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Ostprignitz-Ruppin Zum Gedenken an Opfer der Pogromnacht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Zum Gedenken an Opfer der Pogromnacht
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10:15 10.11.2017
Klare Aussagen beim Wittstocker Gedenkmarsch. Quelle: Christamaria Ruch
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Wittstock

Der Gedenkmarsch zur Pogromnacht setzt sich am Donnerstagabend in Wittstock von der Marenkirche aus in Bewegung. Zunächst steuert die gut 30-köpfige Gruppe zum ehemaligen jüdischen Friedhof am Rosenplan. Später sind der Marktplatz mit den Stolpersteinen und das Catharina-Dänicke-Haus die weiteren Stationen. An allen drei Orten erinnern die Bürger an das Leid, die Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung ab 1938 in Deutschland und somit auch in Wittstock.

Wieder ist das Bündnis „Wittstock bekennt Farbe“ Organisator dieses Marsches. Superintendent Matthias Puppe steht dem Bündnis vor und reihte sich an diesem Abend ebenfalls ein. Auch Jan Redmann, CDU-Landtagsabgeordneter, zeigte dabei Flagge. Carmen Lange, Gedenkstättenleiterin Todesmarsch im Belower Wald, erinnerte auf dem jüdischen Friedhof an die jüdischen Mitbürger in Wittstock in der Zeit des Nationalsozialismus. „Auch hier in Wittstock wurden am 9. November 1938 Juden drangsaliert, das waren die Familien Rehfisch und Mendelsohn.“ Seit März 2014 erinnern fünf so genannte Stolpersteine an Erich, Jilly und Lore Mendelsohn sowie Hedwig und Gerhardt Rehfisch. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte die Stolpersteine an den Standorten Markt 6 und 10, die ehemaligen Wohnorte dieser Familien.

Die Besucher entziffern im Kerzenschein die Inschrift auf dem jüdischen Gedenkstein vom Friedhof. Quelle: Christamaria Ruch

Carmen Lange las auf dem Friedhof aus einem Brief von Albert Herzfeld (1865 bis 1943). Der deutsche Maler und Autor mit jüdischer Abstammung stammte aus Düsseldorf und starb im Vernichtungslager Theresienstadt. In dem Brief von Herzfeld heißt es: „Es wird eine Zeit kommen, in der diese Dinge nicht mehr verstanden werden, die hier passieren.“ Er hoffte 1938 darauf, dass die meisten Parteimitglieder die Judenvernichtung nicht billigen würden. Doch die Geschichte zeigt einen anderen Weg. „Auch heute befinden wir uns auf einer dünnen Schicht, denn wir sehen, wie nah wir an der Barbarei stehen“, sagte Carmen Lange. „Auch wenn heute die Bevölkerung in Deutschland aufgeklärter ist, muss immer wieder für die Demokratie und Menschenrechte gekämpft werden“, mahnte sie an. Dann folgten die Besucher einer jüdischen Tradition und legten kleine Steine auf den Gedenkstein.

Elisabeth Hackstein legt einen kleinen Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof in Wittstock nieder. Quelle: Christamaria Ruch

Unter den Besuchern des Gedenkmarsches war auch Paula Kropius mit ihren beiden zwei und sieben Jahre alten Kindern. Die 32-Jährige engagiert sich im Bündnis „Wittstock bekennt Farbe.“ Bereits zum dritten Mal reihte sie sich bei diesem Gedenken ein. „Ich möchte meinen Kindern Werte vermitteln, dass man immer darauf achten muss, wenn andere Menschen schlecht behandelt werden“, sagte sie. Ihr Sohn Juri ist sieben Jahre alt und weiß schon aus den Gesprächen mit seinen Eltern, wer Adolf Hitler war. „1938 schauten viele Menschen weg, doch das darf sich nicht wiederholen“, so Paula Kropius. Elisabeth Hackstein aus Heiligengrabe war das erste Mal bei diesem Gedenken dabei. „Ich habe das gar nicht gewusst, dass hier Jahr für Jahr an die Pogromnacht erinnert wird“, sagte sie. Der Abend endete im Catharina-Dänicke-Haus mit dem Film „Nicht alle waren Mörder“, in dem der Schauspieler Michael Degen seine Lebensgeschichte erzählt.

Von Christamaria Ruch

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