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Ostprignitz-Ruppin In der Prignitz nur geduldet
Lokales Ostprignitz-Ruppin In der Prignitz nur geduldet
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15:34 12.08.2014
Zwei afghanische Familie in Wittenberge. Sie gehören zu den 241 Asylbewerbern, die gegenwärtig im Landkreis Prignitz leben. Quelle: A. König
Perleberg

Asylbewerber in der Prignitz hatten es nie besonders leicht. Andererseits gab es im Landkreis auch weniger Angriffe auf Asylbewerber als anderswo. Jahrelang war die Zahl der Asylbewerber rückläufig. Das lag nicht unbedingt daran, dass die Welt außerhalb Deutschlands oder Europas sicherer geworden wäre, sondern auch an der rigiden Ausländerpolitik der Bundesregierung. Inzwischen hat sich beides verändert. Die Welt außerhalb der relativen Sicherheit Deutschlands und der Europäischen Union ist instabiler denn je, innenpolitisch hingegen findet der Ruf nach Deutschland als einem Zuwanderungsland verstärkt Gehör. Krisenherde wie in Syrien, Libyen, Afghanistan oder jüngst im Nahen Osten sowie in der Ukraine treiben die Menschen scharenweise aus ihren Heimatländern. Fast alle deutschen Kommunen müssen wieder mehr Asylbewerber aufnehmen.

"Wir als Landkreis Prignitz haben eigentlich eine Sonderstellung, weil wir die Asylbewerber seit Jahren in Wohnungen unterbringen. Das ist eigentlich so, wie es das Land Brandenburg vorgibt", sagt Corina Bade-Dahms. Als Sachbereichsleiterin für Hilfe zum Lebensunterhalt beim Landkreis Prignitz ist sie auch für den Lebensunterhalt der Asylbewerber zuständig.

Unterbringung in "ganz normalen Wohnungen"

Die Landkreise erhalten zum Anfang eines jeden Jahres Quotenvorgaben, wie viele Asylbewerber sie aufnehmen müssen. "Im Januar lautete die Vorgabe noch 144, wobei wir noch 24 wegen der besagten Quote abziehen konnten", sagt Corina Bade-Dahms. Mitte Juni kam dann die Neuregelung. 175 Asylbewerber sollte die Prignitz aufnehmen.

Untergebracht werden die Asylsuchenden in "ganz normalen Wohnungen", wie die Sachbereichsleiterin versichert. Allerdings tritt nicht der Kreis als Vermieter auf, sondern die Arbeiterwohlfahrt (Awo). Insgesamt 62 Wohnungen für Asylbewerber gibt es. Der Gedanke dahinter ist einleuchtend. Einerseits soll Tendenzen zur Ghettobildung entgegengewirkt werden, andererseits hoffen die Verantwortlichen auf eine einfachere Integration der Asylsuchenden.

Im Vergleich zu den schlimmeren Zuständen im früheren zentralen Asylbewerberheim am Eichhölzer Weg in Perleberg ist das allemal eine Verbesserung. Doch frei auswählen dürfen Asylbewerber "in der Gestattung", wie ihr rechtlicher Status genannt wird, weder Aufenthaltsort noch Wohnung. Immerhin dürfen sie laut Aufenthaltsgesetz eine "Verlassenserlaubnis" beantragen, wie eine Mitarbeiterin der Ausländerbehörde beim Landkreis Prignitz erklärt. Mit diesem, im Volksmund Urlaubsschein genannten Formular dürfen Asylbewerber zum Beispiel Freunde und Bekannte besuchen, die es in Gegenden außerhalb von Berlin und Brandenburg verschlagen hat. Hier immerhin dürfen sie sich ohne besondere Erlaubnis aufhalten.

Urlaub nur auf Antrag

Eine Arbeit aufnehmen dürfen sie hingegen nicht. Diese Möglichkeit haben die Asylbewerber erst, wenn sie das Bleiberecht ausgesprochen bekommen. Dafür zuständig ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Berlin. Im Durchschnitt warten die Asylbewerber mehr als zwei Jahre auf das Bleiberecht. Selbst wenn sie diese Hürde geschafft haben, gilt dieser Bescheid nur zwei Jahre lang. Dann muss das Bleiberecht erneut beantragt werden. Bis Asylbewerber die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen können, müssen sie mindestens acht Jahre in Deutschland gelebt haben. Im Falle der Asylbewerber kann das bedeuten, viermal das Bleiberecht zu beantragen, jedes Mal mit ungewissem Ausgang, um dann den nächsten Antrag stellen zu dürfen.

"Bei Kriegsflüchtlingen ist das jedoch anders", schränkt Corina Bade-Dahms ein. Für diese Menschen errichtet der deutsche Staat nicht ganz so hohe Hürden. "Sie dürfen eine Arbeit aufnehmen und auch ihren Aufenthaltsort frei wählen", erklärt die Sachbereichsleiterin. Derzeit leben drei syrische Familien mit insgesamt elf Personen in der Prignitz. Sie gehören zu den 5000 Kriegsflüchtlingen, die aufzunehmen sich die Bundesrepublik bereiterklärt hat.

Der vorhandene Wohnraum dürfte kaum reichen

Es kann durchaus sein, dass die instabile Lage in Osteuropa weitere Menschen aus ihren Heimatländern nach Deutschland treibt. "Wir merken das daran, dass verstärkt Besuchervisa aus der Ukraine beantragt werden", sagt die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde. Längstens drei Monate darf man mit solch einem Dokument in Deutschland bleiben.

241 Asylbewerber leben in der Prignitz. Schwerpunkte sind Wittenberge, wo die Awo 30 Wohnungen für Asylbewerber gemietet hat, und Perleberg. Dort gibt es 28 Wohnungen. Weitere vier stehen in Pritzwalk zur Verfügung. Corina Bade-Dahms rechnet bis Jahresende mit weiteren 80 Asylbewerbern. Die vorhandenen Wohnungen dürften für diese Menschen kaum reichen. Wo werden sie untergebracht? "Darum kümmert sich die Awo. Sie mietet Wohnungen nach Bedarf an", erklärt die Sachgebietsleiterin.

Syrische Flüchtlinge haben einen Sonderstatus

Die syrischen Kriegsflüchtlinge in Karstädt kamen in gesonderten Wohnungen unter. "Der Bürgermeister der Gemeinde Karstädt, Udo Staeck, hatte sich bereiterklärt, Flüchtlinge aufzunehmen", sagt Corina Bade-Dahms.

"Es ist ein Gebot der Nächstenliebe, Menschen in Not zu helfen", sagt der Bürgermeister Udo Staeck. In Karstädt sehen das jedoch nicht alle so. Kaum, dass die Syrer eingezogen waren, standen bereits ausländerfeindliche Parolen an den Häuserwänden.

Von Andreas König

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