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Zu Hause Cannabis angebaut

Neuruppin Zu Hause Cannabis angebaut

Steffen O. steht dazu: Er kifft regelmäßig, weil das Hanf ihm dabei hilft, zur Ruhe zu kommen. Eine anonyme Anzeige brachte den 38-Jährigen jetzt vor das Neuruppiner Amtsgericht. Auf seinem Grundstück in Netzeband (Ostprignitz-Ruppin) hatte die Polizei bei einer Durchsuchung Cannabispflanzen in nicht geringer Menge gefunden.

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Quelle: dpa

Netzeband. Steffen O. will nur in Frieden leben auf seinem Grundstück in dem kleinen Dorf Netzeband. Doch offensichtlich gefällt anderen seine Art zu leben nicht. Denn der 38-Jährige wurde wegen des Anbaus und Besitzes von Cannabis angezeigt – anonym. Bei der Durchsuchung im Mai 2014 fand die Polizei 3,6 Kilogramm Cannabis mit einem Wirkstoffgehalt von 146 Gramm – einem Wert, der deutlich über dem vom Bundesgerichtshof festgelegten Wert von 7,5 Gramm reinem Wirkstoff liegt.

Bekennender Kiffer

Seit Donnerstag muss sich Steffen O. vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten. Dass er regelmäßig Cannabis raucht, daraus machte er keinen Hehl. „Das Hanf hilft mir, zur Ruhe zu kommen und zu mir selbst zu finden“, sagte der 38-Jährige. Er bestritt auch nicht, selbst angebaut zu haben, jedoch nicht in der angeklagten Menge. Der Löwen­anteil sei nicht verwertbares Blattmaterial gewesen, nur noch für den Kompost oder als Vogelfutter geeignet, so O. „Es liegt mir fern, kriminell zu sein oder zu einem Dealer zu gehen“, sagte er. Deshalb habe er selbst angebaut. „Cannabis hilft mir, meine überreizten Sinne herunter zu kühlen.“

Der gebürtige Bayer hat seine Kindheit in einem stabilen Elternhaus als „immer umsorgt und geliebt“ in Erinnerung. Er wurde Florist, arbeitete sieben Jahre in Südtirol, wo er sich in seinem Beruf selbstständig machte. Dann wurde ihm alles zuviel. „Ich wollte runterkommen.“

Im Brandenburgischen eine Vision zum Leben gebracht

Durch einen ehemaligen Mitbewohner entdeckte er 2007 das kleine Dorf Netzeband, kaufte Haus und Grundstück und ließ sich dort nieder. „Ich habe dort eine Vision zum Leben gebracht“, sagte er. In der Stille der brandenburgischen Provinz wollte er zur Ruhe kommen. Sein Zuhause ist eine, so beschreibt er es, „soziale Auffangstation für Menschen aller Schichten“. Er veranstaltet Seminare, führt Coachings durch, macht das Catering für den Theatersommer und ist immer wieder in Südtirol, um Hotels dekorativ zu gestalten.

Täglich konsumiert er Cannabis

Wie O. sagt, konsumiert er täglich Cannabis. Er sei eine hochsensible Persönlichkeit und sei deshalb schnell reizüberflutet. Cannabis helfe ihm, es wirke beruhigend. Früher habe er täglich drei bis vier Gramm konsumiert, heute weniger, weil er sich mehr nicht leisten könne. „Ich gehe jetzt zum Dealer.“ Etwas, was er nie wollte und weshalb er selbst angebaut hat. Für ihn hat die Droge neben anderen auch eine medizinische Wirkung.

„Ihnen ist klar, dass so etwas hart bestraft werden kann“, sagte Richterin Kathrin Reiter und fragte, ob er keine Angst habe, dafür ins Gefängnis zu müssen. „Hier und heute geht es nicht um mein Leben“, antwortete er. Klar habe er keine Lust auf den ganzen Ärger. „Meine Zukunft liegt in Ihren Händen“, sagte er. Über die wurde allerdings am Donnerstag noch nicht entschieden. Verteidiger Klaus-Dieter Miesbauer machte auf einen Widerspruch hinsichtlich der Menge zwischen dem aufgefundenen und untersuchten Drogenmaterial aufmerksam. Das soll nun geklärt werden.

Am 23. März wird in der Sache weiter verhandelt.

Von Dagmar Simons

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