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Zottelige Riesen aus Wutike

Jörg Vorwerk züchtet schottische Highlandrinder Zottelige Riesen aus Wutike

Jörg Vorwerk aus Wutike züchtet Highlandrinder. Die zotteligen Riesen aus dem schottischen Hochland haben es ihm angetan, auch wegen ihres nicht alltäglichen imposanten Aussehens. Die Vierbeiner haben urige Hörner und ein langhaariges Fell. 

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Jörg Vorwerk verwöhnt mit Leckerlis auch seine älteste Highlandkuh namens Tessa. Sie wird bald wieder Mutter.

Quelle: Hajo Nitschke

Wutike. Kurz nach der Jahrtausendwende hat sich Jörg Vorwerk aus Wutike einen Wunschtraum erfüllt: Er hält und züchtet schottische Highlandrinder. Es ist sein Hobby. Die zotteligen Riesen aus dem schottischen Hochland hatten es dem Wutiker angetan, auch wegen ihres nicht alltäglichen imposanten Aussehens. Die Vierbeiner haben urige Hörner und ein langhaariges Fell. Sie sind genügsam. Einige Hektar Land als Weide für Sommer und Winter und etwa 60Rollen Heu als Winterfutter, das reicht ihnen. Einen Stall brauchen sie nicht, aber ab und zu grasen sie gern mal einen Wutiker Garten ab.

Vorwerks sieben Mutterkühe bringen jährlich sieben Kälber zur Welt. Dazu gehört auch noch Zuchtbulle Otto. Alle Tiere gehören zu der robustesten Rinderrasse Europas. "Die Highlands gibt es in Schwarz, Weiß, Rot, Sand und Braun und in meiner kleinen Herde sind fast alle Farben vertreten", so Jörg Vorwerk. Der Hobbyzüchter erzählt, dass die Highlandrinder vom Charakter und Verhalten eher fromm und gutartig sind, auch wenn sie Kälber haben. Das ändert sich aber, wenn Jörg Vorwerk dem Nachwuchs die Ohrmarken einziehen muss. An den ersten zwei Tagen nach der Geburt würde es noch ohne großes Aufsehen gehen, wenn die Kälber verträumt oder schlafend in der Wiese liegen. Wenn sich der Züchter aber auf die Tiere setzen muss, um die Marken einzuziehen, quiekt das Kälbchen vor Schreck und bei dem kleinen Schmerz von der Ohrmarkenzange plötzlich los. "Dann ist es vorbei mit fromm und gutmütig", sagt Vorwerk. Dann stürmt die Mutter herbei, notfalls auch die ganze Herde, um den Nachwuchs zu verteidigen. Und dann drohen dem "Störenfried" lange, spitze Hörner, ein wuchtiger Rinderkopf und stampfende Beine.

Verschiedenfarbig sind Vorwerks Highlandrinder mit dem langen, zotteligen Fell.

Quelle: Hajo Nitschke

Dagegen hat sich Vorwerk eine Art Kälberfangkasten gebaut, der an den Hublader seines Traktors kommt, hochgehoben und auf das träumende Kalb abgesenkt wird. In dem Gestell klappt das Ohrmarkeneinziehen gefahrloser, jedoch nur an den ersten beiden Lebenstagen. Sind die Kälber über die erste Lebenswoche hinweg, sind sie schon sehr flott auf den Beinen und lassen sich nur noch schwer einfangen. Für den Fall, dass größere Tiere gefangen oder die ganze Herde zusammengetrieben werden muss, hat Vorwerk einen Fangstand. Der wird gebraucht, wenn der Tierarzt kommt oder Rinder getrennt werden müssen.

Wenn Vorwerks Kälber nach etwa sechs Monaten absetzreif sind, werden die weiblichen zum Verkauf für die Haltung und Zucht angeboten. Die "Jungs" bleiben noch in der Herde, notfalls getrennt von den anderen auf einer Nachbarkoppel. Wenn sie Milch von der Mutter wollen, machen sie sich bemerkbar. Man könnte auch sagen, Kuh und Kalb rufen sich. Von Zwillingsgeburten hält Jörg Vorwerk nichts. "Meist nimmt die Mutter ein Kalb nicht an und dann muss es mit der Flasche großgezogen werden", so der Züchter.

Der männliche Nachwuchs, abgesehen von Ausnahmeverkäufen, bleibt länger in der Herde. Die Bullen werden später geschlachtet, für den Eigenbedarf der fünfköpfigen Familie oder Freunde und Bekannte. "Das Fleisch des Highlandrindes ist sehr gesund, mager und fein marmoriert, weil es langsam gewachsen ist", sagt Vorwerk. Es muss nach dem Schlachten zwei bis drei Wochen abhängen bei vier Grad Celsius.

Für den Schlacht- und Reifeprozess hat der Wutiker einen Schlachtraum und eine Kühlzelle gebaut. Das Töten der Tiere ist aus Sicht des Züchters eher unspektakulär. "Kein Treiben, kein Einfangen, kein Stress", erklärt er. Mit polizeilicher Genehmigung wird das Rind von einem Jäger auf der Weide erschossen. Die Herde schreckt zwar wegen des Knalls auf, erkennt aber keinen Zusammenhang. Ein Polizist hatte sich zuvor über den Standort informiert, die Schießrichtung festgelegt und andere Vorschriften erlassen. Die Einhaltung wird kontrolliert. Nach Fleischbeschau und Abhängen geht es an die Verwertung. Die Schlachttiere sind in der Regel zwei Jahre alt und haben am Haken ein Gewicht von 200 bis 250 Kilogramm.

Als aufwendig empfindet Jörg Vorwerk das Ganze nicht. Obwohl er täglich den elektrischen Weidezaun überprüfen muss. Der "beste Weidezaun" ist für ihn aber eigentlich reichlich Futter und frisches Wasser. Und im Sommer macht der Wutiker Heu für den Winter. Dafür gibt es einen Traktor sowie Mäh-, Wende- und Schwadertechnik. Das Heu pressen übernimmt Landwirt Volker Thiele aus Drewen. Die fertig gepressten Heurollen werden mit einem Plattenwagen zur Miete gefahren und dort gestapelt. "Wenn ich mal Hilfe brauche, unterstützt mich mein Sohn Rainer oder als Vertretung beim Heuwenden Nachbar Klaus Labenstein", erzählt Vorwerk.

Bei ihm müssen jetzt noch drei Kühe kalben. Und in ein paar Wochen kommt die Zeit, in der die Wutiker Highlandrinder ganz gemütlich im Schnee liegen. "Kälte, Schnee und Eis machen diesen robusten Rindern nichts aus", weiß Vorwerk. Viel wichtiger ist, dass sie in der Sommerhitze Schatten bekommen, zum Beispiel durch Bäume. Und ein Friseur für den starken Fellbehang der Highlands kann sein, muss aber nicht.

Von Hajo Nitschke

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