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Zum Traumhaus gepilgert

Wusterhausen Zum Traumhaus gepilgert

Was schon bald sein neues Heim werden soll, hatte Thomas Fleischer in Wusterhausen nur zufällig entdeckt: Er war auf dem Pilgerweg von Bad Wilsnack nach Rohrlack, seinem jetzigen Wohnort, und verliebte sich unterwegs in Wusterhausen auf den ersten Blick in das alte Fachwerkgebäude.

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Thomas Fleischer am Eingangstor, das noch heute originale Ornamente zieren.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Wusterhausen. „Ein Stern wird aufgehn“. Es liest sich ein bisschen mystisch, was da aufgeschrieben worden ist, ausgestellt als schmale Papierrolle in zwei ziemlichen blinden Stubenfenstern. Die blass gewordene Schrift stammt aus der vergangenen Adventszeit. Sie klingt wie ein Versprechen. Aufgeschrieben hat es Thomas Fleischer. Der 46-Jährige aus Süddeutschland, in seinem ersten Berufsleben Architekt, war da gerade Eigentümer des Hauses in der Kyritzer Straße 6 von Wusterhausen geworden. Dendrologische Untersuchungen legen sein Baujahr auf etwa 1695 fest. Damit gehört das Haus zu den ältesten der Stadt.

Die Umstände, wie Thomas Fleischer zu der altehrwürdigen Immobilie kam, sind nicht alltäglich. Genau genommen hat er sie sich nämlich erwandert. „Ich war auf dem Pilgerweg, kam aus Bad Wilsnack und wollte nach Rohrlack, meinem jetzigen Wohnort“, erinnert er sich. Ein Schild im Fenster der Kyritzer Straße 6 verführte zum Stehenbleiben. „Haus zu verkaufen“, stand da samt Kontaktdaten. Für den Mann aus dem Stuttgarter Raum, der mittlerweile als ausgebildeter Heilerziehungspfleger in Rohrlack mit behinderten Menschen arbeitet, war es Liebe auf den ersten Blick. Das Gebäude hatte damals schon zehn Jahre Leerstand hinter sich. Man sah es ihm an, wenngleich ein halbwegs dichtes Dach und eine funktionierende Regenrinne ein Dilemma verhindert hatten.

Nicht einsturzgefährdet, aber sanierungsbedürftig

Thomas Fleischer besann sich darauf, in seiner alten Heimat im Bereich der Denkmalpflege gearbeitet zu haben. Es sollte ihm zugutekommen. Er richtete sich provisorisch so in seinem künftigen Heim ein, dass er die komplette Vermessung der Räume, die Untersuchung des baugeschichtlichen Aufbaus und wichtige Arbeiten der Bauvorbereitung selber erledigen, dabei aber auch auf die Beratung von Architektin Kirsten Rogge aus Walchow bei Neuruppin zurückgreifen konnte. Eine Holzplatte, montiert auf einem Fotostativ wurde zum Arbeitstisch, ein Feldbett zur Schlafstatt. So kamen sich Haus und Mensch näher. Der Mensch weiß jetzt, worauf er sich eingelassen hat. Den Zustand des alten Fachwerkbaus bezeichnet er nach kurzer Überlegung als „sanierungsbedürftig“. Das liegt deutlich über „einsturzgefährdet“. Verfaulte Hölzer in Erdnähe müssen dennoch ersetzt werden. Der Dachstuhl – einst für Stroh- oder Schilfbelag konzipiert – ist so zu ertüchtigen, dass seine Latten später Biberschwänze tragen können. Die äußere Ansicht muss erhalten bleiben. Alle Arbeiten im energetischen Bereich erfolgen innen, die Dämmung vorneweg. Drinnen dürfte am Ende kaum ein Stein auf dem anderen bleiben.

Bei dem Fachwerkhaus an der Kyritzer Straße handelt es sich um eines der ältesten Gebäude Wusterhausens

Bei dem Fachwerkhaus an der Kyritzer Straße handelt es sich um eines der ältesten Gebäude Wusterhausens.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Das Haus, das im historischen Gebälk über dem Eingangstor die Jahreszahl 1700 als Baujahr verrät, hat eine interessante Raumanordnung. Nach der Sanierung, zu der die Baugenehmigung noch fehlt, werden unten nicht mehr als ein Arbeitszimmer und eine Teeküche zu finden sein. In die Etage darüber gelangt man, wenn man diese Räume verlässt, die Hofeinfahrt hinter dem Eingangstor quert und über eine an der Seite angebrachte steile Holztreppe ins obere Geschoss aufsteigt. Schlafzimmer, Bad, Küche und Wohnzimmer wollen Thomas Fleischer und seine Frau dort einmal nutzen.

Der Bauherr mit Museumsleiterin Katharina Zimmermann in der Hofeinfahrt

Der Bauherr mit Museumsleiterin Katharina Zimmermann in der Hofeinfahrt. Über die Treppe rechts gelangt man ins Obergeschoss.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Die Pläne werden vom Sanierungsträger, der BIG Städtebau, mit Fördermitteln unterstützt. Und auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz trägt einen kleinen Teil der Baukosten mit. Der größte Teil bleibt logischerweise beim Bauherren. Zwei Jahre Zeit bleiben ihm nach Erteilung aller Genehmigungen zum Umsetzen seiner Pläne, sollen die Fördermittel nicht verfallen. Geht es nach Fleischer, geht sein „Stern“ auch gerne früher auf.

Am Tag des offenen Denkmals, 10. September, kann das Haus besichtigt werden. Vom Wegemuseum aus, wo um 10 Uhr eine Sonderausstellung eröffnet wird, ist es nicht weit.

Von Wolfgang Hörmann

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