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Wusterhausens Mann für alle Fälle

Kulturzentrum Dosse-Halle Wusterhausens Mann für alle Fälle

Stefanie Hertel, Bernhard Brink, Ute Freudenberg, Nicole, Tony Marshall: Sie alle hatte er bei sich und viele mehr. Doch nun wird für Günther Lenz 2016 das letzte Jahr als Wart der „Dosse-Halle“ in Wusterhausen. Ein Nachfolger wird allerdings nicht allein für dieses Objekt gesucht, in dem sich zuletzt auch Gregor Gysi und Friedrich Schorlemmer die Ehre gaben.

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Immer gut drauf, dabei aber konsequent: Hallenwart Günther Lenz wird seinem Nachfolger übergeben, was man ein „gut bestelltes Haus“ nennt.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Wusterhausen. Die Rathaustür ist zu. Wer jetzt was will, muss sich gedulden. Keiner da bis nach Neujahr. Das verkündet ein Schild am Eingang. In den Verwaltungen dauert die Feiertagsruhe eben ein bisschen länger. Kein Problem. Wer wirklich was zu sagen hat, schreibt es eben auf. „Sie glauben gar nicht, wie viele das sind. Der Briefkasten war heute wieder voll bis zum Rand“, sagt der einzige Beschäftigte, der in Wusterhausen da ist: Günther Lenz. Er ist es gewohnt, alle Kalendertage gleich anzugehen. „Ich arbeite gern“, versichert der 62-Jährige. Das ist die Einstellung, die ihn in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu dem machte, was so eine Kommune wie Wusterhausen braucht – einen Mann für alle Fälle.

Alt-Bürgermeister Peter Wollert muss genau gewusst haben, wen er suchte, als er sich schon beim Bau der „Dosse-Halle“ Mitte der 1990er Jahre den passenden Hausmeister ausguckte. Die korrekte Berufsbezeichnung ist Hallenwart, aber so eine Halle braucht wahrlich einen Meister fürs Haus. Wollert stellte den gelernten Agrotechniker aus Lögow ein. Der verfolgte schon ab dem Sommer 1997 gespannt, wie sein neuer Arbeitsplatz wuchs. Die Sporthalle, errichtet auf 130 in den Boden gerammte Betonpfählen, schuf endlich Raum für Schulsport und gepflegten Freizeitspaß unterm Dach. Das Projekt stammt aus der Partnerstadt Edewecht.

Den Namen „Dosse-Halle“ suchten 1997 MAZ-Leser aus

Den Namen „Dosse-Halle“ suchten 1997 MAZ-Leser aus. Die Tanne an der Vorderfront pflanzte Günther Lenz vor 18 Jahren.

Quelle: Wolfgang Hörmann

„So was hier hin zu bauen, wäre heute gar nicht mehr drin“, mutmaßt Günther Lenz. „Das war weitsichtig.“ Auf seinen damaligen Chef lässt er sowieso nichts kommen. „Wollert wusste immer genau, was er wollte. Und er war verlässlich. Wenn der mir am 1. Januar für den 31. Dezember was versprach, dann galt das auch noch am Silvestertag.“ Auf alle Fälle wusste der Rathauschef mit der unvermeidlichen Fliege am Hemdkragen, was er an seinem Hallenwart besaß.

Eine veränderte Planung cancelte die damals zunächst geplante Gaststätte an der vorderen Giebelseite der Halle – natürlich mit Hintergedanken. Hier sollte nämlich die Wohnung für Familie Lenz entstehen. So war der frisch gebackene Herrscher über Matten und Bälle, Tore und Netze aber auch über 600 Stühle, 70 Tische und 900 Quadratmeter Platten-Auslegware stets vor Ort.

Für einen Ausschank im Foyer blieb Platz. Günther Lenz bekam die beantragte Gewerbeerlaubnis. Deshalb darf er auch bei Kultur in der Halle Bratwurst, Bier und Kuchen nebst passenden Getränken verkaufen. Bis heute ist das so. An Urlaubsreisen in den vergangenen 18 Jahren kann sich der Mann mit den geschickten Händen nicht erinnern. Ohnehin: Da sind ja noch die Schule und Kindertagesstätte gleich nebenan zu betreuen, der Sportplatz der Grundschule, die Kitas in Lögow und Nackel inklusive Rasenmähen. Lenz kümmert sich auch um die Wohnmobilisten. In der Spitze machten mal 18 gleichzeitig Station. Zudem vermietet er im Auftrag der Gemeinde die kleine Turnhalle, renoviert mal hier, klebt Fliesen mal da. Wenn er kann, repariert er. Und wenn nicht, dann sorgt er dafür, dass möglichst nichts kaputt geht. Es ist noch nicht lange her, da gab es vor Ort ein Wiedersehen mit zwei Fachmännern, die einst den Sportboden in der Dosse-Halle verlegt hatten. Nach einer kleinen Besichtigungstour hoben sie den Daumen.

Er pflegt die Halle wie sein Wohnzimmer

Dass an der Dosse alles tipp-topp geblieben ist, liegt daran, dass der Hallenwart die Sportstätte am liebsten so behandelt sehen will wie sein Wohnzimmer. Dafür tut er alles: mit Wischeimer, Wasser, Werkzeug – aber auch mit gesunder Strenge. Da kann es schon mal passieren, dass eine Ehefrau vom Bürgermeister aus der Nachbarstadt, die nur mal eben zu ihrem Gatten in die Halle stöckeln will, zurückgepfiffen wird. „So was gibt’s nicht bei mir. Sportschuhe sind Pflicht. Auf Socken geht auch, zur Not barfuß. Und das gilt für alle, mir egal, wer das ist.“

Der Mann, der das Sagen hat, weiß dabei auch „seine“ Vereine hinter sich: die Tischtennisspieler, großen und kleinen Kicker, Reha-Sportler oder Taek-Won-do-Kämpfer und Volleyballer. Das Leben hat den Mann für alle Fälle gelehrt, dass man Verbündete braucht, wenn man als Einzelkämpfer am Start ist. Da sind zum Beispiel die helfenden Hände von Detlef Schacklies gefragt, wenn aus der Sport- eine halbwegs gemütliche Kulturhalle werden muss. „Für das Verlegen der Platten, die unseren Sportboden schützen, und für die komplette Bestuhlung muss ich sieben Stunden einplanen. Wenn alles liegt und steht, dann merk’ ich es im Kreuz.“

Als Entschädigung gibt es dafür aber auch interessante Begegnungen mit Künstlern, denen Hallenwart Günther sonst nie so nahe kommen würde. Stefanie Hertel gastierte sechsmal in Wusterhausen und kommt „immer wieder gerne“, wie sie dem dicken Gästebuch verriet. Bernhard Brink ließ ebenso einen lieben Gruß da, wie Ute Freudenberg und Nicole. Tony Marshall, den unermüdlichen Frager seiner „schönen Maid“, ob sie „heut’ für ihn Zeit“ hätte, will Wusterhausen gar als „Kultur-Metropole Brandenburgs“ erkannt haben. Darüber schmunzelt selbst Günther Lenz. Vielleicht denkt er dabei an ein paar nette Episoden mit Stars und Sternchen. Wer Details wissen will, müsste Gedanken lesen können. Lenz schweigt.

Seine Zukunft ist inzwischen ein öffentliches Thema. Die Stelle des Hallenwartes ist neu ausgeschrieben worden. Günther Lenz wird im August 63 und hört Ende Oktober auf. Mit Ehefrau Madeleine wird er Wusterhausen verlassen. Die beiden zieht es in die Nähe der drei erwachsenen Töchter.

Von Wolfgang Hörmann

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