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Ostprignitz-Ruppin Zwei Muslima zu Gast in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Zwei Muslima zu Gast in Neuruppin
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02:15 14.03.2016
Evelyn Tomaske-Fellenberg, Maryam Bahrami und Sajida Parveen (v.l.) im Gespräch. Quelle: Mischa Karth
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Neuruppin

Maryam Bahrami und Sajida Parveen sind Muslima, ihre Religion ist der Islam. Seit einigen Jahren leben sie mit ihren Familien in Deutschland. Am Mittwochabend erzählten die beiden im Neuruppiner Haus der Begegnung, welche Rolle die Religion für sie als Frau spielt und welche Erfahrungen sie in Deutschland gemacht haben. Etwa 30 Zuhörer folgten dem Gespräch im Rahmen der Brandenburger Frauenwoche, an dem auch die Gemeindepädagogin Evelyn Tomaske-Fellenberg und Religionslehrer Christian Motschmann teilnahmen.

Maryam Bahrami (37) ist 2007 aus dem Iran nach Deutschland gekommen. In ihrem Heimatland „wurde seit der islamischen Revolution vor 35 Jahren alles vorgeschrieben“, sagt sie, zum Beispiel, dass Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch und lange Kleidung tragen müssen. Dabei stehe im Koran „nicht direkt, dass die muslimische Frau ein Kopftuch zu tragen hat“, so Bahrami. Vielmehr sei es eine persönliche Entscheidung der Frau, ob sie ihren Glauben auf diese Weise ausdrücken möchte. Maryam Bahrami trägt kein Kopftuch. Andere Dinge sind für sie wichtig. „Ich bin im islamischen Glauben erzogen worden und halte mich an manches.“ So gehe sie nicht schwimmen, und den Eltern komme eine besondere Wertschätzung zu. Bei Mahlzeiten „warten wir, bis Vater und Mutter am Tisch sitzen“ und bevor gegessen wird, gibt es die Gebetsformel „Im Namen Gottes.“ Bahrami fühlt sich in Deutschland integriert. Sie lebt in Neuruppin. „Ich bin in der Gesellschaft, ich arbeite hier.“ Probleme gebe es allerdings, seit die IS-Terroristen auf der Bildfläche erschienen sind. Bahrami sieht vor allem in den Medien eine Gefahr. „Sie machen Angst und sorgen für Aufregung“, sagt sie.

Dass Muslima ein Kopftuch tragen müssen, steht nicht explizit im Koran

Sajida Parveen ist seit zwei Jahren mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Deutschland. Die Familie kommt aus Pakistan und lebt ebenfalls in der Fontanestadt. Parveen schätzt die Freiheit in Deutschland. „Hier fragt niemand nach deiner Religion“, sagt die 32-Jährige. In Neuruppin könne sie als Muslima an einer evangelischen Schule arbeiten, umgekehrt sei das in Pakistan undenkbar. In ihrer Heimat habe sie große Probleme gehabt, weil ihre Schwester als Schauspielerin arbeitete. Die Wurzel der Schwierigkeiten liege nicht in der Religion, sondern im kulturellen und politischen Umgang damit. Hierbei spiele unzureichende Bildung eine große Rolle. „Viele Leuten kennen den Koran nicht so gut“, sagt Parveen. Das liege schon an der Sprachbarriere. Während der Koran in arabischer Sprache verfasst wurde, wird in Pakistan Urdu gesprochen. So ist es oft Sache von Geistlichen, die heiligen Texte auszulegen. „Die Leute glauben den Mullahs“, sagt Parveen. Wer Fragen zum Islam stelle oder die Mullahs hinterfrage, begebe sich in Gefahr.

Den Dialog zwischen den Religionen erleben viele Christen als bereichernd

Auch im Iran sei es eine geistliche Elite, die Druck ausübe, sagt Maryam Bahrami. „Ich habe Angst, wenn ich mit dem Flugzeug im Iran lande.“ Sie müsse sich sofort verhüllen, weil sie schon bei der Einreise kontrolliert werde, ob sie ein Kopftuch und lange Kleidung trage. In Ländern wie Afghanistan oder Saudi-Arabien seien die patriarchalen Strukturen noch viel stärker ausgeprägt. „Die Männer wollen den Islam für ihre Vorteile ausnutzen“, sagt Bahrami. „Ich wünsche mir ein bisschen Respekt vor islamischen Frauen, egal, ob sie ein Kopftuch tragen oder nicht. Ich erwarte von der deutschen Bevölkerung, dass Religion als eigene, private Sache respektiert wird.“

Evelyn Tomaske-Fellenberg, Gemeindepädagogin, freut sich, dass Moslems nach Deutschland kommen. „Der Dialog zwischen den Religionen kann etwas ganz Bereicherndes für die Gesellschaft sein“, sagt sie. Es sei spannend zu gucken, was gleich sei und was sich unterscheide. „Ich habe Freude daran, mein eigenes Frau-Sein als Christin in der Kirche zu hinterfragen.“

Von Mischa Karth

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