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Zaatzke: Fredi und die Flaschenbande

Schafzucht Zaatzke: Fredi und die Flaschenbande

In Zaatzke hält der Züchter Johannes Koch rund 800 Schafe in Koppelhaltung. Naturnahe Lebensbedingungen für die Tiere, Impfprogramme und viel Aufmerksamkeit sorgen dabei für gute Zuchterfolge, selbst die Wolle vermarktet Koch gewinnbringend. Dabei wird kein Tier übersehen – auch mutterlose Lämmer nicht, die Fred Galler mit der Flasche großzieht.

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Das Flaschenschaf hat Fred Galler gleich wieder erkannt.

Quelle: Claudia Bihler

Zaatzke. Ein bisschen versucht Johannes Koch aus Zaatzke die Erwartungen schon zu dämpfen: „Es ist ja schon fünf Wochen her, ich glaube nicht, dass sie noch kommen, sie haben sich ja schon an ihr wildes Leben gewöhnt...“, sagt der Schafzüchter. Die Herde umfasst derzeit 800 Tiere, Mutterschafe, Lämmer und irgendwo dort draußen auch ein einzelnes schwarzes Schaf. Das verbirgt sich zwar an diesem Tag irgendwo auf den weitläufigen Koppeln.

Doch unter all den 800 Tieren hat Fred Galler sozusagen im Handumdrehen seinen Flaschenzögling ausgemacht. Das Auto hält, Fred steigt aus und lässt einen leisen Pfiff hören. Auf dem schattigen Hügel am Waldrand lauschen ein paar Ohren, dann löst sich das kleinste Lamm aus der Herde und trappelt auf kleinen Hufen zu seinem Retter. Der strahlt über das ganze Gesicht: „Ich wusste es doch, dass es mich erkennt.“ Auch Johannes Koch freut sich – schließlich weiß er genau, wie sich sein Mitarbeiter um jene Lämmer kümmert, deren Mütter sie aus dem einen oder anderen Grund nicht versorgen können. Fred Galler füttert die Tiere mit der Flasche – und die vergessen es ihm offensichtlich nicht.

Die Zaatzker  Schafe finden beste Haltungsbedingungen vor, darunter ein kleines schattenspendendes Waldstück

Die Zaatzker Schafe finden beste Haltungsbedingungen vor, darunter ein kleines schattenspendendes Waldstück.

Quelle: Claudia Bihler

Dass das Lamm nun auch noch den Namen Herzchen trägt, ist ein weiteres Detail der Geschichte – bei den Sortier-Markierungen, die jedes der 800 Tiere trägt, ist der vorgesehene rote Punkt zu einer Herzchenform geraten - das Lamm hatte seinen Namen weg.

Texelschafe mit diversen Einkreuzungen züchtet Johannes Koch. Die Tiere werden in Zaatzke stationär auf Koppeln gehalten: „Herumziehen wäre nichts für mich. Und in Großbritannien werden die Tiere auch oft so gehalten.“

Drei Viertel des Jahres stehen die Tiere draußen. Im Februar geht’s rein in die Ställe, dann werden die Vierbeiner bei der Schur von ihrem dichten Vlies befreit. Sie bleiben dann auch bis zum Frühjahr im warmem Stall. Koch: „Wir möchten lieber, dass sie im Stall ablammen“, sagt der Züchter, „so dass wir das unter Kontrolle behalten können.“ Die Geburtenrate bei den Schafen ist hoch, höher als üblicherweise. Bis zu 30 Prozent der Muttertiere erleiden bei Schafen sonst oft seuchenartig Frühgeburten. Bei Koch wird deswegen ein Impfprogramm durchgeführt, das solche Aborte möglichst vermeiden soll. Wert legt er auch auf eine artgerechte Haltung . Und so können sich die Tiere bei starkem Sonnenschein beispielsweise in ein kleines Waldstück zurückziehen, was sie während der Sommermonate auch gerne tun. Koch ist von den Erfolgen seines Hofes überzeugt: „Wir sind gut, und wir wollen immer besser werden.“

Während der Züchter gute Tiere für die eigene Zucht behält, verkauft er andere etwa an Berliner Gastronomen: „Meist an Häuser der gehobenen Gastronomie.“ Und selbst die Wolle kann er nach wie vor vermarkten, sogar mit einem kleinen Gewinn. Dann erklärt Koch mit einem Schmunzeln die Globalisierung: „Wir schicken die Rohwolle nach China. Und nachdem die Leute sie dort verstrickt haben, können die Wittstocker sie als fertige Socken wieder kaufen.“ Einmal wollte ein Düngemittelhersteller die Wolle aufkaufen, um sie als Dünger zu verarbeiten: „Das habe ich kategorisch abgelehnt.“

 Johannes Koch in Zaatzke mit seinen Bordercollies

Johannes Koch in Zaatzke mit seinen Bordercollies: Percy (14, links) und Jack (4) .

Quelle: Claudia Bihler

Auch, wenn die Schafe fast unmittelbar hinter dem Hof der Kochs stehen, ist der Züchter immer dann auf die Hilfe seiner Hunde angewiesen, wenn sie für den einen oder anderen Zweck von Weide zu Weide oder in ein Gatter getrieben werden müssen. Aber eigentlich müsste statt „Hunde“ hier eigentlich „Hund“ stehen, denn der vierjährige Bordercollie Jack muss die Arbeit inzwischen alleine erledigen, für die er eine entsprechende Ausbildung genossen hat.

Percy, inzwischen 14 Jahre alt, ist heute in Rente. Und deren Beginn hat er selbst festgelegt. Johannes Koch hat zwar großen Wert auf die Unterstützung des Rüden Percy gelegt. Dennoch schwingt deutliche Bewunderung in seiner Stimme mit, wenn er erzählt, wie das damals war, als Percy in den Ruhestand ging.

„Wir waren draußen und wollten die Tiere auf eine andere Koppel treiben“, sagt er. „Percy war zunächst mit dabei, dann hat er sich plötzlich umgedreht und ist ganz allein zurück auf den Hof gelaufen. Seit diesem Tag hat er nie wieder ein Schaf auch nur angeschaut.“

Von Claudia Bihler

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