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Ostprignitz-Ruppin Zu wenig Umsatz: Immer weniger Telefonzellen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Zu wenig Umsatz: Immer weniger Telefonzellen
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02:15 11.02.2016
Verlassen: die Telefonzelle am Fontaneplatz. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Gut drei Jahre ist es her, dass die Telekom 13 von 21 Telefonzellen in Neuruppin abbauen wollte. Die Stadtverwaltung hatte sich dagegen ausgesprochen, weil die Zellen ihrer Ansicht nach auch im Zeitalter von Internet und Handy zur Grundversorgung gehören. Die Abgeordneten schlugen vor, lediglich zwei Telefonzellen abzubauen, die überflüssig sind, weil es in der Nähe andere gibt, die zu Fuß gut zu erreichen sind. Auch die gelbe Zelle am Fontaneplatz sollte bleiben, obwohl die Telekom sie damals abreißen wollte. Noch steht sie zwar, ist im Inneren aber vollgeschmiert und die Scheiben wurden eingeschmissen. Wie viele andere im Stadtgebiet ist sie dem Vandalismus ausgesetzt und scheint kaum genutzt.

Wie viel kostet eine Zelle?

Die erste Telefonzelle, damals noch „Fernsprechkiosk“ genannt, wurde am 12. Januar 1881 in Berlin in Betrieb genommen. Telefonieren funktionierte damals mit Telephon-Billets – sogenannten Fernsprechscheinen, die als Vorläufer der Telefonkarten gelten.

Ab den 1920er-Jahren waren Telefonhäuschen mit Münzfernsprechern auf vielen öffentlichen Plätzen und Straßen zu finden.

Die Farbe der Telefonzellen war ab 1932 strikt vorgegeben. Zunächst waren sie blau und gelb, ab 1934 rot, ab 1946 wieder gelb und Mitte der 1990er Jahre wurden sie der weiß-grau-magenta-farbenden Telekom angepasst. Die gelben Zellen aus Bundespostzeiten sind selten geworden und haben je nach Zustand und Modell einen hohen Sammlerwert.

7500 Euro kostet eine geschlossene Telefonzelle, die mit einem Münzfernsprecher oder einem Kartentelefon ausgestattet ist (ohne Wartungskosten). Die einfache Basisversion ohne Häuschen und Display ist hingegen etwa 500 Euro wert.

Die Telekom erfüllt einen Versorgungsauftrag, wonach öffentliche Telefone schnell zu Fuß erreichbar sein sollen. Das entspricht einer maximalen Entfernung von 2,5 Kilometern. 2009 gab es in Deutschland noch 90.000 Telefonzellen der Telekom. Momentan sind es nur noch 30.000.

Bundesweit noch 30.000 Telefonzellen

Wie viele Telefonzellen es in Neuruppin und den Ortsteilen noch gibt, konnte die Telekom auf Anfrage nicht sagen. „Solche Daten halten wir in dieser Form für die externe Kommunikation nicht vor“, sagte Telekom-Sprecher Markus Jodl. Abgebaut werden sollten die Zellen damals, weil sie kaum noch genutzt wurden. „Die Bedeutung hat mit dem Hausanschluss und dem Siegeszug des Handys abgenommen“, so Jodl weiter. Die Telekom betreibt bundesweit noch rund 30.000 Telefonzellen. Alternativanbieter stellen weitere zur Verfügung. Besonders an Flughäfen und Bahnhöfen werden sie immer noch stark genutzt, sagt der Sprecher.

Wenn der monatliche Umsatz der Zelle unter 50 Euro sinkt, darf die Telekom Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen. Denn dann wird der Fernsprecher für das Unternehmen unwirtschaftlich. „Der Unterhalt einer Telefonzelle kostet Geld, etwa für Strom, Standortmiete und Wartung“, so Markus Jodl. Neuruppin muss laut Rathaussprecherin Michaela Ott nichts für die Telefonzellen zahlen. Will eine Kommune unbedingt an einem Standort festhalten, der sich aus Sicht der Telekom nicht mehr lohnt, wird über kostengünstigere Alternativen verhandelt. Einfache Basistelefone zum Beispiel, die sich nicht in einem Häuschen befinden und keine Displays oder Kartenschlitze haben.

Fontanestadt trennte sich von 2 Zellen

Von zwei Telefonzellen trennte sich die Fontanestadt im Jahr 2013. Eine stand in der Seepromenade und die andere an der Präsidentenstraße Ecke Rosa-Luxemburg-Straße. Auch den Fernsprecher am Bernhard-Brasch-Platz gibt es mittlerweile nicht mehr. Einige andere wollte die Stadt unter der Bedingung abbauen lassen, dass in der Nähe andere Münz- oder Kartentelefone errichtet werden. Derzeit gibt es keine neuen Pläne, was den Rückbau weiterer Telefonzellen betrifft, so Michaela Ott. Über eventuelle Maßnahmen müsste die Telekom die Stadt informieren.

In einigen anderen Städten werden alte Telefonzellen bereits zu Minibibliotheken umfunktioniert. In Eichwalde (Dahme-Spreewald) etwa beherbergt die alte Zelle am Bahnhof seit fünf Jahren Bücher, die zum Tausch angeboten werden. Wer ein Buch findet, das ihn interessiert, kann es ausleihen, ein anderes reinlegen oder es wieder zurückbringen.

Telekom-Sprecher Markus Jodl weist außerdem darauf hin, dass die alten Telefonzellen zum Verkauf stehen. „Je nach Typ und Zustand kosten sie ab 300 Euro aufwärts“, sagt Jodl.

Von Luise Fröhlich

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