächsten Tag eine kleine Meldung im Lokalteil der Märkischen Volksstimme. Mehr nicht.

Langhof sei dann gesagt worden, dass es an der Absturzstelle eine Trauerfeier geben werde, zu der die Ehefrau des Piloten aus der Sowjetunion kommen würde. „Sie kam auch. Doch das erfolgte ebenso alles völlig abgeschirmt.“

Pilot soll selbstlos agiert und damit Menschenleben gerettet haben

Bis heute ist selbst unbekannt, um was für einen Düsenjet genau es sich handelte. War es eines der fast 1800 Jagdflugzeuge der Sowjets? Eine MiG 25, von der es zu der Zeit 700 Stück bei ihnen gab, käme in Frage, oder eine der 540 vom Typ MiG 29. Oder war es einer der über 2000 Jagdbomber? Eine Suchoi?

Für Winfried Langhof und viele weitere Lögower stehe „jetzt, wo man wieder darüber sprechen kann“, nur eines fest: „Der Pilot hat mit seiner Tat und seinem fliegerischen Können eine schreckliche Katastrophe verhindert, da die meisten Bewohner sich zum Unglückszeitpunkt zu Hause befanden. Es hätte sehr viele Tote gegeben.“

Von Matthias Anke

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