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Zimmer mit Ausblick aufs Gestüt

Neustadt Zimmer mit Ausblick aufs Gestüt

Serie „MAZ-Zimmerservice“: Die Geschäftsführerin der Neustädter Gestüte Regine Ebert hat den Gegenstand ihrer Arbeit ständig im Blick und das sind nicht nur Pferde, sondern auch Jahrhunderte der Geschichte.

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Regine Ebert würde speziell auf diesen Raum als Büro nur sehr ungern verzichten.

Quelle: Alexander Beckmann

Neustadt. Nein, da steht kein Pferd auf’m Flur. Obwohl das bestimmt keine Überraschung wäre. Das eigentliche Arbeitszimmer der Geschäftsführerin der Neustädter Gestüte wirkt auf den ersten Blick aber ganz normal: moderne, funktionale Möbel in Kirschbaumdekor, Computer, Telefon und Tischrechner und eine ziemlich dominante Zimmertanne.

Pferde, wohin das Auge blickt

Auf den zweiten Blick kann der Raum seine Besitzerin nicht mehr tarnen: Die wenigen großformatigen Bilder an den Wänden zeigen ausschließlich Pferde. Den Blumentopf schmückt eine Pferdefigur und in der gläsernen Orchideenkugel ist eine weitere zu Hause. Pferdeköpfe aus Keramik dienen als Buchstützen.

Landstallmeisterhaus, zweiter Stock, links

Landstallmeisterhaus, zweiter Stock, links. Der Ausblick von dort auf den Hof des Hauptgestüts ist wohl wirklich unbezahlbar.

Quelle: Alexander Beckmann

„Ohne Pferdedeko geht’s hier nicht ab“, gesteht Regine Ebert. Auf eines der Bilder ist sie besonders stolz. „Alatar 1817“ steht auf dem Ölgemälde. „Dieser Hengst gehörte zu den ersten Beschälern hier in Neustadt“, erklärt die Geschäftsführerin und der Laie erfährt, dass „Beschäler“ schlicht Zuchthengste sind. „Das Bild war jahrelang Ausstellungsstück im Deutschen Pferdemuseum in Verden. Das haben wir erst seit ungefähr fünf Jahren wieder hier.“ Wie viel Talent und Pferdeverstand der Maler wohl hatte? „Alatar“ guckt jedenfalls etwas angestrengt mit einem Auge auf den großen Beratungstisch zu seinen Hufen. Wie dem auch sei – 200 Jahre, das ist schon was.

Geliebte Arbeitsräume

Überhaupt quillt die Geschichte aus allen Ecken des Büros. Schon die ausgetretene Holztreppe ins Obergeschoss des Landstallmeisterhauses lässt Generationen von Pferde-Experten erahnen. Die Zimmerdecke verschwindet irgendwo oberhalb von vier Metern im Ungewissen. Hier möchte man nicht heizen müssen. Und, wie Regine Ebert erzählt, gelingt das wohl auch nicht immer.

Rund-Blick

Rund-Blick: Vom Landgestüt aus kann sich kaum jemand ungestört nähern.

Quelle: Alexander Beckmann

Seit 2008 arbeitet die 52-Jährige für die Gestüte, seit 2011 als Geschäftsführerin. „Ich habe dieses Zimmer schon immer geliebt. Es würde mir sehr schwer fallen, darauf zu verzichten. Hier saß ganz früher der Landstallmeister.“ Und gleich nebenan genoss König Friedrich Wilhelm II. den Blick aus seinen Gästezimmern in den rückwärtigen Park. Er hatte das Gestüt Ende des 18. Jahrhunderts gegründet.

Büro als Ausguck

Regine Ebert guckt lieber vorne raus. „Die Aussicht auf die Pferde ist unbezahlbar.“ Stuten, Hengste und die ersten Fohlen des Jahres tanken Februarsonne. Der weite Hof ist von historischen Gebäuden eingefasst. Stutenstall, alte Schmiede und Reithalle wurden während der Dienstzeit der Geschäftsführerin aufwendig saniert.

Immerhin

Immerhin: die Buchstützen halten nicht ausschließlich Bücher über Pferde und Zucht.

Quelle: Alexander Beckmann

Und dann ist da noch ein ganz besonderes Fenster. Klein und rund weist es als einziges vom Büro hinaus auf die Allee hin zum Landgestüt. Es war ursprünglich eine Art Ausguck: Von hier aus konnte man wichtige Gäste schon lange vor ihrer Ankunft nahen sehen. Heute wird es von einem klobigen Glaskasten verdeckt. „Da hat der Brandschutz einen Kompromiss mit dem Denkmalschutz geschlossen“, erklärt die Geschäftsführerin.

Hauch einer persönlichen Note

Ihr Schreibtisch wirkt verdächtig ordentlich. Sie habe extra aufgeräumt, ist zu erfahren. „Sonst liegen da mehr Sachen.“ Immerhin: Eine Thermoskanne mit Kräutertee und ein kleines Gruppenfoto vermitteln den Hauch einer persönlichen Note. Das Bild zeigt seine Besitzerin mit Ehemann, Tochter und Schwiegersohn. Und mit Pferd. Klar.

„Alles stelle ich mir nicht hin“, betont Regine Ebert. „Nur Stücke, die mir wirklich gut gefallen.“ Offensichtlich gehört dazu auch eine alte Optima-Schreibmaschine oben auf dem Schrank. An der habe sie damals, Mitte der 80er Jahre ihre ersten Berufserfahrungen im Angermünder Kreisbetrieb für Landtechnik gesammelt, erzählt die Geschäftsführerin. Pferde seien damals nur ein Hobby gewesen, eine Leidenschaft.

Leidenschaft und Beruf. Das Zimmer im Neustädter Landstallmeisterhaus zeigt beides.

Von Alexander Beckmann

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