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Wusterhausen Pferd lief vors Auto – war ein Wolf Schuld?
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wusterhausen Pferd lief vors Auto – war ein Wolf Schuld?
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00:19 02.06.2018
Lutz Grimm aus Segeletz bleiben nach dem Tod seiner Cherokee zwar noch zwei Pferde. Doch das Gespannfahren müssen sie erst lernen. Quelle: Matthias Anke
Segeletz

Lutz Grimm ist ratlos. Er zeigt auf das Loch im Maschendrahtzaun, vor dem zwei unter Strom stehende Bänder hängen. Der Segeletzer fragt sich, was sein Pferd vor wenigen Tagen antrieben hatte, dort augenscheinlich mit voller Wucht durchzupreschen.

Denn die Koppel ist riesig. In jeder anderen Richtung wäre es vergleichsweise ein Kinderspiel auszubrechen. „Die Stute ist definitiv von irgend etwas Großem in die Ecke getrieben worden“, sagt Lutz Grimm. Nur drei Optionen gibt es für ihn: Ein Mensch, wobei er nicht wüsste, wer ihn weshalb Schaden zufügen sollte. Ein Hund, der ebenso wenig infrage komme, da Grimms Pferde regelrecht „hundeerprobt“ seien und er selbst ja einen besitzt. Also doch ein Wolf?

Stute wurde nach Unfall mit Auto eingeschläfert

Cherokee, die 18-jährige Stute, wurde eingeschläfert. Sie war wohl die Bundesstraße 5 entlang Richtung Friesack galoppiert, wo sie hinter dem Abzweig Dreetz gegen 4 Uhr in der Früh mit einem Kleintransporter zusammenstieß (die MAZ berichtete).

Laut Polizei meldete sich später jemand aus dem benachbarten Michaelisbruch. Er hatte die fuchsfarbene Stute mit schweren Verletzungen auf der Dorfstraße gefunden. Trotz tierärztlicher Notversorgung habe dem Leben des Pferdes aufgrund der schweren Verletzungen ein Ende gemacht werden müssen.

„Sie kannte diesen Weg, auf dem sie da flüchtete, es war ja unsere regelmäßige Fahrstrecke“, erzählt Lutz Grimm. Der 53-Jährige, der im Havelland als Lagerarbeiter beschäftigt ist, ist in der Region kein Unbekannter.

Mit seiner Pferdekutsche war er regelmäßig unterwegs. „Irgendeinen Spleen muss man ja haben“, sagt er mit Blick auf sein großes Hobby. Bei sämtlichen Dorffesten in der Umgebung war er dabei, so 2016 beim Jubiläumsumzug in Nackel und Läsikow und 2017 beim Erntefest in Wusterhausen.

Lutz Grimm aus Segeletz kann sich nicht erklären, was eines seiner Pferde so sehr aufgeschreckt hat, dass es durch einen Maschenzaun hindurch preschte. Das Pferd wurde eingeschläfert. Geblieben sind ihm zwei Nachfahren der nun toten Cherokee. Quelle: Matthias Anke

Als Grimm, der in Segeletz in seinem Elternhaus lebt, die Stute vor 15 Jahren bekam, war sie dreijährig und hatte schon ein Fohlen dabei: „Yacima“, ebenso fuchsfarben. Diese ist ihm nun geblieben, wie auch ihr Fohlen, ein Schecke. Doch zum Gespannfahren könne Grimm ihn noch nicht nutzen. Entsprechendes Training stehe nun an.

Beide Pferde zeigten sich laut Grimm am Morgen nach Cherokees Verschwinden „erheblich verstört“. Warum ihnen nichts passierte und – wenn es denn ein Wolf gewesen wäre – dieser offenbar von einer Verfolgung ins Dorf und dann die B 5 entlang absah und kehrt machte, ist für Lutz Grimm ein großes Rätsel.

Raum für Gerüchte und Mutmaßungen ist groß geworden

Für den Wolf als Urheber des Dramas würden einige, jedoch undeutliche Spuren sprechen. Und dann kämen noch die Berichte von Jägern und Landwirten aus der Umgebung hinzu. Dass etwa zeitgleich Rinder bei einem Barsikower Landwirt angefallen worden sein sollen, entpuppte sich aber als Gerücht, wie die MAZ auf Nachfrage erfuhr.

Der Raum für Mutmaßungen ist groß geworden. Unlängst gab es mehrere Fälle von tatsächlich gerissenen Rindern bei Schönberg ganz im Norden der Gemeinde Wusterhausen. Und im Nachbarlandkreis Stendal häuften sich zuletzt auch Übergriffe auf Pferde, wobei stets der Wolf als Täter infrage kam.

Für Lutz Grimm steht nur eines definitiv fest: Seine Stute ist tot. Die Trauer hält an. Von seinen Kutschfahrten würde er sich aber ohnehin durch nichts abbringen lassen.

Von Matthias Anke

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