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Zu schade für den Schrott

Heinrichsfelder sammelt Stern-Radios Zu schade für den Schrott

Günter Uckert aus Heinrichsfelde sammelt und repariert Stern-Radios und Stern-Rekorder. Er holt sie teilweise vom Schrottplatz. Es gibt aber auch Leute, die sie ihm nach Hause bringen. In seiner Werkstatt hat er sie allesamt aufgereiht und bastelt besonders gern im Winter dran.

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Günter Uckert und seine Schmuckstücke. Er hat sie alle wieder flottgemacht.

Quelle: Fotos (4): Sandra Bels

Kyritz. Wenn Günter Uckert den Schalter umlegt, spielen auf einen Schlag fast alle Radios in seiner Werkstatt. Eins lauter, eins leiser, aber alle den gleichen Sender: Antenne Brandenburg. Der Klang der Stern-Recorder und Stern-Radios zaubert dem Heinrichsfelder sofort ein Lächeln ins Gesicht. Er kann sich kaum einen besseren vorstellen. Überzeugend ist für ihn aber auch der geringe Stromverbrauch. Nur sieben Watt benötigt ein solches Radio.

Uckert sammelt seit zwei Jahren die für ihn ganz besonderen Geräte, die in der DDR hergestellt wurden. Das erste Exemplar war sein eigenes von einst. Es kostete damals über 700 Ostmark. Dazu gibt es eine Geschichte. „Ich hatte damals aufgehört zu rauchen und jeden Monat 100 Mark weggelegt, um mir ein Radio zu kaufen“, erzählt der Sammler. Es sollte aber nicht irgendeins sein, sondern ein Stern-Elite Deluxe. „Das war ein Top-Radio und es wurde sogar in den Westen exportiert“, weiß Uckert. Es ist mehr als 30 Jahre alt, spielt aber heute noch tadellos. „Mit den Radios haben wir früher die tollsten Partys gefeiert“, erinnert sich Uckert. Er war Busfahrer und weiß noch, dass er für seine Fahrgäste damit Musik gemacht hat.

Viele alte Radios hat der Heinrichsfelder geschenkt bekommen. Er ist in der Region als Bastler bekannt. „Es gibt Leute, die stellen mir so was einfach vor die Tür“, sagt er. Manche Geräte hat der Senior aber auch aus dem Schrott geholt. Im Winter, wenn er draußen nichts machen kann und es zu kalt zum Mopedfahren ist, dann zieht sich Uckert in seine Werkstatt zurück und nimmt sich die Radios vor. „Fast immer sind die Ecken abgestoßen“, erzählt er und sagt, dass es im Baumarkt Umleimkanten zu kaufen gibt, die man dafür nehmen kann.

Wegen des Alters der Geräte sind sie innen fast immer schmutzig und ganz oft klemmt der Knopf für die Sendersuche, hat Uckert festgestellt und seine eigene Lösung für das Problem entwickelt. Er bohrt den Drehkondensator an und gibt einen Tropfen Kriechöl dazu. „Dann wird langsam gedreht und meist funktioniert es nach kurzer Zeit wieder“, so Uckert. Wenn das Kassettenteil den Dienst versagt, ist meist die Antriebswelle kaputt. Auch da lässt sich Abhilfe schaffen. Schmutzige Tonköpfe werden mit Brennspiritus wieder sauber und wenn sie kaputt sind, bemüht der Bastler den Lötkolben. Er hat für jedes Problem eine Lösung. Vier seiner reparierten und voll funktionstüchtigen Radios hat er schon weitergegeben. „Es gibt Liebhaber dafür“, sagt er. Meist sind es Leute um die 50 Jahre, die früher selbst so ein Gerät hatten, weiß Uckert, auch, dass sie im Internet für über 100 Euro verkauft werden. 850 Ostmark kostete damals ein Stern-Recorder. Für einen seiner Nachfolger, den SKR 701, musste man sogar mehr als 1000 Mark berappen.

Sieben alte Geräte konnte Günter Uckert nicht mehr retten. Sie dienen ihm heute als Ersatzteilspender. Im Regal nebenan stehen neun weitere funktionierende Radios anderer Marken. Günter Uckert hat alle generalüberholt. „Für mich ist das ein Stück Kulturgut“, sagt er und fügt an: „Das war nun mal unsere Anfangszeit.“

Von seiner Tochter bekam Uckert ihren alten R 4100 geschenkt. Es war der Nachfolger des Stern-Recorders. „Der spielte stereo und war ziemlich schwer“, weiß der Vater. Die Jugend war damals vom modernen Design und der höheren Leistung begeistert. Die Tochter hatte das Gerät zur Jugendweihe geschenkt bekommen. Als Uckert sich des Recorders annahm, fehlte die Antenne.

Mehrere Werke in der DDR

Die Herstellung der Rundfunkgeräte in der DDR wurde im Kombinat VEB Stern-Radio Berlin zentral gelenkt.

Dem Kombinat gehörten im Laufe der Zeit unterschiedliche Werke an. Seit etwa 1970 bis zum Ende der DDR waren es insgesamt vier. Sie übernahmen die gesamte Produktion von Radios.

Die wichtigsten Werke waren in Berlin, Sonneberg, Rochlitz und Staßfurt.

Sternradio gehörte zur RFT, dem Herstellerverbund von Elektronik und Nachrichtentechnik in der DDR.

Das Stern-Radio-Logo aus Metall wurde auch in anderen Stern-Radio-Betrieben verwendet, zierte also auch die Holzgehäuse einiger Modelle aus Staßfurt, Rochlitz und Leipzig.

Von 1948 bis 1952nannte sich auch der spätere VEB Fernmeldewerk Leipzig „Stern-Radio Leipzig“. Bis 1951 wurden dort Rundfunkempfänger gebaut.

In den 1980er Jahren waren Stern-Radio Sonneberg, Berlin und einige Betriebe von Robotron neben Rema und Heli-Radio die einzigen Radiohersteller, die in Deutschland bauten.

Von Sandra Bels

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