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Zersägt und konserviert

Neuruppin Zersägt und konserviert

Der Stadtgarten in Neuruppin , in dem sonst Menschen Konzerte erleben, war an diesem Wochenende den Toten vorbehalten. Die Ausstellung „Körper – Die Lehre der Toten“ wollte anatomisches Wissen an die Besucher weitergeben.

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Ausstellungsbetreuer Thomas Müller (2.v.l.) weist am „Scheibenmensch“ auf körperliche Abnormitäten hin.

Quelle: Cornelia Felsch

Neuruppin. Eine Mensch in Scheiben geschnitten – diese Vorstellung ist wohl nicht für Jedermann angenehm. Dennoch war die Vitrine mit dem Exponat am Sonnabend dicht umlagert.

Die Ausstellung „Körper – Die Lehre der Toten“ zeigte am Wochenende im Neuruppiner Stadtgarten konservierte menschliche Körper und Organe. Insgesamt umfasste die Ausstellung etwa 200  Objekte, die als Leihgaben der Firma Corcoran Laboratories – dem führenden amerikanischen Hersteller medizinischer Präparate – durch Deutschland reisen. In den USA spenden jährlich etwa 20 000 Menschen ihre Körper. „Knapp 40 000 Menschen stehen bereits auf der Warteliste“, sagt Ausstellungsbetreuer Thomas Müller.

Abgrenzung von „Körperwelten“

Von Gunther von Hagens „Körperwelten“ möchten sich die Macher der gezeigten Ausstellung abgrenzen. „Die Toten werden hier nicht in Szene gesetzt, es geht uns in erster Linie um anatomische Wissensvermittlung“, sagt Müller. „Wir wollen die Würde der Toten achten und präsentieren sie wie im Museum üblich, in Glasvitrinen. Auf ein totes kopulierendes Paar , wie es in Hagens ,Körperwelten’ zur Schau gestellt wird, können wir gern verzichten.“

Tote Körper als Anschauungsmittel

Tote Körper als Anschauungsmittel.

Quelle: Cornelia Felsch

Nicht jeder Besucher kann die Plastinate mit ungetrübter Aufmerksamkeit studieren – an der Vitrine mit den schwarzen Lungenflügeln beschleunigen sich die Schritte einiger Besucher schon mal, obwohl es darin auch schöne Dinge zu sehen gibt. Zum Beispiel einen Bronchialbaum, der aus den in der Lunge verlaufenden Atemwegen besteht und einer wunderschönen Koralle gleicht. „Mir will die Zigarette aber auch nicht mehr so recht schmecken, seit ich die Raucherlungen gesehen habe“, sagt Müller.

Plastinate wie ein offenes Buch

Ganz hat er sich das Rauchen allerdings noch nicht abgewöhnt. Doch er gesteht, dass er möglichst kein Schweinefleisch mehr isst. „Vor drei Jahren habe ich meine Ernährung umgestellt, als ich gehört habe, dass das Erbgut von Mensch und Schwein zu 90 Prozent übereinstimmt und wir demzufolge auch ähnliche Krankheiten aufweisen.“

Für Thomas Müller gleichen die Plastinate einem offenen Buch. „Ursache und Wirkung kann man an ihnen sehr gut erkennen.“ Woran die Menschen gestorben sind weiß auch er nicht, aber ab und zu weist er die Besucher auf sichtbare Krankheitsbilder hin. An der Haut eines Mannes hat der Hautkrebs deutliche Spuren hinterlassen, der in 179 Scheiben zersägte Mensch hatte einen Beckenschiefstand. Därme schlängeln sich durch den Glaskasten, Füße mit amputierten Zehen belegen, welche Folgen eine Diabeteserkrankung haben kann.

Schautafeln informieren über Pubertät, Geschlechtsorgane, Hirndurchblutung und Schlaganfall, das Herz und die Symptome eines Infarkts. Sie erklären, dass Nierenkarzinome die dritthäufigsten Tumore in Deutschland sind. 5700 Frauen und 8300 Männer erkranken jährlich daran. Da ist die Befruchtung noch ein erfreuliches Thema, zumindest wenn man die Vitrine mit den winzigen Föten bereits hinter sich gelassen hat.

Von Cornelia Felsch

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