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Ostprignitz-Ruppin Zechliner Lutherbibel von 1618 ist restauriert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Zechliner Lutherbibel von 1618 ist restauriert
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08:40 11.06.2013
Der Dorf Zechliner Pfarrer Jann Branding nahm die restaurierte Bibel von Restaurator Claus Schade in Empfang.  Quelle: JÜRGEN RAMMELT
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DORF ZECHLIN

ann Branding traute seinen Augen am Sonntag kaum: Am Ende des Gottesdienstes in der Kirche von Dorf Zechlin standen drei Leute auf, um dem Zechliner Pfarrer etwas zu überreichen: Die frisch restaurierte Lutherbibel der Gemeinde von 1618. Restaurator Claus Schade aus Berlin und das Ehepaar Sigrid und Hartmut Köhler aus Birkenwerder (Oberhavel) gaben es dem Pfarrer zurück – und der musste sich erstmal sammeln, so überrascht war er. Bisher hatte man ihm gesagt, dass es noch dauern würde, bis die Bibel zurückkommt. „Das war so eine ergreifende Situation“, sagt Hartmut Köhler.

Den Übergabetermin hatten er und seine Frau mit Bedacht ausgewählt: Jann Branding ist genau zehn Jahre als Pfarrer des Zechliner Lands im Amt. „Es war schön, ihm zu diesem Jubiläum so eine Freude zu machen.“ Das Ehepaar hat viel zur Restaurierung der Bibel beigetragen. 2010 lasen sie in der Zeitung einen Artikel über das Pfarrhaus von Dorf Zechlin und dessen wertvolle Bücherbestände. Gerade für Sigrid Köhler war klar, dass sie das sehen wollte – sie ist studierte Archivarin. Also fuhr sie mit ihrem Mann hin und ließ sich von Jann Branding die Bücher zeigen. „Damit begann eine gute Freundschaft“, sagt Hartmut Köhler, es blieb nicht bei diesem Besuch. Irgendwann erwähnte der Pfarrer, dass er die Bibel gern restaurieren lassen würde. Sie war in einem beklagenswerten Zustand. Auf ihr saß der Dreck von 400 Jahren, außerdem fehlten die ersten 50 Seiten. Sie waren herausgeschnitten worden, nur Reste waren übrig. Sigrid Köhler suchte daraufhin nach einer Firma, die sich dem alten Buch annehmen konnte – und fand die Werkstatt von Claus Schade in Berlin.

Seit Anfang des Jahres haben er und seine Mitarbeiter sich um das alte Buch gekümmert. Sorgfältig haben sie Seite für Seite gereinigt und gewässert, haben die zerschnittenen Seiten sortiert. 12 000 Euro hat die Kirchengemeinde Zechliner Land in das Projekt investiert, teils aus dem Kirchenetat, teils aus Spenden (die MAZ berichtete). Die Restaurierung sei zwar nicht kompliziert, aber aufwendig gewesen, erzählt Claus Schade. Etwa 150 Arbeitsstunden haben er und seine Leute investiert. „Das ist die Monatsarbeitszeit eines normalen Arbeitnehmers.“

Besonders zeitraubend war es, herauszufinden, wie die fehlenden Seiten aussahen. Das Alte Testament hat viele Bücher, und nicht in allen Bibeln waren sie damals in der gleichen Reihenfolge angeordnet. Das mussten die Restauratoren erst aus den Seitenresten im Buchrücken herausarbeiten. Klar ist: Die Bibel ist wirklich etwas Besonderes. Derzeit geht Claus Schade davon aus, dass die Dorf Zechliner Bibel eines von nur drei erhaltenen Exemplaren ihrer Auflage ist. Ein weiteres liegt in Halle (Saale), das dritte ist wohl in Privatbesitz. Wie hoch die Auflage 1618 allerdings war, weiß auch Claus Schade nicht. Er hat zudem eine Vermutung, wann die ersten Seiten herausgeschnitten wurden: Wahrscheinlich war es 1945, von sowjetischen Soldaten als Zigarettenpapier. „Der Umgang mit heiligen Schriften war damals drittklassig“, sagt Schade. Außerdem hätten die unterernährten Rotarmisten so ziemlich jedes Papier zum Zigarettendrehen verwendet, selbst das aus ihren eigenen Erkennungsmarken. Die bestanden nicht aus Metall sondern aus einem Stück Papier in einer Tonröhre.

Eine Beschädigung der Bibel durch Soldaten des 30-jährigen Krieges hält Schade für unwahrscheinlich. „Die hätten das Buch ganz zerstört.“ Auch die glatten Schnittkanten ließen eher auf das 20. Jahrhundert schließen. Ein letzter Beweis ist das aber nicht.

Nun ist die Bibel zurück in Dorf Zechlin – und Claus Schade und Hartmut Köhler waren am Sonntag nicht nur von der Reaktion von Jann Branding beeindruckt. Auch die Kirchgänger seien sehr interessiert gewesen, sagt Schade. Für ihn eine seltene Erfahrung, denn normalerweise sind nur zwei, drei Leute dabei, wenn er alte Bücher zurückgibt. Dass Interesse findet er gut – schließlich hat die Gemeinde eine Menge Geld in die Restaurierung gesteckt.  (Carsten Schäfer und Jürgen Rammelt)

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