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Zeit, am Rädchen zu drehen

Sommerzeit in Prignitz und Ruppin Zeit, am Rädchen zu drehen

Ob ferngesteuert über eine Atomuhr oder klassisch mit der Hand werden Sonntagfrüh wieder tausende Uhren in Prignitz und Ruppin auf Sommerzeit umgestellt. Während viele lässig auf die Funkuhr vertrauen, haben zum Beispiel Uhrmacher alle Hände voll zu tun. Allerdings bringt die Zeitumstellung für das Geschäft auch Vorteile mit sich, weiß der Wittstocker Uhrmacher Detlef Beuß.

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Der Wittstocker Uhrmacher Detlef Beuß und sein Team müssen im Laden über 400 Uhren umstellen.

Quelle: Christian Bark

Wittstock/Wittenberge. Mehr als 200 Stufen muss Ralf von Hagen erklimmen, wenn er zum Uhrenwerk im Wasserturm des ehemaligen Nähmaschinenwerks Wittenberge gelangen will. „Das geschieht im Jahr höchst selten, außer, wenn mit der Uhr mal was nicht stimmt“, sagt von Hagen, der seit 16 Jahren das mittlerweile als Industriepark genutzte Werksgelände verwaltet. Dann sehe er selber nach dem Rechten oder informiere eine Wartungsfirma, die sich darum kümmere, dass Kontinentaleuropas größte freistehende Turmuhr wieder präzise läuft.

„Früher gab es im Verwaltungsgebäude zwei Standuhren“, informiert von Hagen. Die hätten dann elektrische Impulse an die Turmuhr geschickt, worauf diese ihre vier 3,30 Meter langen Zeiger eine Minute weiterstellte. Seit 1994 laufe das ferngesteuert über die Atomuhr des Physikalischen Instituts Braunschweig. Übrigens auch die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit, die am Ostersonntag erfolgt. „Gut 20 Minuten braucht die Uhr, um eine Stunde vorzulaufen“, erklärt von Hagen. Dazu käme dann noch der Zeitverzug für die benötigte Umstellung. Schneller gehe es nicht, sonst wüsste die Zentraluhr nicht mehr, wo sie stehe. Im umgekehrten Fall, also von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit, bleibt die Uhr von Hagen zufolge einfach eine Stunde lang stehen.

Ralf von Hagen muss die Turmuhr in Wittenberge nicht selbst auf Sommerzeit vorstellen

Ralf von Hagen muss die Turmuhr in Wittenberge nicht selbst auf Sommerzeit vorstellen. Das geht automatisch.

Quelle: Christian Bark

Sorgen darüber, dass die gewaltigen Uhren am Turm mal nicht präzise laufen könnten, muss sich von Hagen nicht machen, wie er sagt. „Die Wittenberger melden sich schon bei mir, wenn mit ’ihrer Uhr’ mal was nicht stimmt“, berichtet er.

Dass mit seinen Uhren alles stimmt, dafür muss Uhrmacher Detlef Beuß in Wittstock schon im Voraus sorgen. „Mein Team und ich drehen die meisten Uhren im Geschäft schon am Donnerstag auf Sommerzeit“, sagt er. Das sei dem Osterwochenende geschuldet, das in diesem Jahr mit der Zeitumstellung zusammenfalle. Er hat am Samstag noch drei Stunden geöffnet, aber da schafft er es alleine nicht, die gut 400 Uhren umzustellen. Zwar sei dieser Akt jedes Jahr immer mit viel Mühe verbunden, aber der Aufwand habe auch etwas Gutes, sagt Beuß. „So können wir die Geräte auf ihre Funktion checken.“

Uhrmachermeister Beuß hat jetzt besonders viel Kundschaft

Und noch einen Vorteil hat die Zeitumstellung für sein Geschäft. „Gerade vor oder nach der Zeitumstellung kommen besonders viele Kunden zu mir“, so Beuß. Diesen helfe er dann, die Uhr auf die richtige Zeit zu stellen, wenn sie es nicht selbst können – als kostenloser Service verstehe sich. „Das ist wichtig, damit die Kunden mir treu bleiben“, erklärt der Uhrmacher. Auch kämen die Leute, wenn die Zeitumstellung bei Funkuhren nicht funktioniert habe oder beim Zeigerdrehen der Stift abgebrochen sei.

Entgegen dem bundesdeutschen Trend, der Zeitumstellung immer skeptischer gegenüberzustehen, stört Beuß die Stunde weniger im Frühling nicht. „Dafür ist es dann länger hell“, freut er sich. Und er könne auch nach Ladenschluss noch ohne Kopflampe durch Wittstock joggen.

Neben den Uhren im Geschäft und den knapp 20 Uhren daheim ist Beuß noch für weitere Zeitanzeiger zuständig, nämlich jene an öffentlichen Gebäuden in der Dossestadt und Umgebung.

„Sonntagfrüh muss ich die Rathausturmuhr umstellen“, blickt Beuß voraus. Für gewöhnlich auch die der Marienkirche, aber die sei ja derzeit defekt. Um eine weitere Uhr am Rathaus braucht sich der Uhrmacher jedoch nicht zu kümmern: Die am hinteren Durchgang seit Jahrzehnten geräuschlos tickende Sonnenuhr. „Um hier eine Zeitumstellung vorzunehmen, müsste man das Ziffernblatt auswechseln oder drehen“, erklärt Beuß. Das sei aber zu aufwendig.

Leonie Trotzeck ist froh, dass sich ihr Smartphone selbstständig umstellt

Leonie Trotzeck ist froh, dass sich ihr Smartphone selbstständig umstellt.

Quelle: Christian Bark

Mit wenig Aufwand kommt auch die zehnjährige Leonie Trotzeck aus Wittstock aus. Sie muss ihre Armbanduhr am Sonntag nicht von zwei auf drei Uhr stellen – sie hat gar keine Armbanduhr. Da verlässt sie sich lieber auf ihr Smartphone, wie sie sagt. „Das stellt sich automatisch um, ich brauche gar nichts zu machen“, freut sich die Schülerin. Ihre Mutter habe es da nicht ganz so einfach, sie trage nämlich noch eine Uhr am Arm.

Von Christian Bark

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