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Zu Besuch bei den Eltern in Wittstock

Karen Wichert radelte ihre Arthrose weg - 47.000 Kilometer in einem Jahr Zu Besuch bei den Eltern in Wittstock

Diese Zahl ist schlicht gigantisch: 47.000 Kilometer legte Karen Wichert aus Wismar seit 2009 mit insgesamt drei Fahrrädern zurück. Niederlande, Belgien, England, Frankreich, Lettland, Litauen, Russland, Polen - da erscheint die Tour, zu der sie vor einigen Tagen aufbrach, beinahe wie ein Katzensprung. Es ging von Wismar über Schwerin und Perleberg nach Wittstock. 

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Quelle: MAZ

Wittstock. In Wittstock leben Karen Wicherts Eltern, denen sie einen Besuch abstattete. Tagesdistanzen um die 90Kilometer sind für die zierliche, 52 Jahre alte Frau kein Problem. "Das kleine Schwarze hängt bei mir nicht im Kleiderschrank. Es steht in der Garage", sagt sie und meint damit ihr schwarzes Reiserad. Es ist fast wie ein kleines Büro ausstaffiert: Karen Wichert hat nicht nur Schlafsack, Werkzeug und Essen in wetterfesten roten Spezialsäcken dabei, sondern verfügt auch über ein Navigationsgerät im Handy-Format, eine Kamera samt Stativ, um sich auch mal selbst zu filmen, einen Akku für die Stromversorgung, ein Netbook, eine wetterfeste Landkarte auf dem Lenkrad und natürlich einen Kilometerzähler. Die 10.000-er Marke knackte sie schließlich in Perleberg - wohlgemerkt nur mit diesem Rad. Gemeinsam mit ihrem Mann Werner Wilkens besitzt sie insgesamt fünf Räder. Das Paar habe zwar ein Auto, nutze es aber kaum.

De 10.000-er Marke knackte sie in Perleberg

"Haben Sie denn keine Angst, so als Frau ganz allein unterwegs?" Diese Frage werde ihr immer wieder gestellt - aber nur in Deutschland. Anderswo sei das kein Thema. Von der Hilfsbereitschaft - sowohl hierzulande als auch in anderen Ländern - ist Karen Wichert begeistert. Bei Pannen habe sie bisher immer auf nette Leute zählen können - wie in Kassel, wo ein Helfer sie zu seinem befreundeten Fahrradmechaniker lotste oder im Münsterland, wo ein Polizist höchstpersönlich ihr Rad bewachte. "Er fand das so toll, was ich tue und meinte, dass er solche Touren nun auch machen wolle." Karen Wichert weiß, dass sie den "Frau-allein-unterwegs-Bonus" hat. Dennoch seien die Viel-Radler eine eingeschworene Truppe. Untereinander herrsche großes Vertrauen. So sei es für Gleichgesinnte kein Problem, Radler-Kollegen einen Schlüssel für die eigene Wohnung in die Hand zu drücken, damit die Gäste dort schon mal duschen können, bevor die Hausherren nach Hause kommen. Bisher habe Karen Wichert noch nie ein Problem gehabt. "Im Gegenteil, ich habe so viele tolle Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen." Irgendjemand sei immer zur Stelle, sagt sie und zitiert gern einen englischen Radel-Enthusiasten, der ihr einmal sagte: "Auf Wunder kann man sich verlassen."

"Ich war total unsportlich"

Das gilt für die sportliche Wahl-Wismarerin aber auch noch in ganz anderer Hinsicht. Denn ihr Rad entpuppte sich buchstäblich als ihre Apotheke. "Vor zwölf Jahren sagten mir die Ärzte, dass ich in zehn Jahren wohl im Rollstuhl sitzen würde - Arthrose. Ich konnte mit dem rechten Fuß gar nicht mehr auftreten. Um gehen zu können, brauchte ich sechs verschiedene Medikamente", erinnert sie sich.

Doch diese Probleme ließen Karen Wichert nicht verzweifeln, sondern spornten sie an. Sie stellte ihre Ernährung um und entdeckte ihr uraltes Rad im Keller ganz neu für sich. "Ich war total unsportlich", sagt sie. Aber das Radfahren schien ihr eine gute Alternative zum Gehen, das ihr ja so schwer fiel. Stück für Stück baute sie ihr Hobby aus. "Ich habe das alles konsequent durchgezogen, bewege mich seither viel, springe in jeden kalten See und ernähre mich auch gern von Obst, das ich unterwegs pflücke." In Perleberg übernachtete Karen Wichert nicht etwa im Haus ihrer Verwandten, das sie natürlich hätte nutzen können, sondern in einem Zelt im Garten - "mit den Kindern, denen das auch riesigen Spaß machte", sagt sie. Heute gehe es ihr gut. Dankbar ist Karen Wichert aber auch ihrem Chef. Er habe ihr bereits mehrmals vier Wochen pro Jahr unbezahlten Urlaub gewährt.

Nach ihrem Besuch in Wittstock machte sich Karen Wichert zunächst nach Wustrau-Altfriesack auf. Dort hatte sie sich mit einem Berliner verabredet, der sich auf seine Weltumradlung vorbereitet. Auch er habe durch das Radfahren große gesundheitliche Probleme überwunden.

Das wichtigste Ziel - ihre Gesundheit - hat Karen Wichert erreicht, Traumziele aber bleiben: Kanada, USA - "die Route 66 mit dem Fahrrad. Das wäre was."

Im Internet: www.diezweiunterwegs.de -  Karen Wichert hält auch Vorträge über ihre Touren.

Von Björn Wagener

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