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Ostprignitz-Ruppin Zeitfenster ins Kyritzer Mittelalter geöffnet
Lokales Ostprignitz-Ruppin Zeitfenster ins Kyritzer Mittelalter geöffnet
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18:50 02.05.2016
Die Archäologin Kerstin Geßner zeichnet alle Befunde. Als dunkler Streifen gut zu erkennen: Die mittelalterliche Kulturschicht. Quelle: André Reichel
Kyritz

Kaum haben die Bauarbeiten des ersten Bauabschnittes in der Johann-Sebastian-Bach-Straße in Kyritz begonnen, sind auch schon die Archäologen fündig geworden. Wirklich überrascht waren darüber gewiss weder die Verantwortlichen aus dem Kyritzer Bauamt, noch die beauftragte Wittstocker Tiefbaufirma und schon gar nicht die Archäologen.

„Im Kern einer im Mittelalter gegründeten Stadt ist es ganz normal, überall im Boden auf entsprechende Spuren zu stoßen“, sagte dazu die Archäologin Kerstin Geßner, die gemeinsam mit ihren Kollegen Annett Dittrich und Boris Freytag die Baustelle archäologisch begleitet und dokumentiert.

Müll, der einst auf die Straße geworfen wurde, findet heute Beachtung

Nur wenige Zentimeter unter dem Straßenpflaster des 19. Jahrhunderts deckten die Archäologen die ersten Schichten auf. Darin Keramikreste aus der Barockzeit und gleich darunter in 80 Zentimeter Tiefe, als dunkle Verfärbung im Boden gut erkennbar, eine mittelalterliche Schicht. Darin fanden die Archäologen viele Tierknochen, die die früheren Kyritzer einst achtlos auf die Straße warfen. „Eine Müllabfuhr gab es damals nicht. Da hat man alles einfach vor seinem Haus auf die Straße gekippt“, erklärte Kerstin Geßner.

Eine verzierte Scherbe aus dem Mittelalter. Quelle: André Reichel

Nicht anders verhält es sich mit den vielen typisch graublauen mittelalterlichen Keramikresten. Doch der Müll von einst hilft heute den Fachleuten diese Schichten genauestens zu datieren. Unter den unscheinbaren blaugrauen Keramikscherben, die nach gut 700 Jahren nun wieder ans Tageslicht gelangten, ist auch ein ganz seltenes Stück mit einer Rollrädchenverzierung dabei. „So etwas findet man nicht alle Tage“, berichtete die Archäologin Annett Dittrich.

Jeder Fund wird genau erfasst. Quelle: André Reichel

Derweil beobachtete nur ein paar Meter weiter Boris Freytag mit geübtem Blick, wie sich die Baggerschaufel vorsichtig immer tiefer ins Erdreich gräbt. Dann plötzlich entdeckte der Archäologe in nicht einmal einem Meter Tiefe einen dicken Balken. Vorsichtig legte Boris Freytag das feuchte und fragile Holz mit seinem Werkzeug frei. Das es noch so verhältnismäßig gut erhalten ist, verblüffte die Fachleute so einigermaßen. „Normalerweise bleibt Holz nur in feuchtem Milieu in größerer Tiefe so gut erhalten“, sagte Boris Freytag. Über die Funktion des Balkens können die Archäologen vorerst nur spekulieren. „Vielleicht ist es eine Art Bordsteinkante eines mittelalterlichen Weges“, sagte Boris Freytag, der derartige Befunde in einer anderen brandenburgischen Stadt schon mal gemacht hat. Weitere Untersuchungen bringen dabei eventuell Klarheit.

Von André Reichel

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