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Zeitreise bis zu den alten Pharaonen

Vortrag zur Buchgeschichte in Wittstock Zeitreise bis zu den alten Pharaonen

Was von antiken Hieroglyphen noch in unserem heutigen Alltag Verwendung findet und woher das erste Papier kam, darüber informierte der Berliner Kulturwissenschaftler Olaf Thomsen am Donnerstag in Wittstock. In der Bibliothek referierte er unterhaltsam über die Geschichte der Schrift und des Buches und hatte allerhand Überraschendes fürs Publikum in petto.

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600 Temposünder im Nordwesten

Rund eine halbe Million Papyrusrollen haben Archäologen auf der Welt entdeckt. Das Wittstocker Publikum durfte auf Tuchfühlung mit dem feinen Beschreibmaterial gehen.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Um die Geschichte des Buches von ihren Ursprüngen an zu beleuchten, nahm der Berliner Kulturwissenschaftler Olaf Thomsen das Publikum während seines Vortrags am Donnerstagabend in der Wittstocker Bibliothek mit in eine Jahrtausende zurückliegende Zeit. „Da müssen wir mindestens 50 Uromas rückwärts gehen und landen im alten Ägypten“, erklärte Thomsen, der in der rund 90- minütigen Veranstaltung stets zu Scherzen und amüsanten Anekdoten aufgelegt war.

Olaf Thomsen zeigte auch unsere heutigen Hieroglyphen, wie sie in der Bild- und Zeichensprache vorkommen

Olaf Thomsen zeigte auch unsere heutigen Hieroglyphen, wie sie in der Bild- und Zeichensprache vorkommen.

Quelle: Christian Bark

Dann erklärte er die anfänglichen Probleme moderner Wissenschaft, die bis zu 5000 Jahre alten Hieroglyphen der Ägypter entschlüsseln zu können. „Über unsere Verkehrsschilder werden in 1000 Jahren vielleicht auch Doktorarbeiten geschrieben“, verwies Thomsen auf unsere heutige Bildschrift, die jedoch vielfältiger und damit immer unübersichtlicher werde. Natürlich finde man den Ursprung schriftlicher Zeichen bereits in 30 000 Jahre alten steinzeitlichen Höhlen, jedoch seien Wissenschaftler bis heute noch am Rätseln, was viele dieser Botschaften überhaupt zu bedeuten hatten.

Über antike Keilschrifttafeln bis hin zu Papyrusrollen finden sich dem Kulturwissenschaftler zufolge noch heute zahlreiche Schriftzeugnisse längst vergangener Epochen. Und das könne nur ein Bruchteil dessen sein, was es gab oder vielleicht noch verborgen ist. „Babylon ist nur zu einem Sechzigstel ausgegraben“, informierte er. Antike Stätten im Nahen Osten hielten also noch einige Geheimnisse für uns bereit. Wenn sie nicht vorher vom Islamischen Staat verscherbelt würden, damit die Terroristen so ihre Waffen finanzieren könnten. Zur Veranschaulichung hatte Thomsen eine Reihe an Materialien mit nach Wittstock gebracht, welche auch durch die Reihen des Publikums gingen und genauer studiert werden konnten.

Das Papier wurde vor 2000 Jahren in China erfunden

Das Papier wurde vor 2000 Jahren in China erfunden. Thomsen ließ eine Rolle rumgehen.

Quelle: Christian Bark

Von Papyrusrollen, dem ersten aus China stammenden Papier, was laut Publikum eher einer Raufasertapete glich, bis hin zu den Büchern der Maya. Deren Schreibstoff sei aus gehämmerter Baumrinde entstanden und in einer Ordnung ähnlich heutiger Landkarten zusammengefügt worden. „Die Spanier haben fast alles vernichtet“, sagte Thomsen. Weltweit gebe es nur noch vier originale Mayabücher.

Im mittelalterlichen Europa wurden die noch handschriftlich gefertigten Bücher zumeist auf Pergament geschrieben. „Für ein Buch musste manchmal eine ganze Ziegenherde sterben“, erklärte Thomsen. Denn das Material sei aus Tierhaut gefertigt worden.

Revolutionär sei dann der Buchdruck mit beweglichen Lettern um 1450 gewesen. Damals wurde schon auf Papier gedruckt, jedoch wurden zahlreiche Schablonen wiederverwendet oder sich ganze Bildnisse ausgedacht. „Und heute denken wir, der Bischof habe mal so ausgesehen“, so Thomsen.

Von Christian Bark

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