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Zu wenig Platz für Förderschüler

Ostprignitz-Ruppin Zu wenig Platz für Förderschüler

An den drei Schulen mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ in Ostprignitz-Ruppin wird der Platz knapp. Denn der Landkreis hat nicht mit dem wachsenden Bedarf gerechnet. Nun platzen die Förderschulen in Neuruppin, Neustadt und Wittstock aus den Nähten. Besonders dramatisch ist die Lage in Neustadt.

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In den nächsten fünf Jahren muss in Ostprignitz-Ruppin keine der derzeit 43 Schulen geschlossen werden.

Quelle: DPA

Neuruppin. Die Rheinsberger können sich kaum Hoffnung machen, dass in naher Zukunft im Prinzenstädtchen wieder Schüler ihr Abitur ablegen. „Die Stadt erfüllt die Mindestzahl an Schülern nicht, um zwei 11. Klassen einrichten zu können“, sagte am Montag Anke Somschor, die Leiterin des Kreisschulamtes. Die Behörde hat gerade den Entwurf der Schulentwicklungsplanung für die nächsten fünf Jahre, von August 2017 bis Juli 2022, erarbeitet.

Wenig Chancen für Rheinsbergs Wunsch

Um zwei 11. Klassen einrichten zu können, wären 40 Schüler notwendig. So schreibt es das Schulgesetz vor. Wie Rheinsberg diese Schüler aufbringen will, ist fraglich. Geht doch die Behörde davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren die Zahl der Schüler in der sogenannten Sekundarstufe II kreisweit von derzeit 1000 auf 900 sinken wird. Gleichwohl haben sich Rheinsbergs Stadtverordnete gleich mit zwei Beschlüssen für den Zusammenschluss von Allende-Grundschule und Rau-Oberschule zu einem „Bildungscampus’“ ausgesprochen, in den langfristig eine gymnasiale Oberstufe im Prinzenstädtchen eingebunden werden soll. Der Landkreis hätte nichts dagegen, wenn bei entsprechender Schülerzahl das Abitur auch in Rheinsberg wieder abgelegt werden kann. „Das wäre wohnortnah“, sagte Somschor. Doch danach sehe es derzeit „leider“ nicht aus.

Kein Zuschuss für die Förderschüler in Neustadt

Nicht nur die Rheinsberger stehen vor einem Problem, um ihre Wünsche umsetzen zu können. Auch die Schulbehörde steht aktuell vor einer besonderen Herausforderung. Denn völlig überraschend für den Landkreis hat das Amt Neustadt entschieden, dass es nicht länger verantwortlich sein will für den Förderschulteil, der zur Prinz-von-Homburg-Schule in Neustadt gehört. Die Entscheidung fiel allerdings nicht ganz freiwillig. Hatte doch das Amt auf Zuschüsse aus dem kommunalen Investitionsprogramm (Kip) gehofft. Bis zu 60 Prozent Förderung gewährt das Land für das Gründen von Schulzentren. Doch Neustadt soll aus diesem Topf kein Geld bekommen. „Das Land vertritt die Meinung, dass es in Neustadt schon ein Schulzentrum gibt“, sagte Amtsdirektor Dieter Fuchs. Denn die Homburg-Schule ist die einzige Gesamtschule im Landkreis, die über einen Grundschul-, einen Förder- und einen Gymnasialteil verfügt. Für Neustadt ist die Ablehnung des Zuschusses ein herber Rückschlag. Denn der Förderschulteil bietet lediglich Platz für 25 Mädchen und Jungen, derzeit werden dort aber 35 Kinder unterrichtet. „Wir müssten dringend erweitern“, sagte Fuchs. Aber ohne Zuschüsse des Landes könne Neustadt das nicht stemmen. Schließlich wird mit Investitionskosten von bis zu einer Million Euro gerechnet. Der Amtsausschuss hat sich deshalb bereits dafür ausgesprochen, dass der Landkreis wieder die Verantwortung für die Förderschüler übernehmen soll und damit auch verantwortlich dafür ist, dass die Mädchen und Jungen genügend Platz in der Schule haben. Neustadt hofft darauf, dass der Kreis am Standort festhält und den Schulteil einfach erweitert. „Genügend Platz ist vorhanden“, sagte Amtsdirektor Fuchs. Doch es gibt ein Problem: Das Gebäude gehört nicht dem Landkreis.

Zu wenig Platz auch in Neuruppin und Wittstock

Die Schulbehörde will deshalb in Ruhe überlegen, ob sie für die Förderschüler am Standort Neustadt festhält oder gleich einen ganz anderen sucht. Immerhin werde das Gros der Förderschüler sowieso mit dem Bus nach Neustadt gefahren, so Somschor.

Raumprobleme gibt es allerdings nicht allein in Neustadt für Förderschüler mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt „geistige Entwicklung“. Vielmehr wird auch der Schule am Kastaniensteg in Neuruppin und der Mosaik-Schule in Wittstock der Platz für Förderschüler knapp. „Das ist ein Phänomen“, sagte Somschor. In Wittstock stieg die Schülerzahl innerhalb von fünf Jahren von 54 auf 67, in Neuruppin von 63 auf 75. „Wir haben überall ein Kapazitätsproblem“, so die Amtsleiterin. Deshalb müsse der Landkreis über Erweiterungen nachdenken – auch in Neuruppin und Wittstock. Denn laut den Prognosen im Schulentwicklungsplan bleibt die Zahl der Förderschüler mit dem Schwerpunkt „geistige Entwicklung“ in den nächsten fünf Jahren stabil: Aktuell werden an den drei Schulen 177 Mädchen und Jungen in 22 Klassen unterrichtet; im Schuljahr 2021/22 werden es vermutlich 168 Schüler sein.

Weniger Abc-Schützen

Etwas verringern wird sich laut dem Entwurf des neuen Schulentwicklungsplanes in den nächsten fünf Jahren die Zahl der Abc-Schützen im Landkreis: von durchschnittlich 835 Einschülern auf 800. Einen Rückgang erwarten die Experten vor allem im ländlichen Raum. Gleichwohl ist keine der 43 Schulen in Ostprignitz-Ruppin bis zum Jahr 2022 von Schließung bedroht.

Relativ konstant bleiben die Schülerzahlen in der so genannten Primarstufe (Klassen 1 bis 6). Das Schulamt rechnet mit gut 4900 Mädchen und Jungen pro Schuljahr. Ähnlich sieht es in der Sekundarstufe I aus. Dort erwarten die Experten pro Jahr mehr als 3400 Schüler.

Nach der 6. Klasse wechselten in den vergangenen fünf Jahren 9 Prozent der Schüler in eine Gesamt-, 48 Prozent in eine Oberschule und fast 40 Prozent an ein Gymnasium.

Von Andreas Vogel

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