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Zum Brüllen: Ingo Appelt in Neuruppin

Gastspiel im Kulturhaus Zum Brüllen: Ingo Appelt in Neuruppin

Ein Mann – viele Worte. Ingo Appelt wäre nicht er selbst, wenn er nicht ununterbrochen reden würde. Im Kulturhaus Neuruppin unterhielt er seine Fans mit so heißen Themen wie Flüchtlingspolitik, Ode an die Frauenwelt, Tipps zur Anbahnung von Sex und – wenn das nicht klappt – zur perfekten Masturbation. Seine Parodien kamen bei den Fans gut an.

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Frau kratzt und beißt andere Frau

Mach mir den Herbert: Ingo Appelt mit „Flugzeugen im Bauch“.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Ingo Appelt fackelt nicht lange. Um den heißen Brei herum reden oder lange Vorspiele sind seine Sache nicht. Im fast vollen Neuruppiner Kulturhaus kommt er denn auch – zack zack – zum Punkt und fasst gleich ein heißes Eisen an: die überbrodelnde Flüchtlingsdebatte. Den Vorwurf, zimperlich zu sein, muss der Comedian sich nicht machen lassen. Politisch korrekt? Drauf gepfiffen. Appelt schaut Politikern und Volk gleichermaßen aufs Maul, parodiert und provoziert in einem Atemzug mit polterig-dumpfen Stammtischparolen und inhaltsleeren Wortblasen der Politiker. Das mag schockieren – unintelligent ist es nicht. Appelt beobachtet präzise und weiß genau, wie weit er gehen kann. Und geht trotzdem oftmals einen Schritt über die Grenze hinaus. Nicht umsonst wurde vor ein paar Jahren bekannt, dass er wegen seiner Islamwitze im Visier einer Düsseldorfer al-Qaida-Zelle stand. Aber Appelt wäre nicht Appelt, wenn ihn das auch nur ansatzweise scherte.

Der Meister des schwarzen Humors

Der Meister des schwarzen Humors: Ingo Appelt bei seiner Show in Neuruppin.

Quelle: Regine Buddeke

So redet er sich auch am Freitagabend frisch-fröhlich in Rausch und das Publikum in Grund und Boden. Die Themen gehen ihm dabei nicht aus und auch sein Vokabular kommt unbekümmert-ungewaschen daher. Tabus sind etwas für andere. Insofern verwundert es nicht, dass einige im Saal mit in Schockstarre eingefrorenen Gesichtern auf das Ende aller Peinlichkeiten warten, während das Gros der Zuschauer sich vor Lachen die Bäuche hält. Denn Ingo Appelts Gags mögen unterhalb der Gürtellinie und oftmals noch etwas tiefer liegen – die Pointen setzt er indes perfekt. „Mann will Sex? Da musst du geduhuldig sein“, schluchzt er mit der Stimme von Xavier Naidoo, dem „Godfather of Eierstock-Vibrations“, wie er ihn nennt. „Überlegt mal Männer: Millionen Frauen haben sich die Platte gekauft und sich gefragt: Woher kennt der mich so gut? Warum? Weil Frau so harte Typen gar nicht will“, säuselt der Frauenversteher und gibt den Männern auf den Weg, dass Frauen gern als gottgleiche Wesen behandelt werden wollen. Auch wenn sie sich dann später angesichts des ungewaschenen, rauchenden, saufenden Typs auf ihrer Couch fragen, wo der sensible Typ geblieben ist, in den sie sich am Anfang verliebt haben.

„Die Spezies verliebter Mann ist biologische Verarsche. Der Mann tarnt sich als Frau – und hat dabei nur ein Ziel“, gibt Appelt den Frauen zu verstehen und ist dafür das beste Beispiel, indem er es der Frau gleichtut und redet, redet, redet. Und zwar darüber, wie wortfaul Männer sind und wie begabt die Weiblichkeit, was Kommunikation betrifft. Ein ganzes Kaffeekränzchen kann nicht so viel Worte machen wie Appelt in nur einer Stunde. Und dabei hat er das Publikum fest im Griff. Das nötigt Respekt ab.

Er ätzt über die Salatblatt-Lutscherinnen bei „Germanys Next Topmodel“: „Sollen die doch nach Äthiopien gehen, wenn sie hungern wollen“, tönt er und wirbt für Frauen, wo ein Schlag auf den Hintern klatscht, nicht klappert.

Die Neuruppinerinnen sind hin und weg

Sylvia Lehmann und Petra Friedenberger haben in der Pause zwei Tassen mit dem Aufdruck „Göttlich“ gekauft. „Natürlich für uns“, strahlen beide nach der charmanten Gehirnwäsche des Comedians. Beide sind hin und weg von Appelt. Er sei einer der wenigen Comedians, der nicht frauenfeindlich ist, versichern beide unisono. „Live ist er noch viel besser als im Fernsehen“, sind sie sich einig. Auch dass er das Tagesgeschehen aufgreift, kommt gut an.

Nach der Pause ist Appelt in seinem Element. Seine Parodien sind legendär. Er nuschelt sie alle: die Kanzlerin, Til Schweiger, Udo Lindenberg. Sein Herbert Grönemeyer gerät zur Lokus-Sturz-Geburt – das ist echt hörenswert. Und damit nicht genug, beglückt er seine Fans auch noch mit pikanten Themen wie Masturbation. Da fragt er gern genauer nach, bis sich die Angesprochene fast schon windet, bevor er mit Details aufwartet, die ins Thema „Feuchtgebiete“ abglitschen. Zum Trost bringt er eine Klavierballade. Doch schnell wird klar: Das zarte Stück handelt von seinem zarten Stück. Wobei: Bei Ingo Appelt könnte das auch gut die Zunge sein.

Von Regine Buddeke

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