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Zu Besuch im Bürgermeisterbüro

Rheinsberg Zu Besuch im Bürgermeisterbüro

In der Rheinsberger Amtsstube geht’s Altehrwürdig zu: Aktuell, aber auch künftig will sich Bürgermeister Jan-Pieter Rau mit klassischem Mobiliar umgeben. Was es sonst noch in seinem Büro zu entdecken gibt und welche Rolle der Stier auf dem Schrank spielt, das hat das MAZ-Zimmerservice erkundet.

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Der Rheinsberger Bürgermeister Jan-Pieter Rau mag die altehrwürdigen Möbel und Dinge in seinem Büro und hat sie seit seinem Antritt nicht viel verändert.

Quelle: Celina Aniol

Rheinsberg. Der Leiter einer großen Berliner Behörde kam letztens im Rheinsberger Rathaus vorbei. „Ich habe als erstes meinen Chauffeur gefragt, ob das hier auch wirklich die richtige Adresse ist“, sagte der Mann, der in einem schicken Bürogebäude residiert, zur Begrüßung „Sie tun mir so leid.“ Jan-Pieter Rau verstummt für einen Moment, als er das erzählt. Dann lacht der Bürgermeister auf. „Als er mein Büro sah, hat er dann nichts mehr gesagt.“

Ihm mache das nichts aus, versichert Rau, nachdem er jede Ecke seines Zimmers kurz taxiert hat. Die leicht hochgezogene Augenbraue verrät: Er hat sein Büro mit den wuchtigen Möbeln samt Schnörkel von anno dazumal, dem heimeligen Teppichboden, dem klassisch schwarzen Chefsessel neueren Datums und den Kabelsalat am Schreibtisch lange nicht mehr mit dem Blick eines Fremden betrachtet. Klar, sei das kein besonders repräsentatives Zimmer, das eines Prinzenstadtvertreters würdig wäre. „Es ist aber funktional – und ich mag es. Ich brauche keinen Hochglanz. Es ist ein Verwaltungssitz und damit ein Profangebäude. “ Und für offizielle Empfänge wie die der Finanzminister aus allen Bundesländern in diesem Jahr habe die Stadt schließlich das Schloss oder die kürzlich sanierte Remise. „Da können wir glänzen.“

Trotzdem freut sich Rau schon auf das neue Rathaus, das Rheinsberg gerade für 7,7 Millionen Euro errichtet und das Ende 2017 fertig sein soll. „So viel wird sich aber nicht ändern.“ Denn die Gebäude sind wie der aktuelle Verwaltungssitz altehrwürdig. „Und ich werde die Möbel mitnehmen“, kündigt Rau an. „Warum soll ich mir neue Konferenzstühle kaufen, wenn die alten noch gut sind?“ Zwar weiß er nicht, wo seine Bürgermeisterausstattung herkommt, die er 2010 bei seinem Amtsantritt schon vorgefunden hat. „Aber sie muss schon älter sein“, mutmaßt Rau und deutet auf ein fest verschraubtes Blechschildchen am dunkelbraunen Holzschrank, auf dem wohl seit Jahrzehnten die Aufschrift „Rat der Stadt Rheinsberg, Mark“ prangt. „Irgendwie hänge ich auch an den alten Sachen. Ich finde, dass das Antike sehr gut zum Bürgermeisteramt passt.“

Einen direkten Bezug habe er zwar weder zu dem tosenden Stier auf seinem Schrank („Er ist aber ein gutes Omen, weil der Bulle an der Börse die Kurse hochtreibt“) noch auf dem Bronzelöwen auf dem Tisch. „Außerdem kommt der Bulle im Fernsehen richtig gut zur Geltung“, sagt Rau und grinst leicht. Das altertümliche Sammelsurium mit dem Konversationslexikon samt obligater Goldprägung im Schrank, einer alten Karte der Grafschaft Ruppin und einigen historischen Schriften über die Prinzenstadt hat der Verwaltungschef um ein paar neuere Verwaltungsvorschriften und persönliche Leihgaben ergänzt. Ein Kaffeeservice des Rheinsberger Keramikers Karl Fulle verhübscht die Vitrine, einige abstrakte Bilder seiner Mutter die Wände – und klein wenig Nippes den Schreibtisch. „Das hier ist so ein Wunschding“, beschreibt Rau einen grimmig dreinblickenden Tonkopf asiatischen Ursprungs, der direkt an der verwaltungstechnischen Schaltzentrale, also an Raus Computer thront. Den habe er von seinem früheren Vorgesetzten bekommen, dem Neuruppiner Bürgermeister Jens-Peter Golde. „Das Auge darf man nur ausmalen, wenn man sich ganz stark etwas wünscht“, sagt der Bürgermeister, während er den pupillenlosen Rundling etwas nachdenklich betrachtet. „Ich werde sie wohl nie ausmalen. Es ist ja immer so wie in dem Märchen: Der beste Wunsch fällt einem immer erst dann ein, wenn man keinen mehr frei hat.“

Ein Bedürfnis wird aber auch ohne große Malkünste bald wahr: möglichst viele Steckdosen am Schreibtisch – und überhaupt im neuen Bürgermeisterzimmer. In seinem aktuellen Büro hat Jan-Pieter Rau nur zwei Stromanschlüsse, und zwar beide hinter seinem Arbeitsplatz. Wenn am Beratungstisch jemand eine Steckdose braucht, muss der 50-Jährige quer durch den Raum eine Verlängerungsschnur legen. Das sei weder praktisch noch besonders up to date im Technikzeitalter. Dass sein neues Büro, das in Raus Lieblingsfarbe Weiß statt des momentan Eierschalenfarbenen Dekors gestrichen wird, zwei Fenster mehr und einen direkten Blick auf die Kirche haben wird, freut Rau. Der Zuwachs an Quadratmetern von jetzt 25 auf 33 sei nicht so wichtig. „Wenn ich arbeite, lasse ich die Tür sowieso in der Regel offen.“ Denn die Akten stehen im Vorzimmer.

Dokumentenberge sucht man tatsächlich vergeblich im Rheinsberger Bürgermeisterbüro. „Na ja, ich habe für den Termin auch ein bisschen aufgeräumt, nachdem ich das ganze Wochenende gearbeitet habe“, gesteht Rau. Sonst liegen durchaus ein paar Akten mehr auf seinem Schreibtisch. „Aber ich bin niemand, der abends alle Zettel säuberlich zusammenräumt, um sie am nächsten Tag wieder auszubreiten. Dazu habe ich keine Zeit.“

À propos Zeit: Ganz am Rande von Raus Schreibtisch steht etwas unmotiviert, könnte man meinen, eine Uhr. „Die fällt kaum jemanden auf – für mich ist sie aber sehr wichtig.“ Denn so kann er vom Besprechungstisch aus, an dem er grundsätzlich seine Gäste empfängt („Wenn der Schreibtisch zwischen mir und den anderen steht, dann ist das eine Barriere, die die anderen zu Bittstellern macht.“) unauffällig den Zeitmesser im Blick behalten, ohne auf seine Armbanduhr schielen zu müssen. „Das wäre doch sehr unhöflich.“ Und das will der Bürgermeister auf jeden Fall vermeiden. Offensichtlich setzt Rau nicht nur beim Mobiliar, sondern auch beim Benehmen auf die alte Fasson.

Von Celina Aniol

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