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Treffen des Heimatkreises Züllichau-Schwiebus in Neuruppin Per Mausklick in die alte Heimat

Elfriede Seltenheim war gerade 14 Jahre alt, als die russischen Panzer Ende Januar 1945 durch ihren Heimatort, Rosin, rollten.Die Eltern hatten bereits gepackt, doch die Straßen waren verstopft. Heute ist sie 84, doch die Erinnerungen sind noch frisch. Am Sonntag berichtete sie davon beim Treffen der Vertriebenen in Neuruppin

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Elfriede Seltenheim beim Vertriebenentreffen am Sonntag in Neuruppin.

Quelle: Cornelia Felsch

Neuruppin. Elfriede Seltenheim war gerade 14 Jahre alt, als die russischen Panzer Ende Januar 1945 durch ihren Heimatort, Rosin, rollten. Die Eltern hatten bereits gepackt, doch die Straßen waren verstopft. Erst im Juni gelang es der Familie, weiter in Richtung Westen zu reisen. Ein Kommandant, dem sie ihre letztem Habseligkeiten gaben, nahm sie mit nach Frankfurt (Oder). Bis zu diesem Zeitpunkt konnte jeder mit uns machen, was er wollte“, sagt die Rentnerin, die am Sonntag zum 25. Heimattreffen des Kreises Züllichau-Schwiebus nach Neuruppin kam. Im März war Elfriede Seltenheim zu Gast in der ARD-Sendung von Sandra Maischberger. Dort hat sie erstmals in der Öffentlichkeit über das Erlebte gesprochen.

Vergessen können die Menschen, die damals ihre Heimat verloren haben und viele schreckliche Dinge erlebten, diese Ereignisse nicht. Die 84-jährige Berlinerin erinnert sich noch an viele Details – wie der Vater abgeholt wurde und später Männer die Scheiben der Wohnung eindrückten und zu den verängstigten Frauen vordrangen. „Eine Bekannte lag mit ihrer zehnjährigen Tochter im Bett. Ein Mann stürzte sich sofort auf die Mutter“, erzählt Elfriede Seltenheim, die so etwas ebenfalls erleben musste. „Aber wir durften nicht aufgeben, wir wollten durchhalten, damit wir da sind, wenn Papa wieder kommt.“ Er kam nicht wieder, erst viele Jahre später erfuhr sie, dass er im April schon tot war.

Enkel Tjarkole Reimann zeigt der Neuruppinerin Almuth Schlenz den ehemaligen Wohnort der Großeltern

Enkel Tjarkole Reimann zeigt der Neuruppinerin Almuth Schlenz den ehemaligen Wohnort der Großeltern.

Quelle: Cornelia Felsch

Der Krieg beschäftigt die Menschen, die am Sonntag in den Stadtgarten kamen, immer noch. Das Heimattreffen weckt Erinnerungen, und die sind eng mit dem Krieg verknüpft. Dennoch sind die Menschen gut gelaunt, hier treffen sie bekannte Gesichter, Schulfreunde und manchmal sogar ehemalige Nachbarn. Viele der 350 Gäste betreiben Ahnenforschung, kommen mit alten Fotos oder selbst geschriebenen Memoiren.

Mehr als 1200 Familien aus dem Kreis Züllichau-Schwiebus leben heute im Land Brandenburg. 1945 wurden viele von ihnen auch nach Neuruppin evakuiert. Hier treffen sie sich seit einem Vierteljahrhundert einmal im Jahr. „Wir hadern nicht mit unserem Schicksal und halten uns aus der Politik heraus“, sagt Heimatkreisbetreuer Siegfried Reimann. „Unser Anliegen ist es, unsere ehemalige ostbrandenburgische Heimat nicht zu vergessen.“ Wichtig sind ihm die guten Beziehungen zu den polnischen Städten. „Die Bürgermeister von Sulechow und Swiebodzin sind uns sehr zugetan“, sagt er. „Auch unseren Kindern und Enkelkindern wollen wir erzählen, wo unsere Wurzeln liegen.“ Seit zehn Jahren ist der 86-Jährige Ansprechpartner für Menschen, die einmal jenseits der Oder lebten. Auch seine Ehefrau sowie Sohn und Enkelsohn sind bei fast jedem Treffen dabei. Am Sonnabend besuchten sie gemeinsam den Neuruppiner Friedhof, um am Denkmal für die Kriegsopfer Kränze niederzulegen. Sohn Tobias führte beim Heimattreffen durch das Programm im Stadtgarten, Enkel Tjarkole unternahm mit interessierten Gästen eine virtuelle Reise in die alte Heimat. Google-Maps macht’s möglich. In wenigen Sekunden erscheint die Dorfstraße von Wegrzynice auf dem Bildschirm, „Dort ist das ehemalige Haus meines Großvaters“, sagt Tjarkole Reimann. Auch die Neuruppinerin Almuth Schlenz reist mit dem Online-Dienst nach Lubrza, von dort kommen der Vater und die Großeltern.

Von Cornelia Felsch

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