Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Zukunftsmusik vom „Kleeblatt“

Kyritz Zukunftsmusik vom „Kleeblatt“

Zehn Jahre bereits gibt es das „Kleeblatt“, den freiwilligen Zusammenschluss von Kyritz, Neustadt, Wusterhausen und Gumtow. Die vier Kommunen beschließen dieser Tage die Fortschreibung ihres Entwicklungskonzeptes bis 2030. In Kyritz ist das schon geschehen, die Wusterhausener und Gumtower haben die Vorlage am 10. Oktober auf dem Tisch, zeitnah zu Neustadt.

Voriger Artikel
Familienzentrum der Awo wird zehn Jahre alt
Nächster Artikel
Zu schnell auf staubigem Weg

Zum Bahnhofsgebäude in Neustadt gab es schon viele Diskussionen und Pläne. Umgesetzt wurde bisher davon nichts.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Kyritz. Nahezu geräuschlos vergeht für die Menschen rund um Kyritz, Neustadt, Wusterhausen und Gumtow ein Jubiläumsjahr. Zehn Jahre ist es her, da wurde die Saat für das kommunale „Kleeblatt“ gelegt. Das Gewächs mit den vier Blättchen war nichts anderes, als die durch die Kreisgebietsreform 1993 entstandenen Strukturen in einem freiwilligen Zusammenschluss wieder mit einer Klammer zu versehen.

Nicht, dass die Vier ihre Selbstständigkeit geopfert hätten, nur wollte man seine Kräfte bündeln. Die Stadt Kyritz, das Amt Neustadt und die Großgemeinde Wusterhausen einigten sich 2007 darauf. Gumtow kam 2010 als Vollmitglied hinzu. Die Vierlinge bildeten innerhalb der brandenburgischen Landesplanung einen Mittelbereich. So war es in Potsdam gewollt. Die Einstufung in diese Kategorie regelt die Vergabe von Fördermitteln. Sie erfolgt in jedem Fall an das Mittelzentrum. Das wiederum ist die Stadt Kyritz. Damit entspricht die Kleeblatt-Region dem Zuschnitt des früheren Kreises Kyritz. Dessen größte Kommune ist mit rund 9000 Einwohnern also die „Alt-Kreisstadt“.

Wichtigste Aufgabe ist die Daseinsvorsorge

„Unsere wichtigste Aufgabe ist und bleibt die Daseinsvorsorge für die Bürger in den ‚Kleeblatt’-Kommunen“, sagt Nora Görke. Die Kyritzer Bürgermeisterin ist Vorsitzende des Kooperationsrates, der mit allen Vorsitzenden der Gemeindevertretungen regelmäßig tagt. Wenn es um das Miteinander geht, spricht man in den Rathäusern nur vom „MEK“. Dahinter verbirgt sich das „Mittelbereichs-Entwicklungskonzept“. Es ist langfristig angelegt bis 2030 und wird derzeit wieder in allen kleeblättrigen Kommunalvertretungen diskutiert.

Denn die Handlungsgrundlage lebt von der Fortschreibung der geplanten Aktivitäten. Dazu stehen an den vier Standorten Diskussionen und Beschlüsse der Gemeindevertretungen an. In Kyritz ist das schon geschehen, die Wusterhausener und Gumtower haben die Vorlage am 10. Oktober auf dem Tisch, zeitnah zu Neustadt. Was soll in der strukturschwachen Ostprignitz in den nächsten Jahren entstehen? Das ist nur die eine Frage. Wichtiger in diesem Zusammenhang: Für wen und mit wem? Bei der Beantwortung kommt das Konzept an der demografischen Entwicklung nicht vorbei. Die Prognosen sehen für das „Kleeblatt“ Unterschiede voraus. Die Kommunen im Mittelbereich Kyritz haben zwischen 1990 und heute eine beständige Abnahme der Einwohnerzahl hinnehmen müssen. Zwischen 1992 und 2000 betrug dieser Verlust etwa 5 Prozent, zwischen 2000 und 2011 weitere fast 13 Prozent. Seitdem setzte sich der Schwund fort.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Aktuell liegt der regionale Rückgang der Einwohnerzahl übrigens nicht hauptsächlich am Wegzug. Ausschlaggebend ist eine deutlich über der Geburtenrate liegende Anzahl von Sterbefällen. Auch dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren verstärkt fortsetzen. Das Entwicklungskonzept hat weitere Fakten zu berücksichtigen. So werden die Gemeinde Gumtow und das Amt Neustadt nach der Landesprognose stärker vom Einwohnerrückgang und von geringerer Anzahl von Kindern und Jugendlichen betroffen sein als Kyritz und Wusterhausen. Gumtow trifft der Rückgang dabei voraussichtlich noch einmal stärker als das Amt Neustadt. Die beiden Kommunen mit der prognostiziert stabilsten Entwicklung unterscheiden sich ebenfalls: Wusterhausen hat demnach einen etwas schwächeren prozentualen Rückgang zu erwarten als Kyritz. Dafür behält die Ex-Kreisstadt den prozentual und absolut höchsten Anteil an Kindern und Jugendlichen in der Kleeblatt-Region.

„Als Schlussfolgerung für die regionale Strategie ist hier kein Konkurrenzgedanke maßgeblich, sondern der Wert eines gut aufgestellten Mittelzentrums für den Mittelbereich. Denn die relative Stärke des größten Einzelortes ... hilft auch den anderen Kommunen in der Kleeblatt-Region“, heißt es im mehr als 50 Seiten umfassenden MEK-Papier.

Dauerthema Neustädter Bahnhof

Bei den Vorhaben bis 2030 steht der Bereich Gesundheit, Bildung, Pflege, Senioren an vorderster Stelle. Dazu gehört, in Kyritz das leer stehende alte Krankenhaus-Gebäude für Prävention und Pflege zu nutzen, die Carl-Diercke-Schule barrierefrei zu gestalten, generell die Schulstandorte im Kleeblatt zu erhalten und auszubauen. Das Mehrgenerationenhaus in Kyritz hat gute Chancen, energetisch neu gestaltet und mit einem Aufzug ausgestattet zu werden. Wusterhausen bringt die Umnutzung der Seemühle als Wohnstandort ins Gespräch (mittlerweile realisiert), gleichfalls den Umbau eines Teils der kommunalen Kita Regenbogen (Ausschreibungen der Arbeiten stehen unmittelbar bevor).

Angemerkt werden die fehlende Nutzung des Renaissanceschlosses Demerthin als dringend veränderbar und die weitere Gestaltung des Klosterviertels in Kyritz. Neustädter fassen perspektivisch den Neubau eines Sport- und Freizeitkomplexes ins Auge und nicht fehlen darf natürlich das Dauerthema „Bahnhof“. Für ein endliches Raus aus dem unsäglichen Bild, das er abgibt, werden zunächst 500 000 Euro veranschlagt. Irgendwann soll es einen „Zukunftsbahnhof Neustadt (Dosse)“ geben , für jedermann ungehindert zugänglich, mit differenzierten Nutzungen, „wichtigster Mobilitätsknotenpunkt der Region sowohl für den öffentlichen als auch den privaten Verkehr.“ So steht es noch auf dem Papier.

Von Wolfgang Hörmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg