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Zu wenig Deutschkurse, zu wenig Wohnungen

Integrationsdiskussion in Neuruppin Zu wenig Deutschkurse, zu wenig Wohnungen

In Rheinsberg fehlt es zurzeit an funktionierenden Deutschkursen. In Neuruppin finden Flüchtlinge nur schwer Wohnungen. Über die Chancen und Blockaden von Integration diskutierte die ehemalige Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion Lale Akgün am Sonnabend in Neuruppin mit Experten aus der Region.

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Ulrike Liedtke (l.) und Lale Akgün.

Quelle: Frauke Herweg

Neuruppin. Die Grundvoraussetzungen für eine gelingende Inte­gration wären für Otto Wynen, den Leiter des Treskower Übergangswohnheims, schnell definiert: Deutschkurse, Wohnungen, Arbeitsplätze. Doch schon an der ersten Grundvoraussetzung – den Deutschkursen – mangelt es. „Wir haben im Moment in Rheinsberg keinen einzigen Deutschkurs, der wirklich funktioniert“, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Ulrike Liedtke. Entsprechend qualifizierte Deutschlehrer fehlten schlichtweg. Sprechen Flüchtlinge aber nur wenig Deutsch, so sorgt sich die Rheinsberger Musikwissenschaftlerin, „dann gehen die Flüchtlingen in Parallelgesellschaften“.

Wie kann Integration gelingen? Und was muss sie von denen verlangen, die neu nach Deutschland kommen? Das waren die Fragen, denen sich die Teilnehmer des von der Neuruppiner SPD organisierten Podiumsgesprächs „Kultur und Migration“ am Sonnabend im Café „Tasca“ in Neuruppin stellten. Neben Liedtke und Wynen nahm auch die ehemalige Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion Lale Akgün an dem Gespräch teil.

Auch Anpassungsfähigkeit ist ein Thema

Der Staat müsse Rahmenbedingungen schaffen, dass Integration glücken kann, so die 62-jährige Psychotherapeutin. Zugleich aber brauche es Anpassungsbereitschaft der Neuankömmlinge. „Integration funktioniert da, wo sie auf Menschenrechten und säkularen Werten beruht“, so Akgün. Wer länger in Deutschland bleiben wolle, müsse etwa die Idee der Gleichberechtigung von Mann und Frau akzeptieren. „Man muss die Illusion nehmen, dass man so leben kann, wie man schon immer gelebt hat.“

Für die Sozialdemokratin ist Integration nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine soziale Frage. „Es geht letztlich darum, den Wohlstand für alle auszubauen“, sagt Akgün. „Wie schaffen wir es, sozialen Frieden herzustellen? Darauf müssen wir eine Antwort finden.“ Arbeit würde die Integration in die deutsche Mehrheitsgesellschaft enorm erleichtern. Doch die SPD-Landtagsabgeordnete Ulrike Liedtke sieht noch große Schwierigkeiten – auch bürokratische. Einem syrischen Friseur, der in Aleppo mehrere Salons hatte und gern wieder arbeiten würde, sei etwa in Brandenburg auferlegt worden, eine Friseurausbildung zu machen. Für Liedtke völlig unverständlich. Viele der Menschen, die im vergangenen Jahr mit dem großen Flüchtlingsstrom gekommen seien, hätten auch fast ein Jahr später noch keine Aussicht auf einen Job. „Wir stehen immer noch vor den gleichen Blockaden.“

Suche nach bezahlbarem Wohnraum offenbar zäh

Problematisch auch: die Wohnungssuche. „Ich sehe wenig Entgegenkommen bei den Wohnungsgesellschaften“, sagt Wynen, der Flüchtlinge bei der Wohnungssuche unterstützt. Zwar gebe es Wohnungsanbieter, die durchaus offen seien. Grundsätzlich sei die Suche nach bezahlbarem Wohnraum aber zäh. Wer hier keine Wohnung finde, verlasse die Region und gehe in die städtischen Ballungsräume, wo möglicherweise schon Verwandte leben, fürchtet Wynen. „Wir müssen etwas tun, wenn wir Integration als Chance begreifen wollen.“

Dazu könnte für Wynen auch gehören, in Neuruppin ein Café der Begegnung einzurichten. Anders als in Rheinsberg gebe es in Neuruppin „leidlich funktionierende Deutschkurse“. Doch beobachtet Wynen mitunter, dass die Teilnehmer nicht durchhalten. „Flüchtlinge beklagen, dass sie mit niemandem Deutsch reden können“, sagt Wynen. Ein Begegnungsort „möglichst mitten in der Stadt“ könne Abhilfe schaffen.

Integration braucht Zeit, so Akgün. Noch immer seit etwa unklar, welche Bildungsabschlüsse die Neuankömmlinge mitbrächten. „Dass man einfach sagt, wir wissen nicht, wer da angekommen ist, ist ein Armutszeugnis“, kritisiert Akgün. Nur eine Integrationspolitik, die sich um eine genaue Bestandsaufnahme nicht drücke, könne glücken. „Es soll niemand sagen, dass Integration in fünf Jahren zu schaffen sei“, sagt Akgün. „Integration braucht eine Generation.“

Von Frauke Herweg

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