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Ostprignitz-Ruppin Zühlen: Manufaktur am Straßenrand
Lokales Ostprignitz-Ruppin Zühlen: Manufaktur am Straßenrand
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23:50 05.07.2016
Viola Hoffmann aus Zühlen verkauft die Erzeugnisse ihres Hofs direkt am Straßenrand. Quelle: Celina Aniol
Zühlen

Es ist heiß, superheiß. Alle ihre Schulfreunde packen Badesachen ein und verziehen sich frohlockend an den See – nur Viola Hoffmann muss aufs Feld. „Ich habe es gehasst, richtig gehasst“, erzählt die heute 50-Jährige. „Das war so gemein, und gar nicht meins. Ich hatte nie Interesse an dem Bauernhof meiner Eltern, die Schweine, Kühe, Hühner, Enten, Tauben und ganz früher sogar Pferde hielten.“ Doch es blieb ihr nichts anderes übrig: Sie musste trotzdem ran zum Heuen. Dass sie einige Jahrzehnte später selbst den Hof führen würde, das hätte die Zühlenerin nie und nimmer geglaubt. Jetzt tut sie es aber doch, verarbeitet ihre Sachen sogar weiter und verkauft diese unter dem Namen „Grobis Manufaktur“ an einem Straßenstand direkt an ihrem Elternhaus.

Einige Jahre war sie weg. „Ich habe die Stuttgarter Gegend unsicher gemacht“, erzählt Viola Hoffmann lachend. Doch dann brauchten ihre Eltern Hilfe. Also kam sie zurück – und bereut es nicht. „Es ist ein toller Ausgleich zum Beruf“, sagt sie. Erst seit dem vergangenem Jahr bietet sie alles, was der Hof hergibt, in ihrem Stand an. Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln sind dabei, aber auch Kürbisse und Tomaten – Früchte eher selten.

Auch Geflügel wird auf dem Hof gezüchtet. Quelle: Aniol

Denn diese verarbeitet sie meistens zu Aufstrichen und Gelees. „Schon als meine Kinder klein waren, habe ich Aufstriche gemacht“, sagt Viola Hoffmann. „Danach hatte ich eine Kreativpause.“ Jetzt bietet sie über 20 verschiedene Sorten an. Neben Klassikern wie Quitten- oder Birnen-Gelee stehen nun auch Kürbis-Apfel- oder Kartoffel-Apfel-Fruchtaufstrich, der Holunderblütensaft und Liköre mit verschiedenen Fruchtnoten. Gemacht und verkauft wird, was den Kunden schmeckt. Und was es ist, das hat sie 2015 getestet. Ihr Fazit: Es ist schlicht die Vielfalt, die gut ankommt. Und dass sie alles ohne Chemie anbaut und verarbeitet. Im Moment produziert sie ihre Aufstriche und Gelees gar nicht auf dem Hof, weil laut den Behörden die Voraussetzungen dafür fehlen – sondern stattdessen bei befreundeten Bauern. „Das ist ziemlich umständlich“, sagt Viola Hoffmann, die zwei erwachsene Kinder hat. Bis Ende des Jahres will Viola Hoffmann aber gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Holger Grobel eine extra Küche für ihre Manufaktur bauen. Irgendwann soll ein richtiger Hofladen folgen. „Aber so weit sind wir noch lange nicht.“

Leckeres aus Obst und Gemüse. Quelle: Aniol

Denn leben kann sie von ihrem Verkaufsstand am Straßenrand im Moment noch nicht. „Definitiv nicht“, sagt Viola Hoffmann, die nebenher noch arbeiten geht. „Da müsste ich eine Großbauernschaft haben, um mehr produzieren zu können.“ Außerdem gibt es Tage, an denen kein Auto vor der Toreinfahrt hält. Dafür aber meistens am nächsten fünf, acht oder zehn. Neben der schwankenden Kundenschar kommt das Problem mit der Bezahlung hinzu. Denn bei „Grobis Manufaktur“ gibt es eine Kasse des Vertrauens. Und die wird nur bis zu 70 Prozent ehrlich befüllt. „Da hat schon mal jemand für 20 Euro eingekauft und allen Ernstes 20 Cent reingelegt“, erzählt Viola Hoffmann. „Da wird man schon stinkig.“

Verändern will sie das System aber nicht. Denn andauernd an der Kasse sitzen, das kann sie nicht. „Dafür ist zu viel auf dem Hof zu tun“, sagt die Zühlenerin, die neben Obst- und Gemüse-Produkten auch Enten und Gänse und bald auch Wachteln anbietet und Besuchern, die die Tiere sehen wollen, auch gern ihren künftigen Weihnachtsbraten zeigt.

Fruchtaufstriche gibt es in vielen Geschmacksrichtungen. Quelle: Aniol

Dass ihr Lädchen sich so schnell so gut entwickelt hat, liege vor allem an der Lage. Davon ist Viola Hoffmann überzeugt. Denn der Hof befindet sich direkt an der Route zwischen der Autobahn oder der Kreisstadt Neuruppin und Rheinsberg. Viele Berliner kommen auf dem Weg in den Urlaub fast schon zwangsläufig an Zühlen vorbei. „Das ist genial. Wenn ich in einer Nebenstraße wohnen würde, würde das ganze Konzept mit dem Verkaufsstand gar nicht funktionieren.“ Von diesem Standortvorteil profitiert indes nicht sie allein: Auch viele andere Zühlener bieten an der Straße an, was ihr Garten und Acker hergeben. „Das ist schon auffällig“, sagt Viola Hoffmann. „Wir sind wohl das Dorf mit den meisten Straßenverkäufern in der Gegend.“

Von Celina Aniol

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